10. Oktober 2018
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Inklusion: Schule für alle gibt es nicht überall

Inklusive Bildung kommt langsam voran, ist aber vom Wohnort abhängig

Das deutsche Schulsystem wird inklusiver, aber nur in kleinen Schritten, sagt die aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung. Danach steigt der Anteil von Kindern mit einer Beeinträchtigung, die an Regelschulen lernen. Insgesamt hängt es aber stark von der Art des individuellen Förderbedarfs eines Kindes und von seinem Wohnort ab, ob es eine Regelschule besucht.

© imago/Photocase

Der Anteil der Schüler, die noch an Förderschulen lernen, sank von 4,9 Prozent im Jahr 2008 auf derzeit 4,3 Prozent. In südwestlichen Bundesländern ist die inklusive Schule immer noch seltener anzutreffen als in anderen Bundesländern. Neben unterschiedlichen Ausgangslagen bei Größe und Demografie sowie schulpolitischen Unterschieden gibt es in vielen Bundesländern immer noch grundsätzliche Skepsis, ob das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Förderbedarf funktionieren kann.

Einheitliche Strategie

„Es darf nicht vom Wohnort der Familien abhängen, ob Kinder die Förderschule oder eine Regelschule besuchen“, fordert VdK-Präsidentin Verena Bentele und ergänzt: „Wir brauchen eine bundesweite, verbindliche Gesamtstrategie für inklusive Bildung, wie sie die UN-Behindertenrechtskonvention von Deutschland einfordert.“

Weiterhin sind einheitliche Zugänge zur inklusiven Bildung, aber auch einheitliche Standards zur Qualifizierung von Lehrern für die Förderung aller Schüler nötig. Die Bundesregierung muss ein Bundesrahmengesetz für inklusive Bildung erarbeiten und Eckpunkte für eine quantitativ und qualitativ gute Schulentwicklung in allen Bundesländern vorgeben. Das gemeinsame Lernen von Schülern mit und ohne Behinderung ist eine Grundvoraussetzung für einen inklusiven Arbeitsmarkt. Ein wichtiger Aspekt schulischer Inklusion ist aber auch eine barrierefreie Infrastruktur.

Lehrkräften kommt Schlüsselrolle zu

Eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung von Inklusion spielen neben den Eltern auch die Lehrkräfte an den Schulen. Deshalb sind mehr sonderpädagogische Kompetenz und Fortbildungen für Lehrkräfte nötig, damit diese den unterschiedlichen Schülern besser gerecht werden können.

Die Herausforderungen, die das gemeinsame Lernen an die Schulen stellt, bleiben nach wie vor groß. Denn sie sollen alle Schülerinnen und Schüler so fördern, dass jedes Kind seinen nächsten Entwicklungsschritt gehen kann. „Wenn Inklusion gelingt, ermöglicht sie jedem, seine persönlichen Potenziale voll auszuschöpfen und sich weiterzuentwickeln“, so Verena Bentele.

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ikl

Schlagworte Inklusion | Schule | Bildung | Schulsystem | UN-BRK | Barrierefreiheit

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