12. Dezember 2018
BEHINDERUNG

Neue App soll Bahnfahren einfacher machen

Reisen mit der Bahn soll für alle Menschen leichter werden. Ein mobiler Helfer, die neue und kostenlose App „DB Barrierefrei“, ging vor Kurzem an den Start. Die Anwendung orientiert sich in erster Linie an den Bedürfnissen von Reisenden mit körperlichen Beeinträchtigungen und Sinnesbehinderungen, schafft jedoch auch einen Mehrwert für viele andere Reisende.

Zwei Rollstuhlfahrer stehen etwas ratlos am Beginn einer Treppe.
Unterwegs mit der Bahn: Eine App soll Beeinträchtigte unterstützen. | © imago/Becker & Bredel

Laut Deutsche Bahn bietet die App zunächst zwei wesentliche Funktionen und soll Schritt für Schritt erweitert werden. Der erste Service beinhaltet den Bereich Anzeigen und Durchsagen in Bahnhöfen. Lautsprecheransagen sind für Reisende mit Hörbehinderung oftmals nur schwer oder gar nicht zu verstehen. Das Lesen von Anzeigetafeln kann für Menschen mit Sehbehinderung eine Herausforderung sein. Kunden erhalten mit dieser Funktion wichtige Anzeigen und Durchsagen zu ihrer Reise als Textnachricht direkt auf ihr Smartphone, die sie sich mit dessen Sprachausgabe anhören können.

Im zweiten Bereich, der Nutzern der App zur Verfügung steht, geht es um die Funktionsfähigkeit von Aufzügen und Rolltreppen. Reisende können sich Informationen über ihre benötigten Aufzüge und Rolltreppen abrufen und über eine Merkliste frühzeitig darüber informieren, ob diese aktuell Störungen aufweisen. So planen Reisende mit Mobilitätseinschränkungen im Voraus, welche Wege aufgrund von technischen Störungen nicht möglich sind, und kommen über alternative Strecken ans Ziel.

App-Entwicklung mit behinderten Bahnreisenden

Zu den Funktionen, die nachgerüstet werden sollen, gehört der „DB-Service-Assistent“. Damit können Menschen mit Behinderung Unterstützung vom Zugpersonal erhalten. Per Sprachsteuerung wird das Anliegen benannt. Jeder Reisende hat aufgrund seiner Behinderung verschiedene Bedürfnisse während der Reise, benötigt an unterschiedlichen Stellen Unterstützung.

An der Entwicklung der App waren und sind Bahnreisende mit körperlichen Behinderungen und Sinnesbeeinträchtigungen beteiligt. Sie wurden von der ersten Idee an mit einbezogen und haben die App mitgestaltet. Rund 1.000 Probanden mit Behinderung haben den Prototypen der App über mehrere Monate hinweg getestet und gaben wertvolle Impulse für die weitere Optimierung.

Verbesserungsbedarf, so das Urteil von Eva Konieczny, Referentin für Barrierefreiheit im Sozialverband VdK, gibt es auf jeden Fall. Als Rollstuhlfahrerin braucht sie selbst wichtige Informationen wie „Welcher Aufzug ist wo defekt?“. „Ich hätte mir noch eine Erweiterung dieser Funktion gewünscht“, so Eva Konieczny. Werde ein Aufzug als defekt angegeben, sei sie darauf angewiesen, Alternativvorschläge mit keinen weiteren und erheblichen Umstiegen angezeigt zu bekommen. Das könne Bahnhöfe auf ihrer Strecke und ihrer Alltagsroute betreffen. Außerdem fehle ihr der Hinweis auf defekte Toiletten in den Zügen und Bahnhofsgebäuden.

Barrierefreie Bahnhöfe: Es ist noch viel zu tun

Die neue App täusche auch nicht über die Tatsache hinweg, dass viele Bahnhöfe und Haltepunkte noch längst nicht barrierefrei sind. Hier gebe es noch viel zu tun, bis nahezu jeder Reisende barrierefrei zu seinem Zug kommt. Deshalb setzt sich der Sozialverband VdK mit seiner bundesweiten Kampagne „Weg mit den Barrieren!“ für ein barrierefreies Deutschland ein. Die unterschiedlichen Barrieren und Hindernisse, mit denen Bahnreisende bundesweit tagtäglich zu kämpfen haben, werden immer wieder thematisiert.

Ein Beispiel ist, dass der barrierefreie Umbau von kleineren Bahnhöfen immer wieder in die Zukunft vertagt wird. Ein weiteres Beispiel ist das neue Bahnsteighöhenkonzept der Deutschen Bahn. Dieses sieht als Bahnsteighöhe zukünftig nur noch 76 Zentimeter vor, sodass an vielen Nahverkehrszügen ein niveaugleicher Ein- und Ausstieg nicht mehr möglich wäre. Der Sozialverband VdK spricht sich nicht generell gegen eine anzustrebende bundesweite Vereinheitlichung der Bahnsteighöhe von 76 Zentimetern aus, fordert aber, dass die Umsetzung des neuen Bahnsteighöhenkonzepts nicht zu Verschlechterungen der Barrierefreiheit außerhalb von Bauphasen führt.

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ikl

Schlagworte Behinderung | Teilhabe | Inklusion | Gleichheit | Barrierefreiheit | Bahnhöfe | Mobilität

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    30.03.2020

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