
Kommentar: Tödliche Hitze
Extreme Hitze, Starkregen und Unwetter sind längst Teil unseres Alltags. VdK-Präsidentin Verena Bentele warnt vor den Folgen für Gesundheit und Leben – und fordert konkrete Schutzmaßnahmen für den nächsten Extrem-Sommer.

41,7 Grad in Sachsen-Anhalt, tennisballgroße Hagelkörner südlich von Hamburg, Tornados in Hessen: Dieser Sommer mit Stürmen, Hitze und Starkregen wird in Erinnerung bleiben. Doch es sind nicht nur Wetterrekorde, Waldbrände und spektakuläre Unwetter, die alarmieren. Es sind die Folgen, die mitten in unserem Alltag angekommen sind.
Viele erleben das unmittelbar. Am Bodensee wurde einem Familienmitglied von mir innerhalb weniger Minuten ein Großteil der Weinernte verhagelt. Viele Landwirte mussten wegen der Trockenheit massive Ernteausfälle hinnehmen. Aus dem Münsterland berichten Mitglieder von überfluteten Straßen, zerstörten Gärten und vollgelaufenen Kellern – von Zuständen, die sie in 80 Jahren noch nie erlebt haben.
Besonders erschreckend ist die Gefahr für unsere Gesundheit. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts starben bis September mehr als 16.000 Menschen an den Folgen der Hitze. Drei Viertel von ihnen waren mindestens 75 Jahre alt, viele bereits vorerkrankt. Besonders gefährlich sind langanhaltende Hitzewellen: In Lörrach wurden an 56 Tagen mindestens 30 Grad gemessen.
Notärzte erleben, was diese Zahlen bedeuten: ältere Menschen, die allein in ihren Wohnungen liegen und kaum bemerken, wie sich Körper und Räume immer weiter aufheizen – bis sie kollabieren. Wenn selbst die Nächte keine Erholung bringen, wird Hitze zur tödlichen Falle.

Wer angesichts dessen noch von einem „ganz normalen Sommer“
spricht, verdrängt die Realität. Der Klimawandel ist keine ferne Bedrohung. Er ist hier. Er vernichtet Ernten, zerstört Eigentum und kann Menschenleben kosten.
Deshalb dürfen wir nicht länger warten. Wir brauchen freiwillige Hitzeregister, damit besonders gefährdete Menschen gezielt erreicht werden. Wir brauchen flächendeckende kommunale Hitzeaktionspläne und verbindliche Schutzkonzepte für Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und andere Einrichtungen.
Denn eines ist sicher: Der nächste Extrem-Sommer steht bereits vor der Tür. Die entscheidende Frage ist, wie gut wir dann darauf vorbereitet sind.



