Armutsbericht: Hilfe kommt bei Älteren oft nicht an
Sozialleistungen werden oft nicht in Anspruch genommen. Das ist ein Schwerpunktthema im Siebten Armuts- und Reichtumsbericht. Der Bericht beleuchtet die Gründe und sieht Handlungsbedarf, damit Leistungen besser abgerufen werden können.

Wenn Personen Sozialleistungen nicht nutzen, obwohl sie einen Anspruch darauf haben, wird dies als Nichtinanspruchnahme oder „verdeckte Armut“ bezeichnet. Die vergangene Ampel-Regierung hatte diesem Thema im Siebten Armuts- und Reichtumsberichts besondere Bedeutung beigemessen. Wegen des vorzeitigen Koalitionsbruchs konnte sie ihren 680 Seiten starken Bericht allerdings nicht mehr veröffentlichen. Das hat Ende des vergangenen Jahres schließlich die schwarz-rote Regierungskoalition nachgeholt.
Laut dem Bericht ist die Quote der Nichtinanspruchnahme des bisherigen Bürgergelds, das reformiert werden soll, hoch. Sie liegt zwischen 33 und 56 Prozent. Genauere Zahlen sind wegen der Dunkelziffer von Anspruchsberechtigten, die Leistungen nicht nutzen, schwer zu ermitteln.
Scham, falsche oder fehlende Informationen
Noch bemerkenswerter ist das Verhältnis bei der Grundsicherung im Alter. Laut Bericht rangiert die Quote der Nichtinanspruchnahme hier zwischen 58 und 88 Prozent. Die Zahl der Seniorinnen und Senioren, die Grundsicherung im Alter nicht beantragen, ist mindestens so hoch wie die der Beziehenden.
Als Gründe dafür, dass so viele keine staatlichen Hilfen abrufen, werden fehlende oder falsche Informationen zum Leistungsanspruch oder auch abschreckende komplexe Antragsverfahren genannt. Viele Menschen verzichten aber auch aus Scham auf eine Beantragung.
VdK fordert einfachere Anträge
Laut Bericht könnten Sozialleistungen effektiver sein, wenn die Zielgruppen besser informiert würden. In Schweden hatte eine Informationsoffensive unter Rentnerinnen und Rentnern über das Wohngeld ergeben, dass die Inanspruchnahme danach um ein Vielfaches gestiegen ist. In den Niederlanden haben Aktionen von Kommunen und Freiwilligen, die beim Ausfüllen von Formularen geholfen haben, ebenfalls positiv Ergebnisse gezeigt.
Der Sozialverband VdK begrüßt, dass sich der Bericht mit verdeckter Armut befasst, denn Leistungen müssen bei den Menschen ankommen, die sie brauchen. Die Beantragung von Sozialleistungen muss deshalb stark vereinfacht werden. Der VdK fordert von der Bundesregierung große Kraftanstrengungen und Reformen, um die Nichtinanspruchnahme zu reduzieren.
Siebten Armuts- und Reichtumsbericht herunterladen
Auf der Website des BMASkurz fürBundesministerium für Arbeit und Soziales stehen der aktuelle Armuts- und Reichtumsbericht sowie weitere Informationen zum Download bereit:


