
VdK lehnt Anhebung der Regelaltersgrenze klar ab
- Bessere Rehabilitation und altersgerechte Arbeitsbedingungen gefordert
- Unternehmen müssen sich Herausforderungen einer älter werdenden Gesellschaft stellen
Teile der Alterssicherungskommission der schwarz-roten Bundesregierung diskutieren nach Informationen der BILD-Zeitung, das Renteneintrittsalter schrittweise von 67 auf 70 Jahre anzuheben – ab 2061/62 für alle nach 1990 Geborenen. Zudem soll das Rentenniveau nach 2031 ebenfalls schrittweise von 48 auf 46 Prozent sinken, und auch die Rente mit 63 sowie die Mütterrente stehen offenbar zur Disposition. Der Sozialverband VdK Deutschland lehnt eine pauschale Anhebung der Regelaltersgrenze entschieden ab.
„Die kolportierten Vorschläge für eine weitere Anhebung der Regelaltersgrenze wären ein Schlag ins Gesicht vor allem der jüngeren Generation“
, sagt VdK-Präsidentin Verena Bentele. „Selbst wenn diese Vorschläge schon dementiert wurden, gilt für den VdK: Auch künftige Generationen haben Anspruch auf einen Ruhestand, der nicht von Arbeit, Erschöpfung und Pflegebedürftigkeit geprägt ist, sondern freie Entfaltung und ehrenamtliches Engagement ermöglicht.“
Das Renteneintrittsalter steigt bereits heute schneller als die Lebenserwartung. Gleichzeitig verzeichnet Deutschland seit Jahren einen deutlichen Boom bei der Erwerbstätigkeit Älterer. Statt vor einer vermeintlichen Frühverrentungswelle zu warnen, sollte die Politik diesen Anstieg der Beschäftigungsquoten als Chance begreifen. Die Realität in vielen Betrieben sieht jedoch anders aus: In Krisenzeiten werden ältere Beschäftigte als Erste entlassen, altersgerechte Arbeitsplätze und betriebliche Weiterbildung sind nach wie vor die Ausnahme, gesundheitliche Präventionsprogramme Mangelware. Zu viele ältere Menschen wechseln aus der Arbeitslosigkeit direkt in den Ruhestand oder krankheitsbedingt in eine Erwerbsminderungsrente.
Bentele: „Ich erteile allen Forderungen nach einer pauschalen Anhebung der Regelaltersgrenze eine klare Absage. Der Sozialverband VdK erwartet von der Alterssicherungskommission Vorschläge, wie wir es schaffen, dass mehr Menschen gesund und altersgerecht bis zur bestehenden Regelaltersgrenze arbeiten können.“
Der VdK fordert daher, die medizinische und berufliche Rehabilitation in den Mittelpunkt der Rentendebatte zu rücken. Ein starkes Reha-System kann dazu beitragen, dass Menschen länger gesund und berufsfähig bleiben und so Krankengeld- sowie Erwerbsminderungsrentenausgaben senken. Das heutige Reha-System hat jedoch gravierende Schwächen: Es ist zersplittert, unübersichtlich und mit zu vielen Hürden verbunden. Reha-Angebote sind vielen Menschen schlicht unbekannt.
Der Sozialverband VdK fordert deshalb:
• Ein einheitliches Reha-System mit einem zuständigen Träger für alle Reha-Maßnahmen
• Ein echtes Wunsch- und Wahlrecht für Beschäftigte
• Den Ausbau der Anschlussrehabilitation
• Barrierefreie Rehaeinrichtungen
• Mehr Inklusion im Arbeitsleben und die konsequente Durchsetzung der gesetzlichen Beschäftigungspflicht für Menschen mit Schwerbehinderung
„Wenn sich Unternehmen und Politik der Herausforderung einer alternden Gesellschaft und alternder Belegschaften stellen wollen, dürfen sie nicht mit vermeintlich einfachen Lösungen immer mehr prekäre Rentenübergänge in Kauf nehmen“
, fordert Bentele. „Sie müssen bei den realen Problemen ansetzen. Die Alterssicherungskommission muss diese Zukunftsaufgabe vorbereiten und nicht vor ihr kapitulieren.“
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