10. September 2019
GESUNDHEITSPOLITIK

Entscheidung im Herbst

Gesetzliche Neuregelungen bei Organspenden

Deutschland ist in Europa Schlusslicht bei Organspenden. Im Herbst sollen im Bundestag gesetzliche Neuregelungen für dieses sensible Thema beschlossen werden.

Das Bild zeigt ein Plastik-Modell des Menschen. Organe sicht sichtbar.
© Unsplash

Im vergangenen Jahr gab es nur rund 1000 Organspender. Diesen stehen 10.000 schwerstkranke Menschen gegenüber, die dringend ein lebenserhaltendes Spenderorgan benötigen. „Jede Spenderin und jeder Spender kann durchschnittlich drei schwerkranken Patienten eine Chance zum Überleben schenken“, sagt VdK-Präsidentin Verena Bentele. „Im Ernstfall hoffen wir alle auf einen passenden Spender.“

Wer seine Organe nach dem Tod spenden möchte, entscheidet sich bewusst dafür und dokumentiert dies bisher in einem Organspendeausweis. Zurzeit werden unter Federführung des Bundesgesundheitsministeriums mit Politikern, Ärzten, Institutionen, Verbänden und Betroffenen mögliche Rahmenbedingungen sowie eine Änderung des Transplantationsgesetzes diskutiert. Um die Zahl der Organspender deutlich zu erhöhen, wird über eine Zustimmungs- oder Widerspruchslösung nachgedacht.

Offene Debatte

Diskutiert wird, jeden Menschen nach seinem Tod als potenziellen Organspender zu betrachten, der nicht ausdrücklich zu Lebzeiten eine Organspende verneint. In Österreich ist diese Widerspruchslösung schon lange Praxis. Auch die Schweiz denkt über die Einführung dieses Verfahrens nach.

„Ob wie bisher nur das schriftlich festgehaltene Einverständnis die Organspende erlaubt, oder ob aus einem fehlenden Widerspruch von einem automatischen Einverständnis ausgegangen werden kann, betrifft die Frage des Selbstbestimmungsrechts“, so Verena Bentele. Sie begrüßt deshalb ausdrücklich die offene und ernsthafte Debatte über die ethischen Beweggründe, die in Deutschland darüber geführt wird.

Eine politische Entscheidung steht bisher noch aus. Derzeit gibt es im Bundestag eine knappe Mehrheit für die Widerspruchslösung. Über das konkrete Gesetz soll im Herbst diesen Jahres entschieden werden. Für die Abstimmung wurde der Fraktionszwang aufgehoben. Jeder Abgeordnete ist nur seinem Gewissen verpflichtet.

Sabine Kohls

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