23. März 2022
SOZIALE GERECHTIGKEIT

Energie teuer wie nie

Die Regierung will die Bevölkerung entlasten, doch die Maßnahmen reichen nicht

Erst Corona, dann der Krieg in der Ukraine – eine Krise nach der anderen treibt die Energiekosten und die Inflation in die Höhe. Viele Menschen im Land wissen nicht mehr, wie sie die explodierenden Preise noch bezahlen sollen.

eine abgedrehte Heizung
© Canva / geralt von Pixabay

Die Lebenshaltungskosten steigen seit Monaten. Benzin, Strom, Heizkosten, aber auch Lebensmittel und viele andere Güter werden immer teurer. Nun treibt der Krieg in der Ukraine die Preisspirale weiter an: Die Wirtschaftssank­tionen gegen Russland wirken sich auf die Energiepreise und den Welthandel aus. Experten rechnen daher mit einer Teuerungsrate von mehr als fünf Prozent in diesem Jahr. Die Bundesregierung will mit einem Zehn-Punkte-Entlastungspaket gegen­steuern und hat erste Maßnahmen verabschiedet. Doch der Sozialverband VdK hält diese für nicht ausreichend. So wurde unter anderem in die Wege geleitet, dass die Entfernungspauschale ab dem 21. Kilometer auf 38 Cent und der Arbeitnehmerpauschbetrag auf 1200 Euro steigen.

„Ältere Menschen mit geringen Renten werden wie Erwerbsminderungsrentner von diesen Maßnahmen nicht profitieren“, kritisiert VdK-Präsidentin Verena Ben­tele. Dabei litten sie besonders unter den hohen Preisen. Sie seien für Fahrten zum Arzt oder zum Einkaufen oft auf ein Auto angewiesen. „Um sie zu entlasten, brauchen sie in diesem Jahr eine ordentliche Rentenanpassung, da sonst ihre Kaufkraft weiter sinkt“, fordert sie. Auch die Erwerbsminderungsrenten müssten dringend angehoben werden: „In vielen Fällen reichen sie schon bisher nicht zum Leben. Die Preissteigerungen sind für diese Menschen eine Katastrophe.“

Bentele begrüßt zwar, dass die Regierung die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG-­Umlage) bereits ab 1. Juli abschafft und nicht erst im nächsten Jahr. Allerdings müssten die An­bieter auch dazu verpflichtet werden, die Entlastung eins zu eins an Verbraucherinnen und Verbraucher weiterzugeben. „Haushalte mit kleinen Einkommen sind überdurchschnittlich stark von hohen Energiepreisen betroffen. Sie brauchen daher weitere Entlastungen“, sagt Bentele und fordert, die Stromsteuer zu senken.

Zudem müssten Maßnahmen gegen die drohende Zunahme von Energiesperren eingeführt werden. Schon in vergangenen Jahren waren Hunderttausende davon betroffen. „Ratenzahlungen oder die Stundung von Energieschulden müssen verpflichtend festgeschrieben und Verbraucherinnen und Verbraucher mit kostenlosen Energiesparchecks unterstützt werden“, fordert Ben­tele. Haushalte mit geringen Einkommen sollten zudem Zuschüsse erhalten, wenn sie energiesparende Elektrogroßgeräte anschaffen.

Ursprünglich plante die Bundesregierung einen einmaligen Heizkostenzuschuss in Höhe von nur 135 Euro für alle, die Wohngeld oder BAföG beziehen. Nach viel Kritik, auch vom Sozialverband VdK, dass dieser Betrag nicht ausreicht, wurde er auf 270 Euro für Alleinstehende und auf 350 Euro für Paare verdoppelt. „Statt der einmaligen Zahlung wäre es aber besser, die tatsächlichen Heizkosten sowie die Stromkosten bei der Berechnung des Wohngelds zu berücksichtigen“, kritisiert Bentele. Sie fügt hinzu: „Rentnerinnen und Rentnern helfen diese Maßnahmen ebenfalls nicht.“

Heike Vowinkel

Schlagworte Energiepreise | Altersrente | Entlastungspaket

  • Sozialrecht
    Ob Rente, Gesundheit und Pflege, Teilhabe und Behinderung, Leben im Alter oder soziale Sicherung: Der Sozialverband VdK ist für seine Mitglieder ein kompetenter Ratgeber und Helfer in allen sozialrechtlichen Belangen. | weiter
  • Rente
    Der VdK will die Rente zukunftssicher machen und Altersarmut verhindern. Lesen Sie hier alles rund um die Themen Rente, Alterssicherung und unsere rentenpolitischen Forderungen. | weiter
  • Behinderung
    Der VdK setzt sich für gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung in allen Lebensbereichen ein. Lesen Sie mehr zu Inklusion, Behindertenpolitik und Barrierefreiheit. | weiter
  • Pflege
    Wir finden: Die Situation Pflegebedürftiger und Pflegender muss sich dringend verbessern. Lesen Sie hier mehr zum Thema Pflegepolitik, pflegende Angehörige, häusliche Pflege und Pflegeleistungen. | weiter
  • Gesundheit
    Wir brauchen ein Gesundheitssystem, das an den Bedarfen der Menschen ausgerichtet ist. Lesen Sie mehr zu Gesundheitspolitik, Prävention, Gesundheitsleistungen, Hilfsmitteln und Versorgung. | weiter
  • Soziale Gerechtigkeit
    Rund 15,3 Millionen Menschen sind in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht - das ist fast jeder Fünfte! Der Sozialverband VdK kämpft für soziale Gerechtigkeit und setzt sich gegen die fortschreitende soziale Spaltung ein. | weiter
  • Frauen
    Frauen erhalten 49 Prozent weniger Einkommen und 53 Prozent weniger Rente als Männer. Der Sozialverband VdK setzt sich für mehr Gerechtigkeit für Frauen ein, kämpft für Gleichberechtigung und Gleichstellung. | weiter
  • Familie
    Wir brauchen Verlässlichkeit für Familien. Der VdK setzt sich unter anderem für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein, für familiengerechte Arbeitszeiten, den Ausbau der Kinderbetreuung und für ein Rückkehrrecht in Vollzeit. | weiter
  • Reha
    Krankheit, Unfall, Klinikaufenthalt: Die Rehabilitation setzt dort an, wo die Selbstbestimmung eines Menschen gefährdet ist. | weiter
  • Kampagnen
    Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen und Kampagnen transportiert der VdK seine Forderungen an die Politik und zeigt immer wieder soziale Missstände auf. | weiter

Armut ist eine der größten sozialen Katastrophen im Land.

Wir sagen Ihnen, was Ihnen laut Sozialrecht zusteht und kämpfen für Ihr Recht. Bundesweit. Jetzt Beratung vereinbaren!

Der VdK
Eine Frau gibt einer anderen Frau zur Begrüßung die Hand. Sie stehen am Eingang eines Gebäudes mit der Aufschrift "VdK Service Point"
Finden Sie mit der Beratungsstellen-Suche die nächste Rechtsberatungsstelle des Sozialverbands VdK - auch in Ihrer Nähe!
Der VdK
Symbolfoto: Zwei Frauen und ein Mann ziehen gemeinsam an einem Seil, an dessen Ende auch jemand zieht.
Wir machen uns stark für soziale Gerechtigkeit. Wir vertreten Ihre sozialpolitischen Interessen und kämpfen für Ihre Rechte. Unsere Stärke: Unabhängigkeit und Neutralität.

Presse
Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter mit Informationen zu Sozialpolitik und Sozialrecht sowie aktuellen Infos rund um den Sozialverband VdK.

Datenschutzeinstellungen

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.