Kategorie Aktuelle Meldung Rente Arbeit & Berufsleben

Rentenpolitik beginnt auf dem Arbeitsmarkt

Von: Jörg Ciszewski

Der fordert Vorschläge für mehr Beschäftigung statt weniger Rente. Denn trotz des demografischem Wandels bietet der Arbeitsmarkt ungenutzte Potenziale für mehr Jobs und zusätzliche Beiträge zur Rentenversicherung.

Ein älterer Mann und eine Frau in einer Schreinerei, sie beugen sich gemeinsam über ein Notebook, im Hintergrund Holz, Werkzeuge und Maschinen
Gerade Frauen und ältere Beschäftigte könnten dem Arbeitsmarkt häufiger zur Verfügung stehen. © picture alliance/Zoonar/Robert Kneschke

Arbeitsmarkt muss flexibel und familienfreundlich sein

Der Sozialverband VdK hat mit der Nichtregierungsorganisation Fiscal Future Vorschläge erarbeitet, wie die Quote sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung erhöht werden kann. Ein Ansatzpunkt sind familienfreundlichere Arbeitszeiten

In den vergangenen 15 Jahren ist die erwerbsfähige Bevölkerung um zwölf Prozent gewachsen, die geleisteten Arbeitsstunden jedoch nur um sechs Prozent. Der Beschäftigungszuwachs entstand vor allem durch Teilzeitjobs von Frauen und Älteren, die oft zusätzlich unbezahlte Care-Arbeit leisten. Gleichzeitig zeigen Befragungen klare Wünsche: Mütter mit schulpflichtigen Kindern würden gerne mehr arbeiten, während Väter jüngerer Kinder ihre Arbeitszeit reduzieren möchten.

Würden Arbeitszeiten stärker an diese Präferenzen angepasst, könnten den Berechnungen zufolge 325.000 zusätzlichen Vollzeitstellen entstehen. Voraussetzung dafür sind flexible Arbeitszeitmodelle, mehr Kita-Plätze und eine partnerschaftlichere Verteilung von Care-Arbeit. Auch steuerliche Anreize wie das Externer Link:Ehegattensplitting oder Minijobs bremsen bislang eine höhere Erwerbsbeteiligung – ihre Reform könnte rund 200.000 weitere Vollzeitstellen schaffen.

Ältere, Frauen und Zugewanderte bieten Potenziale

Potenzial sehen der VdK und Fiscal Future in der Beschäftigung Älterer. Seit 2005 ist die Erwerbsquote der 55- bis 64-Jährigen von 45 auf 75 Prozent gestiegen. Durch Weiterbildung, flexible Arbeitszeitmodelle und Externer Link:Gesundheitsförderung könnte dieser Anteil weiter erhöht werden.

Auch Externer Link:Migration stabilisiert zunehmend die Rentenversicherung. Der Anteil der Versicherten ohne deutschen Pass hat sich in zehn Jahren von elf auf 21 Prozent erhöht. Entscheidend sind Sprachförderung und Weiterbildung, damit Zugewanderte schnell Beschäftigung finden.

Weitere Hebel liegen in höheren Löhnen, stärkerer Tarifbindung und besserer Integration von Externer Link:Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt sowie dem Ausbau von Reha-Maßnahmen zu Vorbeugung von Externer Link:Erwerbsminderungsrenten.

Studien zeigen, dass sich das Arbeitsvolumen bis 2035 trotz demografischen Wandels stabilisieren ließe, wenn mehr Frauen und Ältere arbeiten und jährlich etwa 330.000 Menschen netto zuwandern. Das könnte der Rentenversicherung zusätzliche Einnahmen von 23 bis 33 Milliarden Euro pro Jahr bringen.

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