28. April 2016
GESUNDHEIT

Fast immer Ärger mit Hilfsmitteln

VdK-Mitglieder berichten über Probleme mit Verordnungen und Anträgen

Der Sozialverband VdK hatte seine Mitglieder in der Aprilausgabe der VdK-Zeitung gebeten, über Probleme bei der Verordnung und Bewilligung von Hilfsmitteln zu berichten. Fazit: Für die meisten ist es ein mühsamer Kampf mit der Krankenkasse. Und das, obwohl sie krank oder schwerbehindert sind. Der VdK setzt sich daher dafür ein, dass die Versorgung mit Hilfsmitteln schnellstmöglich neu geregelt wird.

Symbolfoto: Ein Figürchen im Rollstuhl, ein Pflaster und eine Plastikspritze
Kampf um dringend benötigte Hilfsmittel: Viel Ärger gibt es zum Beispiel bei der Bewilligung von Rollstühlen. | © Imago/Westend61

Patienten haben einen Anspruch auf einen vollen Behinderungsausgleich, und zwar aufzahlungsfrei. Die Kassen bewilligen jedoch oft Hilfsmittel, die nicht den individuellen medizinischen Bedürfnissen entsprechen, und ignorieren ärztliche Verordnungen. Ob Rollstuhl, orthopädische Schuhe oder Kompressionsstrümpfe, es mangelt zudem an einer wohnortnahen, unabhängigen Beratung und Einweisung. Qualität und Preise lassen sich kaum vergleichen, da die Kassen Pauschalverträge mit bestimmten Sanitätshäusern schließen. Reparaturen dauern zu lange, und die Kassen verweigern die Kostenübernahme. Sie verweisen dabei stur auf ihre Pauschalen.

Viele VdK-Mitglieder wehren sich mit Widerspruch oder Klage, und manche zahlen letztendlich dann doch zähneknirschend für ein anderes Modell privat zu. Die Festbeträge der Kassen sind eine Mogelpackung. Sie spiegeln eine zuzahlungsfreie Vollversorgung wider, die nicht existiert. Ein Beispiel: Für Hörgeräte wurden die Festbeträge verdoppelt. Doch auch jetzt werden Patienten immer noch nicht zu 100 Prozent aufzahlungsfrei versorgt.

VdK-Mitglieder schildern vor allem Schwierigkeiten mit Elektro-Rollstühlen, Handbikes und Dreirädern. Auch bei Verbrauchsartikeln wie Inkontinenzprodukten, Hilfsmitteln für mehrfach schwerstbehinderte Kinder und Atemgeräten machen die Kassen häufig Schwierigkeiten. Nach Einschätzung des VdK wollen diese immer weniger Kosten übernehmen. Hinzu kommen Abgrenzungsprobleme zur Pflegekasse. So werden beispielsweise Schiebehilfen für Rollstühle von der Krankenkasse als Pflegehilfsmittel eingestuft und nur eingeschränkt bewilligt.

Für viele VdK-Mitglieder ist es ein ständiger Kampf. Oft reagieren die Kassen einfach nicht auf mehrfache An- und Nachfragen, wie im Fall eines körperlich schwerstbehinderten Mädchens aus Bayern. Sie braucht dringend ein modernes leises Beatmungsgerät, um durchschlafen zu können.

Kampf mit der Kasse

Einer schwerbehinderten 58-Jährigen aus Niedersachsen wurde ein E-Fix-Leichtgewichtrollstuhl verweigert. "Können Sie nachvollziehen, dass ich total verzweifelt bin und nicht mehr die Kraft habe, weiter um den verordneten Rollstuhl zu kämpfen? Ich bin praktisch im Wohnhaus gefangen." In dem Fall, der bereits beim Sozialgericht lag, hat die Kasse jetzt allerdings eingelenkt. Ein lungenkrankes, gehbehindertes Mitglied mit einem Grad der Behinderung von 100 benötigt ein spezielles Sauerstoffgerät, da die Sauerstoffflasche 5,5 Kilogramm wiegt. "Auch wenn ich behindert bin, steht mir doch das Recht zu, mich frei zu bewegen, oder?"

"Bitte helfen Sie uns", schreibt ein Mitglied aus Baden-Württemberg, dessen Partner seit einem schweren Unfall Inkontinenzartikel benötigt. "Wir sind beide Rentner und bekommen nur die Mindestrente." Eine schwer rheumakranke Erfurterin benötigt einen faltbaren Leichtgewichtrollator, den sie selbst ins Auto legen kann, statt des schweren Rollators. "Es ist eigentlich ein Albtraum, wenn eine 43-jährige Frau mit einem rollenden Esel unterwegs ist! Mein Wunsch ist das definitiv nicht."

Der VdK fordert, das Hilfsmittelverzeichnis zusätzlich dahingehend zu aktualisieren, dass bei besonderem Bedarf oder seltenen Behinderungen auch Hilfsmittel genehmigt werden, die nicht dort aufgelistet sind. Einen Qualitätssprung soll es demnächst voraussichtlich bei Inkontinenzprodukten geben. Die Kassen ziehen sich aber immer noch mit ihren Pauschalen weitgehend aus der Verantwortung, und die Leistungserbringer kommen ihrer Pflicht zur aufzahlungsfreien Versorgung nicht nach. Der VdK fordert, dies mittels einer Gesetzesänderung künftig zu verhindern.

sko

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