8. Dezember 2022
GESUNDHEIT

Altershirndruck ist bei rechtzeitiger Diagnose gut zu behandeln

Symptome wie bei einer Demenz

Das Gedächtnis lässt nach, die Schritte werden unsicher, und auch mit dem Toilettengang kann es Probleme geben. Diese Beschwerden erinnern oft an Demenz, Alzheimer oder Parkinson. Doch es können auch die Symptome eines Altershirndrucks sein. Dieser lässt sich gut behandeln.

CT-Scan eines menschlichen männlichen Gehirns, Nahaufnahme
© IMAGO / imagebroker

Plötzlich begann Franz Müller (Name von der Redaktion geändert), unsicher zu laufen. Er musste häufiger auf die Toilette, als er es gewohnt war. Auf seine Tochter machte der 75-Jährige einen unkonzentrierten Eindruck. Sie dachte an eine Demenz. Er selbst schob die Probleme beim Gehen auf seine Bandscheiben.

Aber sein Orthopäde konnte sich den unsicheren Gang damit nicht erklären und überwies ihn an einen Fachkollegen. Dieser riet dem VdK-Mitglied zu einer Magnetresonanztomografie (MRT). Ein Neurologe schaute sich die Aufnahmen an und sah Veränderungen der Hirnkammern, die für einen Altershirndruck sprachen.

Im Gehirn wird täglich Hirnnervenwasser gebildet, das abgeleitet werden muss. Im Alter sind die Blutgefäße weniger elastisch und bewältigen diesen Abtransport nicht mehr gut. Die Flüssigkeit sammelt sich an, was in bildgebenden Verfahren sichtbar wird.

Damit einher geht ein erhöhter Pulsdruck im Gehirn, der Beschwerden verursacht. Diese beginnen meist schleichend und werden von Betroffenen, aber auch von Ärztinnen und Ärzten oft als Alters­erscheinungen eingeordnet. Doch für Expertinnen und Experten ist ein breiter Gang mit Trippelschritten und nach außen gesetzten Fußspitzen ein klares Indiz. Daneben können auch Gedächtnisstörungen beziehungsweise eine Harn­inkontinenz auftreten.

Die Erkrankung, die auch Normaldruckhydrozephalus genannt wird, kommt in Deutschland häufig vor: Rund 60 000 Menschen leiden daran. Die Patientinnen und Patienten sind in der Regel älter als 65 Jahre.
Für eine abschließende Diagnose ist nach einem auffälligen MRT-Befund ein sogenannter Liquorablasstest nötig. Dem musste sich auch Müller unterziehen. Dabei wurde Hirnnervenwasser aus dem Wirbelkanal abgeleitet und beobachtet, ob sich die Beschwerden verbessern. Schnell konnte Müller wesentlich sicherer gehen, und auch der plötzliche Harndrang ging zurück.

Operativer Eingriff

Zur Behandlung ist eine Operation notwendig. Dabei werden die inneren Hirnkammern über einen dünnen Plastikschlauch – ein sogenanntes Shunt-System – mit dem Bauchraum verbunden. Die überschüssige Flüssigkeit wird dorthin geleitet und kann vom Körper abgebaut werden. Erfolgen Diagnose und Behandlung rechtzeitig, sind die Aussichten gut, dass die Beschwerden zurückgehen.

Müller hat die Operation inzwischen gut überstanden. Allerdings hatte er noch Wochen später mit Kopfschmerzen und Druck auf den Ohren zu kämpfen. Er musste Medikamente nehmen. Auch das Ventil, das die Menge der abgeleiteten Flüssigkeit im Shunt-System regelt, musste mehrmals nachjustiert werden.

Von dem Eingriff zeugt heute ein kleines Ventil, das hinter seinem Ohr unter der Haut verborgen ist. Er spürt es kaum. Es sei wichtig, sich vorab gut mit den Abläufen und Folgen der Operation ausei­nanderzusetzen, sagt er. Dann wäre er weniger ungeduldig gewesen und hätte sich auf die Nachwirkungen der Operation besser einstellen können.

Kristin Enge

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