
Rente stärken statt kürzen
Einschnitte in der gesetzlichen Rente sorgen nicht für mehr Generationengerechtigkeit. Eine Studie zeigt: Maßnahmen wie ein höheres Rentenalter und ein sinkendes Rentenniveau treffen ältere und jüngere Versicherte oft gleichermaßen.

Nachteile statt Entlastung
Längere Lebensarbeitszeiten und niedrigere Renten sollen vor allem die Jüngeren entlasten. Doch eine Externer Link:Analyse des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, dass dadurch für sie keine klaren Vorteile entstehen, sondern sogar Nachteile.
Gemeinsam mit dem Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMKkurz fürInstitut für Makroökonomie und Konjunkturforschung) und der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin haben die Forschenden berechnet, dass solche Reformen die individuelle „Rendite“ – also das Verhältnis von Beiträgen zu späteren Externer Link:Renten – für jüngere Jahrgänge verschlechtern können.
Geringere Rendite durch höheres Rentenalter
Eine Anhebung der Regelaltersgrenze auf 68 Jahre bis zum Jahr 2056 könnte laut Studie zwar den Anstieg von Beitragssatz und Bundeszuschuss bremsen. Für alle, die ab 1970 geboren wurden, würde sich aber voraussichtlich eine geringere Rendite ergeben – besonders für den Jahrgang 1980. Auch später Geborene wären betroffen.
Eine Absenkung des Rentenniveaus würde den Bundeszuschuss begrenzen, gleichzeitig jedoch nahezu alle Jahrgänge ab etwa 1950 schlechterstellen. Die Jüngsten wären dabei ähnlich stark betroffen wie die ab Mitte der 1960er-Jahre Geborenen, so die Fachleute.
Mehr Erwerbstätigkeit stärkt das Rentensystem
Die Studie zeigt zudem: Maßnahmen, die zu mehr Erwerbstätigkeit führen, stärken das Rentensystem insgesamt – für Jüngere und Ältere. Zu den Hebeln zählen eine bessere Arbeitsmarktintegration von zugewanderten Menschen sowie eine stärkere Beteiligung bisher nicht erwerbstätiger Personen.
Was stärkt die Rente wirklich?
Zu ähnlichen Ergebnissen kommen auch der Sozialverband VdK und die Nichtregierungsorganisation Fiscal Future. Sie schlagen vor, die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gezielt zu erhöhen, statt die gesetzliche Rente zu schwächen:
- Familienfreundliche Arbeitszeiten,
- gute Kinderbetreuung und
- die partnerschaftliche Verteilung von Sorgearbeit
würden vielen Frauen ermöglichen, mehr zu arbeiten.
Ältere Beschäftigte könnten länger berufstätig sein, wenn sie
- Weiterbildung,
- Gesundheitsförderung und
- flexible Arbeitszeitmodelle
in Anspruch nehmen können. Auch
- höhere Löhne,
- eine stärkere Tarifbindung sowie
- die bessere Integration von Menschen mit Behinderung oder Migrationshintergrund in den Arbeitsmarkt
können die gesetzliche Rente weiter stabilisieren.
WSI-Studie herunterladen
Die Studie Externer Link:“Stellschrauben und Scheinlösungen in der gesetzlichen Rentenversicherung. Simulationsergebnisse verschiedener Reformvorschläge und Arbeitsmarktentwicklungen” von April 2026 steht auf der Website des WSI zum Download bereit.
