Inklusion muss sichtbar bleiben

Der Aktionstag am 5. Mai ist dieses Jahr von besonderer Bedeutung

Das Bild zeigt ein Schild mit einem Pfeil und einem Rollstuhl Symbol, der den barrierfreien Zugang anzeigt
© Unsplash

Normalerweise finden jedes Jahr am 5. Mai Aktionen von Behindertenverbänden auf den Straßen und Plätzen der deutschen Innenstädte statt. 2020 ist nichts wie sonst. An der zentralen Forderung nach Inklusion in allen Lebensbereichen, die jährlich am Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung erhoben wird, ändert das Coronavirus jedoch nichts.

Menschen mit Behinderung sind von der Corona-Krise besonders betroffen. Viele haben chronische Erkrankungen oder gehören der älteren Generation an. Sie zählen also zu den gefährdeten Bevölkerungsgruppen. „Wer zusätzlich Pflege oder persönliche Assistenz braucht, ist in einer schwierigen Situation. Menschen, die nicht in Einrichtungen wohnen, müssen Sorge um ihre Unterstützung haben“, erklärt VdK-Präsidentin Verena Bentele.

Wer beispielsweise zu Hause im Arbeitgebermodell lebt, hat große Probleme bei der Beschaffung von Schutzausrüstung für die Assistenzkräfte. Außerdem muss aktuell wegen vermehrter Krankschreibungen zusätzliches Personal angestellt werden. Im Persönlichen Budget, das der Finanzierung des selbstständigen Lebens von Menschen mit Behinderung dient, sind diese gestiegenen Kosten nicht vorgesehen. Der VdK fordert daher, dieses schnell und unbürokratisch anzupassen, um die Mehrausgaben zu gewährleisten. Zudem muss der Betrag für Pflegehilfsmittel in der häuslichen Pflege von 40 auf 80 Euro verdoppelt werden.

Für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen sieht Bentele derzeit die Gefahr, dass sie aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden. Sie benötigen zur Stabilisierung häufig einen sehr geregelten Tagesablauf, angemessene Beschäftigungsmöglichkeiten und körperliche Bewegung. Das ist derzeit weder in häuslicher Umgebung noch in Wohneinrichtungen möglich. „Sehr alarmierend“ sei die Situation von Menschen mit Depressionen, die alleine leben," sagt Bentele. Hier müssten alle Netzwerke aktiviert werden.

„Teilhabe ist auch in Zeiten von Corona ein Menschenrecht“, stellt Bentele klar, die dieses Jahr turnusgemäß für den Sozialverband VdK den Vorsitz im Deutschen Behindertenrat (DBR) hat. „Der notwendige Gesundheitsschutz darf nicht zur generellen Ausgrenzung führen, nur weil Menschen mit Behinderung derzeit weniger sichtbar sind“, warnt sie.

Weil die Corona-Krise zu nicht vorhersehbaren wirtschaftlichen Einbußen führen wird, sind Menschen mit Behinderung künftig sicherlich noch stärker von Arbeitslosigkeit bedroht. „Wir dürfen nicht zulassen, dass die Inklusionsfortschritte der letzten Jahre wegen Corona einfach wieder verschwinden. Es wäre fatal, wenn wir in den Zustand der Exklusion und der reinen Fürsorge zurückfallen.“

Für Menschen mit Behinderung fehlt häufig die Schutzausrüstung gegen das Coronavirus.

Dr. Bettina Schubarth

Schlagworte Protesttag | Europäischer Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mi | Behinderung

  • Sozialrecht
    Ob Rente, Gesundheit und Pflege, Teilhabe und Behinderung, Leben im Alter oder soziale Sicherung: Der Sozialverband VdK ist für seine Mitglieder ein kompetenter Ratgeber und Helfer in allen sozialrechtlichen Belangen. | weiter
  • Rente
    Der VdK will die Rente zukunftssicher machen und Altersarmut verhindern. Lesen Sie hier alles rund um die Themen Rente, Alterssicherung und unsere rentenpolitischen Forderungen. | weiter
  • Behinderung
    Der VdK setzt sich für gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung in allen Lebensbereichen ein. Lesen Sie mehr zu Inklusion, Behindertenpolitik und Barrierefreiheit. | weiter
  • Pflege
    Wir finden: Die Situation Pflegebedürftiger und Pflegender muss sich dringend verbessern. Lesen Sie hier mehr zum Thema Pflegepolitik, pflegende Angehörige, häusliche Pflege und Pflegeleistungen. | weiter
  • Gesundheit
    Wir brauchen ein Gesundheitssystem, das an den Bedarfen der Menschen ausgerichtet ist. Lesen Sie mehr zu Gesundheitspolitik, Prävention, Gesundheitsleistungen, Hilfsmitteln und Versorgung. | weiter
  • Soziale Gerechtigkeit
    Rund 15,3 Millionen Menschen sind in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht - das ist fast jeder Fünfte! Der Sozialverband VdK kämpft für soziale Gerechtigkeit und setzt sich gegen die fortschreitende soziale Spaltung ein. | weiter
  • Frauen
    Frauen erhalten 49 Prozent weniger Einkommen und 53 Prozent weniger Rente als Männer. Der Sozialverband VdK setzt sich für mehr Gerechtigkeit für Frauen ein, kämpft für Gleichberechtigung und Gleichstellung. | weiter
  • Familie
    Wir brauchen Verlässlichkeit für Familien. Der VdK setzt sich unter anderem für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein, für familiengerechte Arbeitszeiten, den Ausbau der Kinderbetreuung und für ein Rückkehrrecht in Vollzeit. | weiter
  • Reha
    Krankheit, Unfall, Klinikaufenthalt: Die Rehabilitation setzt dort an, wo die Selbstbestimmung eines Menschen gefährdet ist. | weiter
  • Verena Benteles Lichtblicke
    Die neue Tagebuch-Kolumne der VdK-Präsidentin. Positiv und persönlich: Mit ihrer Kolumne 'Verenas Lichtblick' will sie Leserinnen und Lesern, auch in Zeiten von Corona, Hoffnung machen. | weiter
    30.03.2020

Zu wenig Erwerbsminderungsrente?

Wir sagen Ihnen, was Ihnen laut Sozialrecht zusteht und kämpfen für Ihr Recht. Bundesweit. Jetzt Beratung vereinbaren!

Der VdK
Eine Frau gibt einer anderen Frau zur Begrüßung die Hand. Sie stehen am Eingang eines Gebäudes mit der Aufschrift "VdK Service Point"
Finden Sie mit der Beratungsstellen-Suche die nächste Rechtsberatungsstelle des Sozialverbands VdK - auch in Ihrer Nähe!
Der VdK
Symbolfoto: Zwei Frauen und ein Mann ziehen gemeinsam an einem Seil, an dessen Ende auch jemand zieht.
Wir machen uns stark für soziale Gerechtigkeit. Wir vertreten Ihre sozialpolitischen Interessen und kämpfen für Ihre Rechte. Unsere Stärke: Unabhängigkeit und Neutralität.

Presse
Das Bild zeigt einen Bildschirm, auf dem Googlemail geöffnet ist
Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Informationen zu Sozialpolitik und Sozialrecht.

Datenschutzeinstellungen

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.