28. November 2016
Themen

Bergzauber für alle: Barrierefreiheit in luftiger Höhe

Wie Gipfelstürmer im Rollstuhl oder mit Rollator auf ihre Kosten kommen – DAV und der Alpenverein Österreich informieren

Winterzeit ist Bergzeit: Tagsüber Ski fahren oder im Schnee wandern, abends in der Hütte einkehren – was gibt es Schöneres? Welche Möglichkeiten Menschen mit Gehbehinderung auf dem Berg haben, erläutert Stefan Winter, Ressortleiter Breitenbergsport beim Deutschen Alpenverein (DAV).

Im Winter ist es in den Bergen besonders schön – wenn der Schnee in der Sonne glitzert und unter den Schuhen knirscht. Das gefällt nicht nur leidenschaftlichen Skifahrern und Schneeschuh-Wanderern, sondern auch gemütlichen Hüttengängern. Rollstuhlfahrer oder Menschen, die auf Gehhilfen angewiesen sind, müssen aber schon im Tal die erste Hürde überwinden: „Viele ältere Gondelgebäude in Deutschland sind nicht barrierefrei“, sagt Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein (DAV). Davon sollten sich Rollifahrer oder Rollatornutzer aber nicht abschrecken lassen. „Auf den Berg zu kommen, ist das geringste Problem. Das Liftpersonal hilft gerne, Treppen zu überwinden und in die Gondel zu steigen.“ Dasselbe gelte fürs Aussteigen aus der Kabine.

Im Bereich der Gipfelstationen der deutschen Mittelgebirge und bayerischen Alpen kommen Rollstuhlfahrer und Menschen, die nicht so gut zu Fuß sind, laut Winter gut zurecht. „Die Wege sind für die breite Masse ausgerichtet und deshalb entsprechend sicher“, erklärt der DAV-Ressortleiter. Wer im Rolli eine längere Tour unternehmen möchte, sollte vor allem eines tun: gut planen. Wie breit und sicher sind die Wege, wie ist der Untergrund, ist mein Rollstuhl geeignet? Entsprechende Touren für Rollstuhlfahrer bietet der Deutsche Alpenverein noch nicht an. Dies sei aber in Planung, sagt Winter.

In Zusammenarbeit mit dem Alpenverein Österreich und dem Alpenverein Südtirol ist bereits die Internetseite www.alpenvereinaktiv.com entstanden, die rollstuhlgerechte Wanderwege ausweist. Die Österreicher sind in Sachen Barrierefreiheit auf dem Berg schon weiter: Der Alpenverein Österreich thematisiert auf seiner Seite www.alpenverein.at mit einem Unterpunkt die Inklusion. Gemeinsam mit Experten und dem DAV (Info-Telefon 089/551700-0) hat der Verein Kriterien entworfen, die bei der Vorbereitung von Touren mit Rollstuhl unterstützen sollen. Zudem sind barrierefreie Wanderwege und Hütten ausgewiesen. Diese sind auf deutschen Bergen noch Mangelware. „Vor allem in den bayerischen Alpen gibt es viele alte Hütten, die alles andere als barrierefrei sind und es auch nachträglich nicht mehr werden – aus statischen Gründen und wegen des Denkmalschutzes“, so Winter.

Mit Kufen durch den Schnee

Ist die barrierefreie Schneewanderung inklusive barrierefreier Hütte geplant, fehlt nur noch eines: ein schneetauglicher Rollstuhl beziehungsweise Rollator. Diese Notwendigkeit rief Patrick Mayer auf den Plan. Seit einem Sportunfall im Jahr 2000 ist der Schweizer inkomplett querschnittsgelähmt und auf Gehhilfen und Rollstuhl angewiesen. Weil er sich auch abseits geräumter Wege fortbewegen wollte und auf dem Markt keine Lösungen fand, hat er sogenannte Wheelblades, also Kufen für die vorderen Rollstuhlräder, entwickelt.

Seine patentierte Erfindung funktioniert nicht nur für Rollstühle, sondern auch für Rollatoren und Kinderwagen. Mit einem „Klick“ können die Kufen an die Räder jeglicher Hersteller angebracht werden. Seit 2012 werden seine Produkte in der Schweiz in Serie hergestellt. Infos gibt es über www.wheelblades.ch oder im Fachhandel.

Caroline Meyer

Schlagworte Wintersport | Behinderung | Rollstuhl | Wandern | Skifahren | Alpenverein | Gehbehinderung | barrierefrei | Barrierefreiheit | Hilfsmittel | rollstuhlgerecht | Wanderwege

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