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Üben gegen das Vergessen: MAKS-Therapie bei Demenz

Von: Annette Liebmann

In Deutschland leiden 1,8 Millionen Menschen an Demenz, Tendenz steigend. Bisher kann das Fortschreiten der Erkrankung nur hinausgezögert werden. Als besonders effektiv hat sich dabei die MAKS-Therapie erwiesen. Was ist das?

Eine alte Person übt mit einem Gehirntraining-Spiel: man sieht die Hand der betagten Person, die farbige Kugeln auf die entsprechenden Farbmarkierungen auf einem Spielbrett setzt.
Zur MAKS-Therapie gehört ein Gehirntraining, das aus verschiedenen Übungen besteht. © IMAGO / Zoonar

MAKS: Motorische, alltagspraktische, kognitive und soziale Übungen

Zehn Seniorinnen und Senioren sitzen mit der Kursleiterin in einem Stuhlkreis. Auf deren Aufforderung hin stehen sie auf und lassen die Arme und Hände nach unten fallen. Beim Hinsetzen strecken sie sie hoch in die Luft. Das Ganze wird mehrere Male wiederholt. Diese Übung erfordert Konzentration und trägt dazu bei, die motorischen Fähigkeiten zu erhalten. Sie ist Bestandteil der MAKS-Therapie. Die Buchstaben MAKS stehen für motorisch, alltagspraktisch, kognitiv (das Denken betreffend) und sozial.

Ziel der Gruppentherapie für Menschen mit Demenz ist es, die Teilnehmenden intensiv zu unterstützen, damit sie ihre Fähigkeiten möglichst lange erhalten können. „Mit den vier Komponenten fördern wir das, was Menschen im Alltag brauchen“, sagt Professor Elmar Gräßel, Begründer der Methode und Leiter des Zentrums für Medizinische Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Erlangen. „Wenn eine Methode wirksam sein soll, muss sie nah am Menschen sein“, betont er. 

Erhalt der Alltagskompetenz

Eine Therapieeinheit dauert in der Regel etwa eineinhalb Stunden und beginnt mit der Begrüßung der Gruppe. Es folgen eine halbe Stunde lang motorische Aufgaben. Nach einer kurzen Pause geht es weiter mit einem etwa 20-minütigen Gehirntraining. Den Abschluss bilden Übungen zum Erhalt der Alltagskompetenz. Mit 40 Minuten nehmen sie den größten Teil der Einheit ein. 

Hier wird zum Beispiel ein Vogelhäuschen zusammengebaut. Wer sich den Umgang mit Werkzeug nicht zutraut, kann das Häuschen halten, während eine andere Teilnehmerin oder ein anderer Teilnehmer die Nägel ins Holz klopft. „Es ist erstaunlich, wie gut die Kooperation zwischen verschiedenen Menschen mit Demenz klappt, wenn sie begleitet und angeleitet werden“, sagt Gräßel.

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Austausch mit anderen statt Einsamkeit im Alter

Der Mediziner hat die MAKS-Therapie zwischen 2008 und 2010 entwickelt und mehrere Studien dazu durchgeführt. Schnell zeigte sich, dass diese Methode im Vergleich zur Medikamenteneinnahme etwa dreimal so wirksam ist. Wer über einen längeren Zeitraum regelmäßig ein- bis zweimal wöchentlich übt, kann den Abbau seiner geistigen Fähigkeiten für längere Zeit aufhalten oder zumindest deutlich abschwächen. 

Eine große Rolle spielt die Therapie in der Gruppe, die meist zehn bis zwölf Personen umfasst. „Einsamkeit im Alter ist auch ein Risikofaktor bei der Entstehung von Demenz“, betont der Wissenschaftler. Der Austausch mit anderen regt das Denken stärker an, als wenn man alleine trainiert.

Angeboten wird die MAKS-Therapie in Pflegeheimen, Tagesstätten für Seniorinnen und Senioren, Betreuungsgruppen, Alzheimer-Cafés sowie ambulanten Einrichtungen. Heinz Roller zum Beispiel, VdK-Mitglied aus dem bayerischen Marktoberdorf, hat als Ehrenamtlicher beim Verein „Lebensfreude“ Übungen aus der MAKS-Therapie für Personen mit leichter bis mittlerer Demenz angeboten. Roller ist von deren Wirksamkeit überzeugt. Einzelne Elemente hat er schon getestet, als er noch als Leiter eines Pflegeheims gearbeitet hat.

Spezielle Schulungen für MAKS-Therapeuten

Um als MAKS-Therapeutin oder -Therapeut für leichte und mittelschwere Demenz arbeiten zu können, ist eine spezielle Schulung notwendig. Diese kann von allen Personen absolviert werden, die in pflegenden und Heilberufen tätig sind. 

Für die Therapie von Menschen mit einer schweren Demenz gibt es eine weitere Schulung. Denn für diese Personengruppe gilt ein anderes Konzept. Zwar besteht ihre Therapie ebenfalls aus allen vier Komponenten in derselben Reihenfolge, aber die Einheit dauert nur etwa eine Stunde. Auch die Gruppen sind mit sechs bis acht Personen kleiner. „Viel Wert wird auf die Sensorik gelegt, also alles, was ich mit den Sinnen wahrnehmen kann“, erklärt Gräßel. „Abgesehen davon können Menschen mit schwerer Demenz noch sehr kreativ sein.“

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