2. November 2022
PFLEGE

Häusliche Pflege: „Unsere Mitglieder haben hohen Druck“

Lebhafte Diskussion zur VdK-Forderung nach einem Pflegelohn für die Nächstenpflege

Um die häusliche Pflege zu stärken, will der Sozialverband VdK einen Pflegelohn für pflegende Angehörige. Wie stehen die Parteien in Berlin zu dieser Forderung? Dazu diskutierten Vertreterinnen und Vertreter von SPD, Bündnis 90/Die Grünen, CDU und der Linken.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Diskussionsrunde des VdK am 27.9.2022 zum Thema
Moderiert von Dr. Ines Verspohl, Leiterin der VdK-Abteilung Sozialpolitik (rechts), diskutierten in Berlin (von links):
Dr. Hermann-Josef Tebroke (CDU), Kordula Schulz-Asche (Bündnis 90/Die Grünen), VdK-Präsidentin Verena Bentele, Erik von Malottki (SPD) und Kathrin Vogler (Die Linke). | © Reinhardt & Sommer Fotografen

Menschen, die zu Hause gepflegt werden, und ihre Angehörigen spielen öffentlich kaum eine Rolle. Die Anerkennung für Nächstenpflege ist in der Politik zwar grundsätzlich groß, wird aber wenig konkret. VdK-Präsidentin Verena Bentele forderte „Lohn statt Beifall“ in einer Diskussionsrunde, zu der der VdK im Anschluss an die Präsentation der Zahlen des DIW und der VdK-Pflegestudie Ende September eingeladen hatte.

Die Bundestagsabgeordneten Erik von Malottki (SPD), Kordula Schulz-Asche (Bündnis 90/Die Grünen), Dr. Hermann-Josef Tebroke (CDU) und Kathrin Vogler (Die Linke) waren der VdK-Einladung gefolgt. Dr. Ines Verspohl, Leiterin der VdK-Abteilung Sozialpolitik, leitete die Diskussion.

Kordula Schulz-Asche zeigte sich von den Ergebnissen der VdK-Pflegestudie beeindruckt: „Wir brauchen einen Schutzschirm für pflegende Angehörige. Wir wissen aber viel zu wenig über diese Gruppe. Was wir wissen: Sie brauchen mehr Unterstützung.“ Sie bedauerte, dass auch der Koalitionsvertrag an dieser Stelle zu wenig Ziele nennt.


Armut durch Pflege - VdK-Fachveranstaltung am 27.9.2022

Wie es gelingen kann, die Pflegenden vor Armut durch Pflege zu schützen, haben im Rahmen einer Fachveranstaltung des Sozialverbands VdK am 27. September 2022 die pflege- und familienpolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen und VdK-Präsidentin Verena Bentele diskutiert. Zwei Vorträge von Prof. Dr. Dr. Andreas Büscher von der HS Osnabrück und Dr. Johannes Geyer vom DIW Berlin veranschaulichten dazu die Ergebnisse der VdK-Pflegestudie zum Thema "Armut und Pflege".


Dr. Hermann-Josef Tebroke sagte, dass die Pflegedebatte viel zu stark an der stationären Pflege ausgerichtet ist. „Es muss Verbesserungen innerhalb des Systems geben, zum Beispiel mehr Pflegegeld.“ Ein Modell wie den vom VdK vorgeschlagenen Pflegelohn lehnte er ab. Es dürfe nicht „zu viel Staat“ geben. Stattdessen müsse mehr Unterstützung, etwa im Ehrenamt, geschaffen werden. Er sieht zudem das sensible familiäre Gefüge gefährdet, wenn Nächstenpflege „kommerzialisiert“ wird, also zum Job, der bezahlt wird.

„Es ist Wahnsinn, was diese Menschen leisten“, sagte Erik von Malottki im Hinblick auf die Ergebnisse der VdK-Pflegestudie. Die Last dürfe nicht einfach bei den Familien hängen bleiben. „Es ist eine staatliche Aufgabe, alles zu tun, um die persönlichen und gesellschaftlichen Folgeschäden durch die hohe Belastung zu vermeiden.“

Kathrin Vogler stimmt der VdK-Forderung nach einem Pflegegehalt zu: „Das schafft Zuverlässigkeit.“ In einem ersten Schritt müsse es aber erst einmal den überfälligen Inflationsausgleich beim Pflegegeld geben.

Blick in den Veranstaltungsraum mit einem Roll-up zur VdK-Kampagne
"Nächstenpflege braucht Kraft und Unterstützung": Mit seiner Kampagne setzt der VdK sich für bessere Bedingungen in der Nächstenpflege ein. Die Fachveranstaltung am 27.9. war Teil der Kampagne. | © Reinhardt & Sommer Fotografen

Doch ob das Pflegegeld, das den Pflegebedürftigen zusteht, an die Angehörigen weitergegeben wird, liegt im eigenen Ermessen, so der Einwand von Verena Bentele. Ein Pflegelohn käme zuverlässig bei den Angehörigen an. Die Kommunen müssten viel stärker in die Pflicht genommen werden, forderte sie. Wenn diese als Arbeitgeber auftreten, wie dies im österreichischen Modellprojekt der Fall ist, schaffe das mehr Wertschätzung für die Nächstenpflege.

Als Vertreterin einer Regierungspartei kündigte Kordula Schulz-Asche eine Erhöhung des Pflegegelds an. Eine Anhebung der Rentenpunkte für Nächstenpflege schien ihr nicht realistisch. Erik von Malottki ergänzte: „Es wird in der Koalition nur umgesetzt, was auch von außen deutlich eingefordert wird.“ Deshalb appellierte er an den VdK: „Bitte mischen Sie sich ein!“ Verena Bentele versprach: „Das tun wir. Unsere Mitglieder haben hohen Druck.“

Der österreichische Pflegelohn hat auf jeden Fall Interesse geweckt: Kordula Schulz-Asche will im Gesundheitsausschuss anregen, sich das Projekt im Burgenland einmal vor Ort anzuschauen.

www.vdk-naechstenpflege.de

Dr. Bettina Schubarth


PFLEGE
Hände halten ein Plakat hoch, darauf steht "Pflege kann nur gut, wenn es den Pflegenden auch gut geht!" - #naechstenpflege, Sozialverband VdK
Jeder fünfte pflegende Angehörige ist armutsgefährdet, unter den pflegenden Frauen ist es sogar jede Vierte. Der VdK fordert einen Lohn für pflegende Angehörige, um das hohe Armutsrisiko in dieser Personengruppe zu senken. | weiter
28.10.2022
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6.10.2022 - Zum heutigen European Carers Day weist der VdK auf die prekäre Lage der pflegenden Angehörigen hin und mahnt die längst fällige Erhöhung des Pflegegeldes an. | weiter
06.10.2022

„Ich kann nicht mehr!“ – Nächstenpflege überm Limit

Gabriele Mair-Bolland versucht das Unmögliche: Sie will trotz ihres vollgepackten Berufsalltags ihren pflegebedürftigen Mann nicht allein lassen. Für das Ehepaar eine große physische und psychische Belastung. Mit seiner Kampagne "Nächstenpflege" lässt der Sozialverband VdK Menschen wie Gabriele Mair-Bolland ihre Geschichte erzählen.

Schlagworte Nächstenpflege | Fachveranstaltung | häusliche Pflege | pflegende Angehörige | Lohnersatzleistung | Pflegelohn

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Eine Frau gibt einer anderen Frau zur Begrüßung die Hand. Sie stehen am Eingang eines Gebäudes mit der Aufschrift "VdK Service Point"
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Symbolfoto: Zwei Frauen und ein Mann ziehen gemeinsam an einem Seil, an dessen Ende auch jemand zieht.
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