Kategorie Erfolgsgeschichte Erwerbsminderungsrente

Post-Covid-Patientin bekommt volle EM-Rente dank VdK

Von: Jörg Ciszewski

Für ein VdK-Mitglied mit Post Covid hat der VdK Hessen-Thüringen eine Erwerbsminderungsrente sowie eine Nachzahlung in Höhe von 15.000 Euro erstritten. Worum ging es bei dem Fall?

Ein positiver Corona-Test auf einer blauen Unterlage.
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Ich bin froh, dass ich damals in der Situation den VdK angerufen habe. Da habe ich die Hilfe bekommen, die ich brauchte.

Christine Bihn, VdK-Mitglied

Im Pflegeheim angesteckt

Christine Bihn hat 35 Jahre als Pflegekraft im Schichtdienst gearbeitet. An einen eigentlich ganz normalen Arbeitstag im März 2022 kann sie sich genau erinnern. Denn heute weiß sie, dass dieser Tag ihr Leben verändert hat.

Damals war ein Bewohner des Externer Link:Seniorenheims, in dem sie arbeitete, gestürzt. Als sie ihm half, nieste er ihr versehentlich ins Gesicht. Zu der Zeit waren in ihrem Landkreis Groß-Gerau viele Menschen mit dem Coronavirus infiziert. 

Sie habe sich aus Sorge vor einer Ansteckung desinfiziert und testen lassen. Während ihr PCR-Test negativ ausfiel, war der des Bewohners positiv. Einige Tage später ergab ein weiterer Test bei ihr, dass sie sich doch infiziert hatte.

Dauerhaft krank nach Corona-Infektion

Das Virus warf sie aus der Bahn. Sie hatte starke Kopf- und Gliederschmerzen, litt unter Schwindel und Erschöpfung. „Ich lag eine Woche im Bett“, erinnert sich die 62-Jährige. Als die Symptome nach zwei Wochen weitgehend abgeklungen waren, ging sie wieder arbeiten. Doch sie merkte, dass sie noch nicht wieder gesund war. Ihr war weiter schwindlig und es kamen Gelenkschmerzen hinzu. Zeitweise konnte sie nicht greifen, weil ihre Finger steif waren. 

„Oft ging ich nach der Arbeit direkt ins Bett“, erinnert sie sich. Diese Art von Erschöpfung kannte die 62-Jährige nicht. „Ich habe eine unendliche Schwäche empfunden und gemerkt, dass ich mich auch nachts nicht mehr erhole.“

Im August 2023 schrieb ihr Hausarzt sie schließlich dauerhaft krank. Es folgten ärztliche Behandlungen, unter anderem war sie in einer Schmerzklinik. Im September 2024 stellte ihr Hausarzt ein ausgeprägtes Externer Link:Post-Covid-Syndrom mit chronischem Fatigue-Syndrom fest.

Erwerbsminderungsrente abgelehnt

Im Herbst begann sie eine vierwöchige Reha, aus der sie arbeitsunfähig, jedoch nicht erwerbsgemindert entlassen wurde. Daraufhin stellte sie bei der Deutschen Rentenversicherung (DRVkurz fürDeutsche Rentenversicherung) einen Antrag auf Externer Link:Erwerbsminderungsrente – und erhielt eine Ablehnung.

Mit dem Externer Link:VdK Hessen-Thüringen legte sie Widerspruch gegen die Ablehnung ein. Rechtsberaterin Jana Stein von der Externer Link:VdK-Bezirksgeschäftsstelle Darmstadt machte der DRVkurz fürDeutsche Rentenversicherung gegenüber deutlich, dass ihre Mandantin infolge einer Covid-19-Infektion eine krankhafte Erschöpfung sowie starke Körperschmerzen entwickelt hat, die als ME/CFS diagnostiziert wurden. Die Einschränkungen seien dauerhaft und voll erwerbsmindernd.

Daraufhin gab die DRVkurz fürDeutsche Rentenversicherung ein neurologisch-psychiatrisches Fachgutachten in Auftrag, das im Ergebnis eine volle Erwerbsminderung aufgrund von Post-Covid verbunden mit einem chronischen Müdigkeitssyndrom bestätigte.

Covid spielt vor den Gerichten eine immer größere Rolle

Die DRVkurz fürDeutsche Rentenversicherung lenkte ein – und im Oktober 2025 erhielt Bihn den Rentenbescheid. Darin wurden eine Erwerbsminderungsrente von gut 1000 Euro und eine Nachzahlung ab 1. August 2024 in Höhe von rund 15.000 Euro berechnet. Diese Nachzahlung wurde zum großen Teil mit den Erstattungsansprüchen ihrer Krankenkasse und des Jobcenters verrechnet. 

Die Folgen von Covid-19-Infektionen spielen laut Stein auch in Klageverfahren vor den Sozialgerichten eine immer größere Rolle. Kürzlich habe sie vor dem Sozialgericht Darmstadt einen Externer Link:Schwerbehindertenstatus im Zusammenhang mit dem Post-Covid-Syndrom erstritten. „Auffällig bei solchen Verfahren ist, dass die gesundheitlichen Einschränkungen durch ME/CFS und Post-Covid oft nicht angemessen gewürdigt werden. Erkrankte haben noch keine ausreichende Lobby“, berichtet Stein.

Christine Bihn hat sehr darunter gelitten, dass ihre gesundheitlichen Beschwerden häufig nicht ernst genommen wurden. „Ich bin froh, dass ich damals in der Situation den VdK angerufen habe. Da habe ich die Hilfe bekommen, die ich brauchte.“

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