20. Mai 2021
SOZIALE GERECHTIGKEIT

„Probleme des Sozialstaats schonungslos auf den Tisch“

VdK-Präsidentin Verena Bentele schlägt in ihrem Buch „Wir denken neu“ spannende politische Lösungen vor – Vorstellung in Berlin

Das Bild zeigt die Lesung
© VdK / Henning Schacht

„Wir denken neu. Damit sich Deutschland nicht weiter spaltet“ heißt das im Europa-Verlag erschienene Buch von VdK-Präsidentin Verena Bentele, das sie mit ihrem VdK-Autorenteam Dr. Ines Verspohl und Philipp Stielow am 8. April in Berlin vorgestellt hat. Moderator Gabor Steingart führte durch die 90-minütige Gesprächsrunde, die via Livestream im Internet übertragen wurde.

„Es ist ein streitbares und mutiges Buch“, in dem „die Probleme des Sozialstaats schonungslos auf den Tisch kommen“, erklärte Gabor Steingart in seiner einführenden Moderation. Der Journalist und Autor bezeichnete den kompakten Band als „Druckbetankung für eine Debatte, die nötig ist“.

Diskussionsbedarf besteht unter anderem beim Thema Pflege: Verena Bentele bezog sich auf ein Kapitel aus dem Buch, in dem sie von ihrer Freundin berichtete. Deren Mutter pflegte den Ehemann zu Hause bis zur Erschöpfung. Die Familie konnte sich die 2000 Euro für ein Pflegeheim nicht leisten. Bentele erinnerte daran, dass über 70 Prozent der Pflege zu Hause stattfinde. Der VdK führe derzeit eine große Studie zu diesem Thema durch, um zu erfahren, wie es Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen geht, was sie für eine gute Pflege zu Hause brauchen, und was sie entlastet, sagte sie.

Doch auch in den Heimen gibt es viel zu tun. Auf die Frage eines Zuschauers, wie das „desolate Pflegesystem“ verändert werden könne, brachte Bentele die Pflegevollversicherung ins Spiel. Für mehr Personal, bessere Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen sei es wichtig, dass alle pflegerischen Leistungen auch wirklich von der Pflegekasse bezahlt werden und nicht von den Pflegebedürftigen.

Wir denken neu: Buchvorstellung mit Verena Bentele am 8.4.2021

Am 8. April 2021 hat VdK-Präsidentin Verena Bentele ihr Buch "Wir denken neu. Damit sich Deutschland nicht weiter spaltet" in der Urania in Berlin vorgestellt. Den Mitschnitt der Veranstaltung sehen Sie hier!

Auf Steingarts Frage, was für sie „der Kern vom Kern des Buches“ sei, antwortete Dr. Ines Verspohl: „Alle müssen in eine Sozialversicherung rein. Und die gliedert sich dann in verschiedene Zweige.“ Für sie sei die Diskussion um die Reform der verschiedenen Sozialsysteme ein zusammenhängendes Thema. Wenn man ein System anfasse, könne man das auch gleich für alle machen. Lange Zeit schwele der Streit um die Eingliederung der Privatversicherten in die gesetzliche Krankenversicherung. Diese Frage stelle sich auch in der Rentenversicherung, der Unfallversicherung und in der Arbeitslosenversicherung. „Kurzarbeitergeld ist besser als Hartz 4“, spitzte Verspohl die Diskussion mit einem Beispiel zu.

Das Thema Solidarität griff Philipp Stielow am Beispiel der gesetzlichen Krankenversicherung auf. Sozial Benachteiligte oder chronisch Kranke fänden sich dort wieder. Die Solidarität mit Menschen, denen es in einer bestimmten Lebensphase nicht gut gehe, finde über dieses gesetzliche System statt. Jeder könne in diese Situation kommen. Deswegen sei es falsch, dass sich rund zehn Prozent Privatversicherte ausklinken. „Wenn alle einzahlen, könnten die Sozialversicherungsbeiträge sinken“, sagte Stielow.

Am Ende hatte Bentele noch ein Lob für ihre Mitautoren parat: „Uns hat es allen Mega-Spaß gemacht, an diesem Buch zu arbeiten.“ So viel Spaß, dass sie bereits eine neue Idee preisgab: „Das komplexe Thema Gesundheitssystem hat eine große Chance, eines der nächsten Buchthemen zu werden.“

Jörg Ciszewski

Schlagworte Wir denken neu | Soziale Gerechtigkeit | Pflege

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