28. Oktober 2015
Gesundheit

Herzinfarkt: „Reha eröffnet für Patienten Chancen“

Beim Herzinfarkt zählt jede Sekunde, danach müssen Betroffene lernen, mit ihrer Krankheit zu leben 

Ein Herzinfarkt verändert das Leben von einer Minute auf die andere: mit dem Notarzt ins Krankenhaus, Untersuchungen, manchmal sogar eine Operation. Die meisten realisieren erst später, warum ihr Herz aus dem Takt geraten ist. Was nach dem Herzinfarkt für Betroffene besonders wichtig ist, erklärt Prof. Heribert Schunkert, Ärztlicher Direktor am Deutschen Herzzentrum München und Beiratsmitglied der Deutschen Herzstiftung.

VdK-Zeitung: Wie wird ein Herzinfarkt in den meisten Fällen festgestellt?

Schunkert: Am Anfang stehen meist heftige Beschwerden in der Brust, die den Patienten ins Krankenhaus führen. Dort ist der Infarkt mit einem Elektrokardiogramm (EKG) diagnostizierbar. Zudem wird ein Bluttest veranlasst, mit dem auch kleinste Schäden nachweisbar sind, die im EKG keine Auffälligkeiten nach sich ziehen. Idealerweise macht der Notarzt noch zu Hause beim Patienten das EKG und kann dann alle weiteren Schritte einleiten, zum Beispiel eine Herzkatheter-Untersuchung in einem Krankenhaus anfordern.

VdK-Zeitung: Ist diese Untersuchung in jedem Krankenhaus möglich?

Schunkert: Das Krankenhaus muss über ein entsprechendes Herzkatheter-Labor und eine 24-Stunden-Bereitschaft an 365 Tagen im Jahr verfügen. Denn ein Herzinfarkt kommt in den allermeisten Fällen unvorhersehbar. Nicht alle Krankenhäuser haben dieses Angebot.

VdK-Zeitung: In welchem Zeitfenster muss ein Herzinfarkt behandelt werden?

Nicht zögern, schnell den Notarzt rufen

Die meisten Patienten sterben, weil sie Symptome wie starke Schmerzen, massives Engegefühl, heftiges Brennen, Übelkeit, Erbrechen, Atemnot und Schmerzen im Oberbauch sowie Angstschweiß mit kalter, fahler Haut nicht ernst nehmen und zu lange zögern.

Beim Herzinfarkt zählt jede Minute. Deshalb schnell die 112 oder die örtliche Notrufnummer anrufen und den Verdacht auf Herzinfarkt äußern. Der Rettungswagen ist mit einem Defibrillator ausgestattet, mit dem die lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern) beendet werden können.

Schunkert: Je schneller die Behandlung erfolgt, desto geringer ist der Schaden am Herzmuskel. Für die Ärzte gilt es jetzt, so schnell wie möglich den Blutstrom in der verstopften Ader wiederherzustellen. Wenn die Therapie nach zwei bis drei Stunden seit Auftreten der ersten Beschwerden erfolgreich ist, erholt sich das Herz in der Regel vollständig. Nach sechs Stunden lassen sich noch große Teilerfolge erzielen, aber nach 24 Stunden kommt die Hilfe für den Herzmuskel zu spät.

VdK-Zeitung: Welche Rolle spielt die anschließende Rehabilitation?

Schunkert: In der Reha lernen die Patienten, mit ihrer Krankheit umzugehen. Das ist nicht immer einfach, aber machbar. In dieser Zeit legen Ärzte und Therapeuten gemeinsam mit dem Patienten den Grundstein für das Leben nach dem Herzinfarkt. Dazu gehören die Umstellung des Lebensstils auf gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung, die konsequente Ausschaltung aller Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, hohe Blutfettwerte und Stress sowie die Medikamententherapie.

VdK-Zeitung: Wie lässt sich die Angst davor, wieder einen Herzinfarkt zu bekommen, im Zaum halten?

Schunkert: Die Krankheit anzunehmen ist auch hier das A und O. Das bedeutet aber nicht, dass die Angst vorherrschen soll. Deshalb ist es für Betroffene wichtig, schnell wieder in die Normalität zurückzukehren. Älteren gelingt das meist besser als Jüngeren, die oft stärker verunsichert sind. Das ist auch normal, denn mit Mitte 40 rechnet niemand damit, einen Herzinfarkt zu bekommen. 

Telefon-Aktion zu Herzkrankheiten: Experten beantworten Ihre Fragen

„Herz in Gefahr: Koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt“. Diesem Erkrankungsbild widmen sich die Herzwochen im November. Deshalb bieten der Sozialverband VdK Deutschland und die Deutsche Herzstiftung e. V. eine telefonische Sprechstunde für Betroffene und ihre Angehörigen an.

Zwei Kardiologen sind am Montag, 9. November 2015, zwischen 11 und 13 Uhr am Telefon (0 1803) 33 41 23 (9 Cent pro Minute aus dem Festnetz, Mobilfunk kann abweichen bis maximal 42 Cent pro Minute). Sie beantworten Fragen zu Diagnose, Therapieverfahren wie Stents und Bypass sowie Reha und Risikovorsorge von koronarer Herzkrankheit:

  • Prof. Christiane Tiefenbacher, Chefärztin der Klinik für Kardiologie/Angiologie/Pneumologie am Marien-Hospital Wesel
  • Prof. Ulf Landmesser, Direktor der Klinik für Kardiologie, Charité, Universitätsmedizin Berlin

Buchtipp

Der neue Ratgeber „Herz in Gefahr – Koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt“ der Deutschen Herzstiftung informiert über Vorbeugung, Diagnose und Behandlung der koronaren Herzkrankheit und des Herzinfarkts nach dem heutigen Stand der Medizin in einer Sprache, die jeder versteht. Patienten erhalten wertvolle Tipps für den Umgang mit der Erkrankung. Alle Beiträge sind von namhaften Herzexperten geschrieben.

Der Band (160 Seiten) ist für drei Euro in Briefmarken erhältlich bei: Deutsche Herzstiftung e. V., Bockenheimer Landstraße 94–96, 60323 Frankfurt/Main (Stichwort: Herz in Gefahr) oder unter www.herzstiftung.de/khk-sonderband.html

ikl

Schlagworte Herzinfarkt | Anzeichen | Beschwerden | EKG | Expertentelefon | Herzkrankheit

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