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Pränatale Bluttests auf dem Prüfstand

Von: Jörg Ciszewski

Schwangere nehmen zunehmend sogenannte nicht-invasive Pränataltests (NIPT) in Anspruch. Das sind Bluttests zur Früherkennung einer möglichen Trisomie. Aber es gibt ethische Bedenken. Dürfen die Tests Routine werden?

Eine Hand mit einem blauen Gummihandschuh hält ein Röhrchen mit einer Blutprobe, es ist mit "NIPT-Test" beschriftet. Im Hintergrund mehr Blutproben.
Der NIPT (Nicht-Invasiver Pränataltest) untersucht aus dem Blut der Mutter die DNA des ungeborenen Kindes primär auf die Trisomien 13, 18 und 21. © jarun011 - stock.adobe.com
Das Portraitfoto zeigt VdK-Präsidentin Verena Bentele vor einem grauen Hintergrund.

Die Lösung für fehlende Inklusion und Hilfen ist nicht die Ausweitung der Pränataldiagnostik.

Verena Bentele, VdK-Präsidentin

Nicht invasiver Test für mehr Sicherheit

Eingeführt wurde der NIPT im Jahr 2012 mit dem Ziel, invasive pränatale Untersuchungen zu reduzieren. Bei diesen Eingriffen, etwa der Entnahme von Fruchtwasser oder Gewebe, besteht ein Risiko für Komplikationen. Laut Fachleuten kann es bei etwa ein bis vier von 1000 Frauen infolge solcher Untersuchungen zu einer Fehlgeburt kommen.

Dieses Risiko besteht beim NIPT nicht. Für den Test wird der Schwangeren ab der zehnten Woche lediglich Blut aus der Armvene entnommen. Anhand dieser Probe lässt sich feststellen, ob ein erhöhtes Risiko für bestimmte Trisomien vorliegt. Allerdings handelt es sich nicht um eine sichere Diagnose, sondern um eine Wahrscheinlichkeitsaussage. Gewissheit kann nur eine invasive Untersuchung wie die Fruchtwasseranalyse liefern.

Zunehmend flächendeckendes Screening

Lange Zeit mussten Schwangere die Kosten für den NIPT selbst tragen. Seit dem Jahr 2022 übernehmen die gesetzlichen Kassen die Kosten unter bestimmten Voraussetzungen. Dazu zählen etwa konkrete medizinische Hinweise wie ein auffälliger Ultraschallbefund. Eine Kostenübernahme ist auch möglich, wenn die Schwangere mit einer Ärztin oder einem Arzt zu dem Schluss kommt, dass der Test notwendig ist.

Ursprünglich als gezielte Untersuchung gedacht, entwickelt sich der NIPT zunehmend zu einem flächendeckenden Screening. Daten der Barmer Krankenkasse zeigen, dass 2024 durchschnittlich fast die Hälfte aller Schwangeren einen Test durchführen ließ – 32 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Diese Entwicklung hat eine Gruppe von mehr als 100 Abgeordneten fraktionsunabhängig im Bundestag kontrovers diskutiert. Kritisiert wird unter anderem, dass die Zahl invasiver Untersuchungen trotz Einführung des NIPT nicht gesunken, sondern gestiegen ist. 

Gefahr der gesellschaftlichen Fehlentwicklung

Da ein Verdacht auf Trisomie oft  zu einem Schwangerschaftsabbruch führt, sehen sie die Gefahr einer gesellschaftlichen Fehlentwicklung. Sie sind der Ansicht, dass das Ziel eine möglichst inklusive Gesellschaft sein sollte, die alle Menschen willkommen heißt und Barrieren abbaut. Zudem fehle es an klaren Regelungen, wann der Bluttest eingesetzt werden sollte. 

Angestrebt wird eine ethische Abwägung darüber, welche Auswirkungen eine Einschränkung der Tests auf schwangere Frauen haben könnte. Das Recht auf Information und Selbstbestimmung – besonders für Frauen mit wenig Einkommen, die sich den Test nicht leisten können – sollte nicht eingeschränkt werden.

Die Abgeordneten fordern eine ergebnisoffene Prüfung der Kassenzulassung des NIPT. Ein Expertengremium soll zudem rechtliche, ethische und gesundheitspolitische Fragen bewerten. Der fraktionsübergreifende Antrag wird nun in den zuständigen Ausschüssen beraten. 

Wie bewertet der VdK den Test?

Der Sozialverband VdK teilt die Sorge, dass Pränataldiagnostik immer selbstverständlicher wird und die gesellschaftliche Diskussion sich dadurch verändert. „Die Lösung für fehlende Inklusion und Hilfen ist nicht die Ausweitung der Pränataldiagnostik“, erklärt VdK-Präsidentin Verena Bentele. Werdende Eltern sollten sich nicht gegen ein Kind mit Behinderung entscheiden müssen, weil sie wenig Unterstützung befürchten. 

Bentele begrüßt, dass die Debatte über die NIPT auf breiter Ebene geführt wird. „Politik und Gesellschaft sollten Kinder mit Behinderungen als einen wichtigen Teil der menschlichen Vielfalt anerkennen und wertschätzen. Diese Perspektive muss bei den Überlegungen dringend ausreichend berücksichtigt werden.“

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