Grundrente: Nicht perfekt, aber richtig.

Die Grundrente kommt


Jahrelang hat der VdK dafür gekämpft, endlich wirkt der Druck: Der Bundesrat hat am Freitag, den 03.07. nach jahrelangem Streit die Grundrente beschlossen.

VdK-Präsidentin Verena Bentele:
„Die Grundrente ist ein erster Schritt zu mehr Würde und Respekt. Menschen mit geringem Einkommen, die ein Leben lang gearbeitet, Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt haben, verdienen den Aufschlag auf ihre Rente. Vor allem Frauen werden mit der neuen Rentenleistung endlich besser gewürdigt. Gerade alleinstehenden Frauen bleibt im Alter bisher oft nur der als entwürdigend empfundene Weg zum Sozialamt. Der VdK hat lange dafür gekämpft, damit die Lebensleistung von Geringverdienern endlich anerkannt wird. Den Aufschlag auf ihre geringe Rente haben sich 1,3 Millionen Menschen im Land verdient. Das Gesetz ist nicht perfekt, aber es ist richtig.“

Nutznießer der Grundrente sind

  • die Kassiererin,
  • die Reinigungskraft im Krankenhaus
  • die Servicekräfte, die in der Krise grad das Land am Laufen halten.


Diese Menschen erhalten aktuell sehr viel Applaus für ihre Arbeit. Mit Applaus können sie aber ihre Rechnungen nicht bezahlen. Sie brauchen in erster Linie anständige Löhne und eine gerechte Absicherung im Alter. Dazu gehört auch die Grundrente.

Grundrente: Ein jahrelanger Kampf

© Unsplash

Seit mehreren Legislaturperioden wird die Aufwertung kleiner Renten unter verschiedenen Begrifflichkeiten wie

  • „Zuschussrente“
  • „Solidarrente“
  • „Lebensleistungsrente“
  • „Respektrente“


diskutiert, ohne sie in ein Gesetz umzuwandeln. Es ist Zeit, dass Menschen, die ein Leben lang gearbeitet, Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt haben, eine ausreichende Rente bekommen.

Wir haben jahrelang dafür gekämpft, dass Menschen die ihr Leben lang hart und für zum Teil geringe Löhne gearbeitet haben, am Lebensabend eine gerechte Rente bekommen. Ihre Rente sollte aufgewertet werden. Dafür haben wir eine bundesweite Rentenkampagne mit allen VdK-Landesverbänden organisiert. An jedem Info-Stand haben unsere "Aktiven" aus Haupt- und Ehrenamt mit den Leuten darüber gesprochen und informiert, was eine gerechte Rente bedeutet. Deutschlandweit gab es unzählige Veranstaltungen, Podiumsdiskussionen, Verteilaktionen, Hintergrundgespräche mit Ministerinnen und Ministern sowie der Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel. Zuletzt erwähnte die Kanzlerin die Grundrente auf unserer 70-Jahr-Feier. Die Grundrente ist auch ein wichtiger Baustein im Kampf gegen Altersarmut. Sie ist ein Schritt in die richtige Richtung, für den wir hart gearbeitet haben.

Das Gesetz lässt Erwerbsminderungsrentner im Regen stehen


„Für viele Menschen bedeutet die Grundrente mehr Geld im Portemonnaie,“ so VdK-Präsidentin Verena Bentele.

Eine gute Nachricht, doch laut Bentele reicht das noch nicht: „Die Bundesregierung lässt viele Erwerbsminderungsrentnerinnen und -rentner im Regen stehen. Sie gehen nach den aktuellen Plänen leer aus. Wer noch vor dem Renteneintrittsalter seinen Beruf aufgeben musste, hatte keine Chance, den Lebensunterhalt selbst zu erwirtschaften. Diese Menschen werden nun bestraft, wenn sie keine 33 Grundrentenjahre nachweisen können. Das ist nicht nachvollziehbar."

Der Kampf für Erwerbsminderungsrentner geht an anderer Stelle weiter.

Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland sind 2019 mit dem Rentenpaket im Stich gelassen worden. Wer eine Erwerbsminderungsrente neu erhält, den behandelt die Rentenversicherung seitdem so, als hätte sie oder er bis zur Regelaltersgrenze gearbeitet. Diese Zurechnungszeit bringt durchschnittlich 70 Euro mehr im Monat von der Rentenkasse. Es gibt nur einen Haken: 1,8 Millionen Bestandsrentner gingen leer aus.

Gegen diese Ungleichbehandlung gehen der Sozialverband VdK Deutschland und der Sozialverband Deutschland (SoVD) jetzt juristisch vor. Mehr lesen

Bürokratie-Monster

Als größter Sozialverband in Deutschland haben wir lange gekämpft, damit die Grundrente zum 01.01.2021 kommt und freuen uns über diesen Erfolg. Die komplizierte Ausgestaltung des Gesetzes sorgt jedoch dafür, dass die Auszahlung der Grundrente eventuell deutlich später erfolgt - zum Teil im Jahr 2022. Die Komplexität des Gesetzes bewirkt, dass die Berechnung für Bürgerinnen und Bürger nicht nachvollziehbar ist. Die Einkommensprüfung ist ebenfalls zu kompliziert und verursacht zu hohe Verwaltungskosten.

Anerkennung der Lebensleistung

Grundrente ist kein Almosen, sondern Anerkennung der Lebensleistung von Geringverdienern. Für den Kampf gegen Altersarmut ist es in Zukunft wichtig

  • den Mindestlohn zu erhöhen
  • den Freibetrag für Einkommen aus der gesetzlichen Rentenversicherung für alle Grundsicherungsbezieher einzuführen.

Geringverdiener, die ein Leben lang gearbeitet, Kinder erzogen, Angehörige gepflegt haben, haben einen Aufschlag auf ihre Rente verdient. Dafür hat sich der VdK immer eingesetzt.

Ein langer Weg über dünnes Eis


Bei der Grundrente geht es darum, dass die Lebensleistung von Menschen honoriert wird. Deshalb haben wir die parteitaktischen Spielchen stark kritisiert.

© Unsplash

Diejenigen, die dafür gesorgt haben, dass die Grundrente immer weiter verkompliziert wurde, kritisieren nun genau diesen Punkt. Andere haben immer neue fadenscheinige Gründe genannt, warum die Grundrente nicht bezahlbar sei. Das Tauziehen war respektlos gegenüber all den hart arbeitenden Menschen. Wir begrüßen es deshalb sehr, dass sich die Große Koalition nun endlich geeinigt hat.

Ziel: Langfristig Grundrente überflüssig machen


VdK-Präsidentin Verena Bentele: "Die Grundrente bedeutet Anerkennung und Respekt für die Lebensleistung vieler Menschen. Diesen Respekt ist die Politik den Menschen schuldig. Denn Menschen, die Jahrzehnte hart geschuftet, Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt haben, dürfen im Alter nicht in Armut leben und aufs Sozialamt gehen. Arbeit muss sich lohnen – auch fürs Alter.

© VdK / Susie Knoll

Klar ist für uns: Instrumente wie die Grundrente darf es in einem so reichen Land wie Deutschland gar nicht geben müssen. Wir brauchen

  • einen Mindestlohn von über 13 Euro. Nur dann beziehen die Menschen nach einem Leben voller Arbeit automatisch eine Rente oberhalb der Grundsicherung.
  • Darüber hinaus brauchen wir ein stabil hohes Rentenniveau von mindestens 50 Prozent.


Ziel muss es sein, dass alle, die ein Leben lang gearbeitet haben, im Alter von ihrer Rente leben können. Dafür setzen wir uns weiter ein.“

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