
Fachkräftemangel trotz Potenzial: Warum mehr Inklusion den Arbeitsmarkt stärken würde
Viele arbeitslose Menschen mit Schwerbehinderung sind gut qualifiziert und berufserfahren. Dennoch steigt ihre Arbeitslosigkeit. Der VdK fordert mehr Inklusion und stärkere Schwerbehindertenvertretungen in den Betrieben.

Zahl arbeitsloser Menschen mit Schwerbehinderung steigt
Wirtschaftsverbände und Arbeitgeber beklagen einen Fachkräftemangel. Mehr Inklusion auf dem Arbeitsmarkt könnte helfen. Stattdessen steigt die Zahl arbeitsloser Menschen mit einer Schwerbehinderung, die gut ausgebildet sind.
Die geburtenstarken Jahrgänge 1955 bis 1969 wechseln derzeit und in den kommenden Jahren in den Ruhestand. Das verschärft den bereits bestehenden Fachkräftemangel in Deutschland. Hinzu kommt die Spezialisierung von Arbeitsplätzen. Durch die voranschreitende Digitalisierung wächst der Bedarf an gut ausgebildetem Personal weiter. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) nimmt an, dass im Jahr 2028 bundesweit rund 768.000 Fachkräfte fehlen.
Für das Jahr 2024 Externer Link:berechnete das IW, wie groß die wirtschaftlichen Folgen des Fachkräftemangels sind: Bei einer vollständigen Deckung des Bedarfs hätte das Bruttoinlandsprodukt (BIPkurz fürBruttoinlandsprodukt) um 48 Milliarden Euro höher liegen können.
Großes Potenzial wird nicht genutzt
Diskussionen über Lösungen rücken oft das Arbeitsmarktpotenzial von Frauen und älteren Arbeitnehmenden in den Blick. Der Volkswirt Dr. Rainer Durth sieht darüber hinaus großes Potenzial in der Gruppe der Menschen mit einer Schwerbehinderung. Dazu gehören in Deutschland insgesamt rund 7,9 Millionen Personen.
Durth, selbst Rollstuhlfahrer und VdK-Mitglied, kommt in seinem Buch „Wir können den Fachkräftemangel leicht beheben, wenn wir wollen!“
zu einem interessanten Ergebnis. Der Ökonom sieht unter den Menschen mit einer Schwerbehinderung ein Arbeitskräftepotenzial zwischen 1,5 und drei Millionen Menschen. Würden sie in den Arbeitsmarkt integriert, würde dies das BIPkurz fürBruttoinlandsprodukt nach seinen Berechnungen innerhalb von zehn Jahren um mehr als zwei Billionen Euro erhöhen. Das würde die Steuereinnahmen erheblich steigern und zusätzliche Beiträge für die Sozialversicherungen erwirtschaften. Zwar seien schwerbehinderte Arbeitslose im Durchschnitt älter als nicht-behinderte. Sie verfügen aber oft über eine größere Berufserfahrung. Das erleichtere die Integration auf dem Arbeitsmarkt.
Doch statt mehr schwerbehinderte Personen einzustellen, wächst die Arbeitslosenquote. Im Mai registrierte die Bundesagentur für Arbeit 189.960 arbeitslose Schwerbehinderte – drei Prozent mehr als im Vorjahresmonat und rund 45.000 mehr als vor der Corona-Pandemie im Jahr 2019.
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VdK betont Rolle der Schwerbehindertenvertretungen
Der Sozialverband VdK sieht diese Entwicklungen mit großer Sorge und fordert eine konsequente Inklusion von Menschen mit Schwerbehinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt. „Einen unverzichtbaren Beitrag bei der Eingliederung und Sicherung von Beschäftigungsverhältnissen leisten die Schwerbehindertenvertretungen“
, sagt VdK-Präsidentin Verena Bentele.
Der VdK bekommt von diesen Akteuren aber immer häufiger die Rückmeldung, dass sich Unternehmen in bestimmten Branchen zunehmend mit Aufhebungsverträgen von schwerbehinderten Beschäftigten trennen und dabei betriebliche Kontrollmechanismen umgehen. „Um die Inklusion voranzubringen, brauchen wir daher eine Stärkung der Schwerbehindertenvertretungen in den Betrieben und eine Erfüllung der Beschäftigungspflicht von Menschen mit einer Schwerbehinderung“
, fordert Bentele.









