26. November 2020
Themen

Corona macht einsam und verunsichert

Wenn die psychischen Belastungen zu groß werden, gibt es Hilfsangebote

Soziale Kontakte gehören zum Leben dazu. Abstand halten und sich isolieren fällt den meisten Menschen schwer. Hinzu kommt die Angst, sich oder andere anzustecken. Dass die Corona-Pandemie die Psyche stark belastet, ist aus der ersten Krankheitswelle im Frühjahr bekannt. Wie viele Menschen betroffen sind, lässt sich noch nicht genau sagen.

Das Foto zeigt ein Mädchen, das durch eine Jalousie nach draußen schaut.
© unsplash.com

„Kann ich jetzt andere anstecken?“, fragt die siebenjährige ­Luna, als im November der erste Corona-Fall an ihrer Schule auftritt. Obwohl sie nicht betroffen ist und keinen Kontakt hatte, ist sofort die Angst da. Als in den Pflegeheimen Besuchsverbote gelten, beschreiben Pflegerinnen und Pfleger die Situation vor Ort häufig mit Begriffen wie Traurigkeit, Leiden oder Verzweiflung, wie eine Online-Befragung der Fachhochschule Münster zeigt. Und manch alleinerziehende Mutter möchte am liebsten davonlaufen, weil ihr die Last ihrer Aufgaben zu viel wird.

Diese Beobachtungen bestätigt auch Dr. Dietrich Munz, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK): „Eine Pandemie führt zu einer allgemeinen und grundlegenden Verunsicherung und Angst vor Ansteckung. Fast jeder sorgt sich um Eltern, Großeltern, Kinder oder das eigene Überleben. Menschliche Kontakte werden zum Krankheitsrisiko.“ Je länger Krisen andauern, desto eher fühlen sich Menschen überfordert und können an der Seele erkranken, wissen Psychotherapeuten.

Die Folgen der Corona-Pandemie spüren derzeit alle. Besonders gefährdet sind laut Munz aber Corona-Kranke und ihre Angehörigen, ältere Menschen und Pflegebedürftige, Kinder und Jugendliche, medizinisches und Pflegepersonal, Frauen und Menschen mit Behinderung. Angst, Unsicherheit und Niedergeschlagenheit sind normale Reaktionen auf eine solche Situation. Manche Menschen reagieren aber auch mit Depressionen, Angststörungen, akuten und posttraumatischen Belastungsstörungen, Alkohol- und Medikamentenmissbrauch, Zwangsstörungen und Psychosen. Das ist die Schattenseite der Pandemie.

Das Leben erleichtern

Einige einfache Regeln können das Leben in diesen schwierigen Zeiten für die Menschen etwas erträglicher machen. So rät Munz, mit anderen Menschen in Kontakt zu bleiben und sich auszutauschen. Am besten mit Abstand oder digital. Eine Tagesstruktur mit Pausen ist genauso wichtig wie Bewegung, Entspannung und Ablenkung. Kinder brauchen altersgerechte Erklärungen und müssen wissen, dass ihre Eltern für sie da sind. Das gibt ihnen Sicherheit.

Hilfe und Unterstützung

Doch für manche Menschen werden die psychischen Belastungen zu groß. Sie haben keine Energie mehr, fühlen sich hilflos und ohnmächtig, wütend oder verzweifelt. „Sich bei psychischen Beschwerden zurückzuziehen oder irgendwie zu versuchen, allein durchzuhalten, ist nicht ratsam. Da sollten Betroffene nicht zögern, sich an eine psychotherapeutische Praxis zu wenden“, sagt Munz. Wer sich davor scheut, kann aber auch andere, oft anonyme Angebote nutzen. Hilfetelefone können bei Sorgen und Ängsten, bei Gewalt in der Familie oder bei Überlastung und Stress unterstützen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beantworten Fragen. Oft hören sie einfach nur zu.


ken

Schlagworte Corona | Covid | Einsamkeit | Depression | Psyche | Angst | Hilfe

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