Kommentar: Schluss mit Riestern

„Wenn du merkst, dass das Pferd, auf dem du reitest, tot ist, dann steig ab“, lautet ein in der Wirtschaftswelt gern verwendetes Zitat. Die Bundesregierung will die Riester-Rente stattdessen nun reformieren.

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© VdK / Susie Knoll

„Wenn du merkst, dass das Pferd, auf dem du reitest, tot ist, dann steig ab“, lautet ein in der Wirtschaftswelt gern verwendetes Zitat. Die Riester-Rente ist so ein armer Gaul, der schon 2001 nur mit Mühe auf die Beine kam, seither lahmt und längst auf den Gnadenhof gehört.

Bereits abgeschlossene Riester-Verträge sollten noch etwas gefüttert werden, aber bitte setzt nicht mehr auf das abgehalfterte Pferd!

Von 44,58 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland haben nur 16,53 Millionen einen Riester-Vertrag. Die Abschlüsse stagnieren seit Langem, insgesamt sinken die Zahlen. Jeder fünfte Vertrag war nach Auskunft der Bundesregierung 2019 „ruhend“ gestellt. Das heißt, es werden keine Beiträge mehr bezahlt, oft schon seit vielen Jahren. Zudem können sich Menschen mit niedrigen Einkommen, die die größten Rentenlücken zu erwarten haben, diese zusätzliche private Vorsorge schlicht nicht leisten.

Selbst der sehr verhaltene Bericht der Rentenkommission kritisiert die Riester-Rente als wenig bürgerfreundlich. Kundinnen und Kunden berichten von hohen Abschlussgebühren und Beratungen für Versicherungsprodukte, die sich durch hohe Provisionen und niedrige Renditen auszeichnen.

Die Idee der zusätzlichen privaten Altersvorsorge wurde vor 20 Jahren hoch gehandelt. Das Rentenniveau der gesetzlichen Rente wurde zusehends heruntergefahren. Smarte Menschen jonglierten lässig ihre Aktien an der Börse. Und die weniger Mutigen sollten einen Teil ihres Gehalts in staatlich geförderte, oft fondsgestützte Bank- und Versicherungsprodukte stecken.

Die Bundesregierung will die Riester-Rente nun reformieren. Indem sie – es ist kaum zu fassen – den jammernden Anbietern entgegenkommt. Bisher waren wenigstens 100 Prozent der eingezahlten Summe garantiert. Nun sollen es nur noch 80 Prozent sein. Das ist Steuergeld-Verbrennung und keine „Reform“. Die Fördergelder, die jetzt in die klinisch tote Riester-Rente gesteckt werden, wären in der allgemeinen gesetzlichen Rentenversicherung tausendmal besser aufgehoben. Das wäre eine echte Reform.

Verena Bentele

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    30.03.2020

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