
Kommentar: Zuckersüße Gefahr
Zucker ist kein harmloser Genuss: Kinder konsumieren zu viel, Krankheiten und Kosten steigen. Eine Steuer auf Softdrinks könnte Konsum senken und Gesundheit schützen. Warum sie nötig ist – und was sie bewirken kann.

Zuckerkonsum in Deutschland ist kein harmloses Alltagsphänomen, sondern ein ernstes gesellschaftliches Problem. Besonders besorgniserregend: Kinder greifen immer häufiger zu stark gezuckerten Getränken, als wären Limonaden Teil der Grundversorgung. Schon heute ist jedes sechste Kind stark übergewichtig. Gleichzeitig entstehen laut Berechnungen der Leopoldina jährlich gesellschaftliche Kosten infolge von Adipositas und Übergewicht von rund 113 Milliarden Euro – etwa 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
2024 wurden in Deutschland 7,7 Milliarden Liter zuckerhaltige Erfrischungsgetränke produziert, knapp 93 Liter pro Kopf. In einem halben Liter stecken im Schnitt 60 Gramm Zucker – mehr als die empfohlene Tageshöchstmenge für Erwachsene. Kinder sollten an solche Mengen gar nicht erst gewöhnt werden. Die Folgen reichen von kurzfristigen Beschwerden wie Nervosität bis hin zu langfristigen Erkrankungen wie Diabetes Typ 2, Bluthochdruck und Herzproblemen.
Die gesetzlichen Krankenversicherungen stehen unter wachsendem Druck, da ein erheblicher Teil der Kosten auf ernährungsbedingte Krankheiten zurückzuführen ist. Es entsteht ein Teufelskreis: Ungesunde Ernährung macht krank, Krankheiten verursachen Kosten – und die trägt die Allgemeinheit.
Eine Steuer auf stark zuckerhaltige Getränke wäre deshalb ein sinnvoller und überfälliger Schritt. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass schon moderate Preissteigerungen den Konsum senken und Hersteller dazu bewegen, den Zuckergehalt zu reduzieren. Kritiker sehen darin Bevormundung – doch tatsächlich geht es um faire Rahmenbedingungen. Wenn ungesunde Produkte überall verfügbar und oft günstiger sind als gesunde Alternativen, ist das kein freier Markt, sondern ein strukturelles Ungleichgewicht.
Eine Zuckersteuer ist kein Allheilmittel, aber ein wichtiges Signal: Gesundheit, insbesondere die von Kindern, darf nicht dem Markt überlassen bleiben. Sie schützt die Menschen und das Gesundheitssystem und hilft, gesündere Entscheidungen zu treffen.

