Daten für eine bessere Pflege

Sozialverband VdK beauftragt Studie zu Wunsch und Wirklichkeit der häuslichen Pflege

Das Bild zeigt Hände
© Unsplash

76 Prozent der Pflege finden zu Hause statt. Doch bisher ist kaum erforscht, wie der Alltag dort genau abläuft. Deshalb gibt der Sozialverband VdK jetzt selbst eine pflegewissenschaftliche Studie in Auftrag, für die auch VdK-Mitglieder befragt werden.

Kooperationspartner der VdK- Pflegestudie ist die Hochschule Osnabrück. Studienleiter ist der Pflegewissenschaftler Professor Andreas Büscher. „Von den Ergebnissen der Studie erhoffen wir uns wichtige Impulse zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung und der Pflegelandschaft insgesamt“, erklärt VdK-Präsidentin Verena Bentele. Der Fokus der Wissenschaft lag bisher meist auf der stationären Pflege, die VdK- Studie will die Pflege zu Hause in den Blick nehmen. „Die Pflegeversicherung läuft Gefahr, ihre Leistungen komplett an den Bedürfnissen der Betroffenen vorbei auszurichten“, warnt sie. Schon heute sehen immer weniger Angehörige die Möglichkeit, daheim zu pflegen. „Nur mit einer ordentlichen Datenbasis kann entschieden werden, wie die passende Unterstützung für Pflegebedürftige in ihrer gewohnten Umgebung aussehen kann“, ist Bentele überzeugt.

Daten statt durchwursteln

In mehr als 1,7 Millionen Haushalten übernehmen Angehörige die Pflege ganz allein, in weiteren 800 000 Haushalten kommt zusätzlich ein ambulanter Pflegedienst zum Einsatz. Professionelle Unterstützung wird zwar immer mehr nachgefragt, doch die Kapazitäten der ambulanten Dienste sind vielerorts ausgeschöpft.

Pflege zu Hause ist ein sehr individuelles Arrangement. „Etwas salopper ausgedrückt: Die meisten wursteln sich so durch. Deshalb müssen wir endlich hinter die Wohnungstüren schauen und die Pflegebedürftigen und die Pflegenden fragen, wie sie ihren Alltag meistern“, sagt Bentele. Die Befragten sollen den Wissenschaftlern aber nicht nur ihre Erfahrungen schildern, sondern auch ihre Erwartungen an ein effektiveres Pflegesystem.

Differenzierteres Bild der häuslichen Pflege

„Unter unseren mehr als zwei Millionen VdK-Mitgliedern sind viele mit Pflegeerfahrungen. Deshalb wollen wir für die Studie unsere eigenen Mitglieder zu diesem wichtigen Zukunftsthema befragen, sowohl über Fragebogen als auch in Einzelinterviews und in Gruppendiskussionen“, kündigt Bentele an. Über die genaue Vorgehensweise und den Ablauf der Befragungen informiert die VdK- ZEITUNG. Der Startschuss für die Studie fällt Mitte des Jahres. „Ich freue mich dann sehr über die Unterstützung der VdK-Mitglieder und bin schon gespannt auf die Ergebnisse“, sagt Bentele.

Mit dieser Untersuchung könnte ein sehr umfassendes und differenziertes Bild der häuslichen Pflege entstehen. Die Überlastung vieler Angehörigen liegt nach Meinung des VdK an den mangelnden Unterstützungsangeboten vor Ort und den unzureichenden Leistungen der Pflegeversicherung. „Deshalb fordern wir die Einführung einer Pflegevollversicherung. Unsere Studie liefert mit Sicherheit schlagkräftige Argumente“, sagt Bentele. Mit der Studie im Gepäck kann der VdK politisch künftig noch überzeugender für Pflege¬bedürftige und ihre Familien kämpfen.

Dr. Bettina Schubarth

Schlagworte Pflege | Pflege-Studie

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