Kategorie Aktuelle Meldung Behinderung Behinderung im Job

Fachkräftemangel trotz Potenzial: Warum mehr Inklusion den Arbeitsmarkt stärken würde

Von: Jörg Ciszewski

Viele arbeitslose Menschen mit Schwerbehinderung sind gut qualifiziert und berufserfahren. Dennoch steigt ihre Arbeitslosigkeit. Der VdK fordert mehr Inklusion und stärkere Schwerbehindertenvertretungen in den Betrieben.

Ein junger Mann mit einer Beinprothese an seinem Arbeitsplatz in einer Möbelfabrik.
© BGStock72 – stock.adobe.com

Zahl arbeitsloser Menschen mit Schwerbehinderung steigt

Wirtschaftsverbände und Arbeitgeber beklagen einen Fachkräftemangel. Mehr Inklusion auf dem Arbeitsmarkt könnte helfen. Stattdessen steigt die Zahl arbeitsloser Menschen mit einer Schwerbehinderung, die gut ausgebildet sind.

Die geburtenstarken Jahrgänge 1955 bis 1969 wechseln derzeit und in den kommenden Jahren in den Ruhestand. Das verschärft den bereits bestehenden Fachkräftemangel in Deutschland. Hinzu kommt die Spezialisierung von Arbeitsplätzen. Durch die voranschreitende Digitalisierung wächst der Bedarf an gut ausgebildetem Personal weiter. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) nimmt an, dass im Jahr 2028 bundesweit rund 768.000 Fachkräfte fehlen.

Für das Jahr 2024 Externer Link:berechnete das IW, wie groß die wirtschaftlichen Folgen des Fachkräftemangels sind: Bei einer vollständigen Deckung des Bedarfs hätte das Bruttoinlandsprodukt (BIPkurz fürBruttoinlandsprodukt) um 48 Milliarden Euro höher liegen können.

Großes Potenzial wird nicht genutzt

Diskussionen über Lösungen rücken oft das Arbeitsmarktpotenzial von Frauen und älteren Arbeitnehmenden in den Blick. Der Volkswirt Dr. Rainer Durth sieht darüber hinaus großes Potenzial in der Gruppe der Menschen mit einer Schwerbehinderung. Dazu gehören in Deutschland insgesamt rund 7,9 Millionen Personen.

Durth, selbst Rollstuhlfahrer und VdK-Mitglied, kommt in seinem Buch „Wir können den Fachkräftemangel leicht beheben, wenn wir wollen!“ zu einem interessanten Ergebnis. Der Ökonom sieht unter den Menschen mit einer Schwerbehinderung ein Arbeitskräftepotenzial zwischen 1,5 und drei Millionen Menschen. Würden sie in den Arbeitsmarkt integriert, würde dies das BIPkurz fürBruttoinlandsprodukt nach seinen Berechnungen innerhalb von zehn Jahren um mehr als zwei Billionen Euro erhöhen. Das würde die Steuereinnahmen erheblich steigern und zusätzliche Beiträge für die Sozialversicherungen erwirtschaften. Zwar seien schwerbehinderte Arbeitslose im Durchschnitt älter als nicht-behinderte. Sie verfügen aber oft über eine größere Berufserfahrung. Das erleichtere die Integration auf dem Arbeitsmarkt.

Doch statt mehr schwerbehinderte Personen einzustellen, wächst die Arbeitslosenquote. Im Mai registrierte die Bundesagentur für Arbeit 189.960 arbeitslose Schwerbehinderte – drei Prozent mehr als im Vorjahresmonat und rund 45.000 mehr als vor der Corona-Pandemie im Jahr 2019.

Mehr zu Behinderung und Job

News-Karussell
Leute in Business-Kleidung gemeinsam an einem Tisch, eine Frau sitzt im Rollstuhl
Kategorie Tipp Behinderung im Job Schwerbehinderung

Die Schwerbehindertenvertretung

In Betrieben mit mindestens fünf schwerbehinderten Arbeitnehmern wird alle vier Jahre eine Schwerbehindertenvertretung gewählt.

Ein Schwerbehindertenausweis im alten Format. Darauf ist ein Parkausweis für schwerbehinderte Menschen mit dem blauen Rollstuhl-Piktogramm zu erkennen.
Kategorie Aktuelle Meldung Behinderung im Job Schwerbehinderung

Schwerbehinderten steht Zusatzurlaub zu

Schwerbehinderte Menschen haben gegenüber ihrem Arbeitgeber einen Anspruch auf eine Woche Zusatzurlaub, der zum gesetzlichen oder tariflichen Urlaub hinzugerechnet wird. 

Drei Männer sitzen um einen Tisch in einem Büro, auf dem Tisch steht ein aufgeklapptes Notebook. Der Mann in der Mitte sitzt im Rollstuhl.
Kategorie Tipp Nachteilsausgleich Behinderung im Job

Kündigungsschutz für Menschen mit Behinderung

Menschen mit Behinderung haben es trotz Qualifikation oft schwer, einen Arbeitsplatz zu bekommen und zu behalten. Daher hat der Gesetzgeber für sie den besonderen Kündigungsschutz geschaffen. Welche Regeln gelten beim Nachteilsausgleich?

Ein Mann und eine Frau in förmlicher Kleidung sitzen sich gegenüber, die Situation sieht aus wie ein Vorstellungsgespräch
Kategorie Tipp Behinderung im Job

Muss man eine Behinderung in der Bewerbung angeben?

Menschen mit Behinderung haben es oft schwer, eine Arbeitsstelle zu finden. Viele Arbeitgeber haben Vorurteile. Wie sollte man mit einer Beeinträchtigung oder Behinderung im Bewerbungsschreiben und im Vorstellungsgespräch umgehen?

VdK betont Rolle der Schwerbehindertenvertretungen

Der Sozialverband VdK sieht diese Entwicklungen mit großer Sorge und fordert eine konsequente Inklusion von Menschen mit Schwerbehinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt. „Einen unverzichtbaren Beitrag bei der Eingliederung und Sicherung von Beschäftigungsverhältnissen leisten die Schwerbehindertenvertretungen“, sagt VdK-Präsidentin Verena Bentele.

Der VdK bekommt von diesen Akteuren aber immer häufiger die Rückmeldung, dass sich Unternehmen in bestimmten Branchen zunehmend mit Aufhebungsverträgen von schwerbehinderten Beschäftigten trennen und dabei betriebliche Kontrollmechanismen umgehen. „Um die Inklusion voranzubringen, brauchen wir daher eine Stärkung der Schwerbehindertenvertretungen in den Betrieben und eine Erfüllung der Beschäftigungspflicht von Menschen mit einer Schwerbehinderung“, fordert Bentele.

Wissen für Schwerbehindertenvertretungen

News-Karussell
Video-Beitrag
Kategorie Behinderung im Job Schwerbehinderung

Die Rolle der SBV bei personellen Angelegenheiten | SBV Inklusives Wissen 2

Was darf die Schwerbehindertenvertretung (SBVkurz fürSchwerbehindertenvertretung)? Wann muss der Arbeitgeber sie beteiligen? Im Video zeigt VdK-Expertin Kim Blum, welche Rechte der SBVkurz fürSchwerbehindertenvertretung bei personellen Angelegenheiten zustehen – von der Abmahnung bis zur Kündigung.

Video-Beitrag
Kategorie Behinderung im Job Schwerbehinderung

Die Rolle der SBV beim Betrieblichen Eingliederungsmanagement | SBV Inklusives Wissen 5

In dieser Folge von „SBV Inklusives Wissen“ gibt Kim Blum, VdK-Sozialrechtsberaterin, fundierte Einblicke in das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) – mit besonderem Fokus auf die Aufgaben und Rechte der Schwerbehindertenvertretung.