4. April 2019
SOZIALE GERECHTIGKEIT

Kommentar: Bunt ist eine Chance

Von VdK-Präsidentin Verena Bentele

Die Zusammensetzung in einem idealen Parlament könnte so aussehen: Alle Geschlechter, also männlich, weiblich und divers, sind nach ihrem Bevölkerungsanteil vertreten. Es sind blonde, braune, grauhaarige oder glatzköpfige Menschen zu sehen. Rollstuhlfahrer oder Gehörlose sind ein selbstverständlicher Teil. Und das Beste dabei: Es kümmert weder drinnen noch draußen jemanden, wie einer aussieht oder woher die Eltern stammen, denn es geht ja nur um Inhalte. Und über die darf es Kontroversen geben.

Portraitfoto von Verena Bentele. Sie trägt einen weißen Blazer, hat den Kopf auf eine Hand gestützt und lacht in die Kamera.
Verena Bentele | © Susie Knoll

Ein buntes Gremium als Volksvertretung hieße nicht, dass alle in Hippie-Harmonie agieren. Doch je normaler ein buntes Parlament wäre, desto verschiedener wären die Perspektiven und desto besser könnten Abgeordnete ihren Wählerauftrag erfüllen.

Viel zu oft kommen politische Talente nicht dorthin, wo sie mitgestalten können. So schaffen es zum Beispiel viele begabte Frauen nicht bis in den Bundestag, da sie im Vorfeld nicht schnell genug die Hand heben, weil sie abends Kinder betreuen, anstatt auf Sitzungen zu gehen. Junger Parteinachwuchs muss ordentlich kämpfen, „sich die Hörner abstoßen“, bevor er sich in fortgeschrittenem Alter im Parlament bewähren darf. Frauen und Männer, die einen ausländisch klingenden Nachnamen haben, sind immer noch Exoten in der politischen Landschaft. Menschen mit Behinderung werden ausgebremst, weil sie nicht die passende Unterstützung durch Assistenz oder Informationen in Leichter Sprache bekommen.

In der Frauenbewegung wird oft das Bild der „gläsernen Decke“ zitiert, an die Frauen stoßen, wenn sie versuchen, Positionen einzunehmen, die Macht und Einfluss versprechen. Diese unsichtbaren Hürden betreffen auch andere.

Vielleicht erklärt sich manche Politikferne bis hin zur Politikverdrossenheit daraus, dass sich viele nicht wiederfinden in ihren Volksvertretern. Um die Demokratie lebendig zu erhalten, muss allen Parteien daran gelegen sein, die Vielfalt der Gesellschaft ins Parlament zu holen. 50 Prozent Frauenanteil wären nach 100 Jahren Frauenwahlrecht schon mal ein guter Anfang.

Verena Bentele, VdK-Präsidentin

Schlagworte Vielfalt | Parlament | Diversität

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