2. Oktober 2015
Themen

Kostenfreie Beratung und konkrete Hilfe: Pflegestützpunkte

Pflegebedürftigkeit tritt oft völlig unvorhergesehen ein. Die neue Situation macht Angst, es tauchen viele Fragen auf. Wie geht es weiter, welche Hilfen und Möglichkeiten gibt es? Eine wichtige Anlaufstelle für ratsuchende Pflegebedürftige und deren Angehörige sind die Pflegestützpunkte in Deutschland.

Symbolfoto: Ein älterer Mann hält einen Gehstock fest.
Pflegebedürftigkeit tritt oft unerwartet und plötzlich ein. Hilfe und Beratung zum Thema Pflege bieten die mehr als 500 Pflegestützpunkte in Deutschland. | © imago/Karina Hessland

Ein Sturz, ein Schlaganfall oder eine plötzliche schwere Erkrankung: Pflegebedürftigkeit tritt oft unerwartet und von einem auf den anderen Tag ein. Für Betroffene und Angehörige ein Schock – neben der Sorge um den Pflegebedürftigen selbst fühlen viele Menschen sich völlig überfordert mit den Themen Pflege und Pflegeversicherung. Sie wissen nicht, auf welche Leistungen sie Anspruch haben, wohin sie sich wenden können und welche Schritte nun in die Wege geleitet werden müssen. Wertvolle Informationen und praktische Unterstützung rund um alle Fragen zur Pflege bieten in Deutschland die Pflegestützpunkte. Sie beraten als niedrigschwellige Beratungsstellen wohnortnah, fachlich versiert sowie kostenlos und erleichtern den Durchblick im "Pflegedschungel". Als Schnittstelle zwischen den unterschiedlichen Pflegeangeboten und Sozialleistungsträgern helfen sie den Betroffenen dabei, Pflege zu organisieren und zu koordinieren. Gesetzlich geregelt ist der Anspruch auf die Beratung durch Pflegestützpunkte in § 92c SGB XI.

Türöffner ins oft verwirrende System

In Berlin gibt es aktuell 29 Pflegestützpunkte. Ariane Rausch vom Pflegestützpunkt des VdK Berlin-Brandenburg im Bezirk Tempelhof-Schöneberg berät mit ihrem Team zu unterschiedlichsten Themen rund um die Pflege - von Fragen zur gesetzlichen Pflegeversicherung über solche zu Hilfsmitteln, Wohnformen im Alter, Entlastung pflegender Angehöriger bis hin zu Vorsorgevollmachten. Sie bezeichnet das Beratungsangebot als 'Türöffner ins System': "Wir beraten in klarer, leicht verständlicher Form zum Beispiel zu Beginn einer Pflegesituation oder wenn eine Pflegesituation sich verändert hat und daraus neue Fragen entstehen. Betroffene möchten von uns wissen: 'Wohin kann ich mich wenden? Welche Rechte habe ich? Wo gibt es Anbieter? Wie sieht die Finanzierung aus? Kurzum: Was hilft mir?'".

Zumeist stehen Fragen, die mit der Lebenssituation bei Pflegebedürftigkeit zu tun haben, im Mittelpunkt der Beratung. Das Angebot wird rege genutzt, meist von den Angehörigen von pflegebedürftigen Erwachsenen, Jugendlichen oder auch Kindern: Im Jahr 2013 haben die Berliner Pflegestützpunkte 21.185 Mal Auskünfte und Informationen erteilt, 17.683 Klienten erhielten Beratung und Unterstützung. 1091 Menschen wurden intensiv durch die Pflegestützpunkte begleitet, denn bei ihnen war die Versorgung zu Hause durch sehr komplexe gesundheitliche und soziale Probleme erheblich gefährdet.

Symbolfoto: Frau streichelt einer Seniorin im Rollstuhl das Gesicht
© imago/Westend61

In den Beratungsgesprächen wird gemeinsam erörtert, was in der jetzigen Situation nicht mehr wie vorher klappt und wo Unterstützungsbedarf vorhanden ist - Hilfe beim Einkaufen etwa oder Hilfe bei der Körperpflege. Ariane Rausch: "Dabei wird auch besprochen, was man in der jetzigen Wohnung erreichen kann, beispielsweise durch Wohnraumanpassung in Form baulicher Veränderungen oder durch Hilfsmittel wie etwa Badewannen-Lifter oder Türschwellenüberbrückungen." Eine barrierefreie oder wenigstens barrierearme Wohnung ist hier das Ziel.

Möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben

Die meisten pflegebedürftigen Menschen möchten verständlicherweise so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben. Laut Ariane Rausch keine bloße Wunschvorstellung, sondern oft machbar: "Eines unserer Ziele ist, durch unsere Beratung so lange wie möglich den Umzug ins Pflegeheim hinauszuzögern oder eben zu vermeiden, indem die häusliche Situation so entlastet wird, dass sich die Angehörigen zutrauen, die Betreuung noch eine Weile zu schaffen. Eigentlich können Sie zuhause durch Dienstleister jegliche Unterstützung organisieren - für jeden Bedarf gibt es einen Anbieter. Aber man muss sich natürlich verdeutlichen: Wie ist das zu finanzieren?". Auch hier beraten die Pflegestützpunkte ausführlich zu Leistungen und Zuschüssen der Pflegekasse, besprechen gemeinsam mit den Betroffenen, welche Mittel selbst aufgebracht werden können und müssen - und wo es finanzielle Hilfen gibt.

Welche Wohnformen im Alter gibt es?

Natürlich gibt es auch Situationen, in denen das Wohnen zuhause nicht mehr möglich ist. "Alleinlebende Menschen mit einem mittleren Grad der Demenz – dann kann es tatsächlich schwierig werden zuhause, weil die nächtliche Unruhe so stark wird, weil Ängste für die Betroffenen so stark werden. Dann kann ein Umzug in eine 24-Stunden-Betreuung der bessere Weg sein", erklärt Ariane Rausch. Der Pflegestützpunkt Berlin berät ausführlich zu den unterschiedlichen Wohnformen im Alter. Nicht immer muss es dabei um ein Pflegeheim gehen - betreutes Wohnen, Seniorenwohnhäuser oder ambulant betreute Wohngemeinschaften können eine Option für das Leben im Alter sein.

Übrigens können sich nicht nur bereits Pflegebedürftige und deren Angehörige an die Pflegestützpunkte wenden. Auch beispielsweise ältere Menschen, die sich über ihre spätere Wohnsituation bei Pflegebedürftigkeit informieren möchten, finden hier vorab Rat.

Der VdK fordert den Ausbau der Beratung für pflegende Angehörige, damit diese schnell Auskunft über Unterstützungsangebote, Hilfen, Entlastungsmöglichkeiten und Beratung zu sozialrechtlichen und finanziellen Leistungen erhalten. Deshalb ist es sehr wichtig, dass der Aufbau der Pflegestützpunkte oder vergleichbarer umfassender wohnortnaher Beratungsangebote bundesweit flächendeckend vorankommt.

Wo ist der nächste Pflegestützpunkt in meiner Nähe?

Die Pflegestützpunkte sind je nach Bundesland unterschiedlich aufgestellt. Insgesamt gibt es etwa 550 dieser Anlaufstellen in Deutschland. Eine Suche finden Sie hier:

https://beratungsdatenbank.zqp.de/

Ein Hinweis für Privatversicherte: Die meisten privaten Pflegekassen beteiligen sich nicht an den Pflegestützpunkten. Jedoch gibt es auch für Privatversicherte die Möglichkeit, sich kostenlos, neutral und unabhängig rund um das Thema Pflege und Pflegebedürftigkeit beraten zu lassen. Ansprechpartner ist hier die COMPASS Private Pflegeberatung:

Compass Private Pflegeberatung GmbH
Bonner Straße 172 - 176
50968 Köln
Servicenummer: 0800 / 101 88 00 (bundesweit gebührenfrei)


VdK-TV: Pflegeberatung und Pflegestützpunkte (UT)

Seit dem 1. Januar 2009 gibt es in Deutschland einen Rechtsanspruch auf Pflegeberatung für alle gesetzlich Versicherten. Im Zuge dessen wurden auch die Pflegestützpunkte ins Leben gerufen.

Christina Liebeck

Schlagworte Pflegestützpunkt | Pflege | Beratung | Pflegeversicherung

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