„Wir können nicht so weitermachen“

„Wie lange bin ich noch in Kurz­arbeit?“ „Werde ich meinen Arbeitsplatz behalten?“ „Wer bezahlt die Zeche der Corona-Krise?“ Diese Fragen treiben viele Menschen in Deutschland um. Antworten zu finden, fällt auch Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), schwer. Er unterstützt die VdK-­Forderung, die Schwächsten nicht allein zu lassen.

Das Bild zeigt Marcel Fratzscher
© VdK

Wer schon vor der Krise gerade mal so über die Runden gekommen ist, hat keinerlei finanzielle Puffer, um die Corona-Pandemie abfedern zu können: Minijobber, Mütter in Teilzeit, die in den vergangenen Monaten nicht im Homeoffice arbeiten konnten, oder all jene mit niedrigen Einkommen auf Mindestlohnniveau. „30 Prozent aller Haushalte in Deutschland können nicht sparen, weil sie ihr gesamtes Einkommen für den Lebensunterhalt ausgeben müssen“, sagt Marcel Fratzscher im VdK-Podcast „In guter Gesellschaft – Verena Bentele fragt, wo’s hakt“.

Dass die Grundrente rund 1,5 Millionen Menschen nutzt, sei gut. Es müsse aber noch viel mehr passieren, um die Gesellschaft gerechter zu machen. Die VdK-Kampagne #Rentefüralle habe an den richtigen Hebeln angesetzt. Denn letztendlich müsse es darum gehen, die gesetzliche Rente zu stärken. Erst recht vor dem Hintergrund, dass demnächst die starke Generation der Babyboomer in Rente geht. Marcel Fratzscher fürchtet, dass die derzeitigen Probleme der Corona-Krise diese große demografische Herausforderung überlagern. „Hier brauchen wir Konzepte, die langfristig wirken“, sagt der DIW-Präsident und ergänzt: „Wir können nicht so weitermachen.“

Die Globalisierung ist aus Fratzschers Sicht zu weit gegangen, auf Kosten der Schwächsten der ­Gesellschaft. Die VdK-Forderung nach einer einmaligen Vermögensabgabe hält er jedoch nicht für das richtige Instrument. Sein Vorschlag: eine Reform des Steuer­systems. Kaum ein Land besteuere Einkommen auf Arbeit so hoch und Vermögen so gering wie Deutschland. Wenn der DIW-Präsident Fratzscher Finanzminister wäre, würde er die Grundsteuern erhöhen und die Erbschaftssteuer fairer ge­stalten.

Die vom VdK geforderte Anhebung des Mindestlohns auf 13 Euro sei richtig, nur nicht zum jetzigen Zeitpunkt. „Momentan hat die Sicherung von Jobs Priorität“, erklärt der DIW-Präsident. Rund 600 000 Menschen haben in der Corona-Krise bereits ihre Arbeit verloren, über sieben Millionen sind in Kurzarbeit (Stand: Juli 2020). Ein höherer Mindestlohn würde aktuell dazu führen, dass Unternehmen Personal abbauen, weil sie derzeit nicht investieren können. Langfristig bedeute ein höherer Mindestlohn aber nicht Stellenkürzungen, was Studien beweisen.

Dass die Ansichten und Visionen eines Ökonomen und einer VdK-­Präsidentin gar nicht so weit auseinanderliegen, wird im VdK-Podcast deutlich. Und Marcel Fratzscher als Finanzminister hätte schon eine genaue Vorstellung, wer Bundeskanzlerin werden soll. „Das müssten Sie dann machen“, fordert er VdK-Präsidentin Verena Bentele mit einem Augenzwinkern auf.

Ines Klut

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