
Kommentar: Lasten gerecht verteilen
Kinderlose stärker zur Kasse bitten? VdK-Präsidentin Verena Bentele kritisiert die geplanten höheren Pflegebeiträge als ungerecht. Sie fordert eine solidarische Finanzierung, die hohe Einkommen und Vermögen stärker einbezieht.

Kinderlose zahlen bereits heute mehr in die Pflegeversicherung. Künftig sollen sie noch stärker belastet werden: In den kommenden vier Jahren sollen sie durch höhere Beiträge 13,8 Milliarden Euro zusätzlich zahlen. Damit setzt die Regierung falsche Prioritäten. Statt hohe Einkommen und Vermögen deutlich stärker heranzuziehen, bittet sie Kinderlose pauschal zur Kasse.
Eltern leisten viel. Sie investieren Zeit, Geld und Kraft in die Erziehung ihrer Kinder. Dafür verdienen sie Anerkennung und Unterstützung: durch steuerliche Entlastungen, gerade bei niedrigen Löhnen, durch staatliche Hilfe für Alleinerziehende, wenn der Ex-Partner keinen Unterhalt zahlt, und durch eine gute Absicherung ihrer Kinder in der Krankenversicherung. Wer Eltern darüber hinaus entlasten will, muss das nicht automatisch auf Kosten aller Kinderlosen machen. Viele Menschen bleiben unfreiwillig kinderlos. Eine solidarische Gesellschaft darf Menschen nicht für Lebensumstände bestrafen, die sie oft nicht beeinflussen können.
Kinderlose leisten nicht pauschal weniger für die Gesellschaft. Viele engagieren sich ehrenamtlich, arbeiten in Vereinen oder kümmern sich um pflegebedürftige Eltern. Als gesetzlich Versicherte finanzieren sie zudem gemeinsam mit den Eltern die beitragsfreie Mitversicherung von Kindern in der Krankenversicherung.
Keine Frage: Kinder sind wichtig für die Zukunft des umlagefinanzierten Sozialstaats. Daraus folgt aber keineswegs, dass Kinderlose weniger solidarisch sind. Wenig solidarisch ist für mich, dass Menschen mit sehr hohen Einkommen, großen Vermögen oder Millionenerbschaften nicht ausreichend zur Finanzierung beitragen. Gerechter als höhere Beiträge für einige wäre eine Pflegefinanzierung, die sich stärker an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit orientiert und Menschen in Pflege und ihre Angehörigen gezielter unterstützt.
Familien mit und ohne Kinder dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Solidarität bedeutet, die Lasten zwischen Menschen mit wenig oder sehr viel Geld fair zu verteilen.


