Das BSW fordert eine grundlegende Reform des Gesundheitswesens (siehe Frage 2 sowie unseren Antrag auf Bundestagsdrucksache 20/11433). Eine zentrale Maßnahme ist die Abschaffung des Fallpauschalen-Systems, das u.a. Renditeorientierung und Konkurrenz zwischen Krankenhäusern vorantreibt und Fehlanreize – z.B. für teure Apparatemedizin – setzt. Zudem verfestigt das Fallpauschalen-System die Grenzen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung – zu Lasten einer effizienten und bedürfnisorientierten Versorgung. Wir wollen stattdessen ein System integrierter regionaler Versorgungsstrukturen mit eigenem Budget und Kommunen als zentralen Trägern. Dies ermöglicht ein sinnvolles Zusammenspiel von ambulanter und stationärer Versorgung, in dem u.a. Hausarztpraxen und Ärztehäuser mit Spezialfachärzten und Krankenhäusern zum Wohl des Patienten kooperieren.

Die Pflege von Angehörigen ist neben der psychischen auch eine finanzielle Belastung – oft sogar Armutsrisiko. Das BSW will die Situation von pflegenden Angehörigen und Pflegebedürftigen deutlich verbessern und fordert eine überwiegend steuerfinanzierte Pflegevollversicherung.

Die Linke setzt sich dafür ein, sektorenfreie Gesundheitszentren mit ambulanter, stationärer und notfallmedizinischer Versorgung aus einer Hand einzuführen. Im Interesse der Patient*innen müssen alle Behandelnden im Krankenhaus, der Hausarzt, die Fachärztin, die Apothekerin oder der Physiotherapeut bis zum Pflegedienst viel mehr miteinander kommunizieren und kooperieren. Fallkonferenzen und unabhängiges Fallmanagement müssen Normalität werden. Pflegende Angehörige müssen Zeit für die Pflege und Qualifikation der Pflegenden haben und vor Armut geschützt werden. Die Linke fordert passgenaue Hilfe für die vielfältigen Bedarfe zu Hause: Ausbau der Tages- und Kurzzeitpflege, bezahlte Freistellungen, Geldleistungen und Rentenpunkte.

Wir Freie Demokraten werden künstliche Sektorenbarrieren zwischen dem ambulanten und dem stationären Versorgungsbereich konsequent abbauen und die Verzahnung und Vernetzung aller Versorgungsbereiche weiterentwickeln. Wir wollen erwachsenen pflegenden Angehörigen die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf erleichtern und es ihnen im Alltag leichter machen. Durch einen deutlichen Ausbau von Kurzzeitpflegeplätzen wollen wir für akute Entlastung sorgen. Bestehende Regelungen wie das Pflegeunterstützungsgeld für Arbeitnehmer sollen auch für Selbstständige gelten. Den Entlastungsbetrag für haushaltsnahe Dienstleistungen wollen wir zugänglicher machen. Für die über 500.000 pflegenden Kinder und Jugendlichen initiieren wir ein Helden-Programm. Wir wollen ihnen Sichtbarkeit und vor allem Chancen für ihre eigene Zukunft geben. Hierzu schaffen wir kindgerechte Entlastungen, mehr Sensibilität für ihre besondere Lebenssituation und ausgebaute Unterstützungsangebote.

Kommunen sollen mehr Möglichkeiten erhalten, Angebote vor Ort auf die steigende Zahl älterer und pflegebedürftiger Menschen auszurichten. Notwendig sind aus unserer Sicht mehr ambulante und alternative Wohnformen sowie Tages- und Kurzzeitpflegeplätze für pflegebedürftige Menschen. Zudem sollen Unterstützungsleistungen für Pflegebedürftige besser miteinander kombinierbar sein, damit sie leichter in Anspruch genommen werden können - perspektivisch unabhängig vom Wohnort.

Wir wollen die Situation der Menschen verbessern, die selbst Angehörige oder nahestehende Personen pflegen. Eine Aufgabe, die erfüllend sein kann, aber auch Kraft und Zeit kostet. Wer die eigene Arbeitszeit für die Pflege reduziert, braucht finanzielle Unterstützung in Form eines zeitlich begrenzten Ausgleichs der entgangenen Einkünfte. Die Leistung soll so ausgestaltet sein, dass mehrere Personen sich die Pflege teilen können. Berufliche Freistellungen sollen besser und flexibler möglich sein.

Unser Ziel ist eine passgenaue sektorenübergreifende und interprofessionelle Zusammenarbeit vom Notfall bis zur planbaren Operation, Nachsorge und Pflege. Wir wollen Barrieren zwischen Praxen, Krankenhäusern und anderen Versorgungseinrichtungen abbauen und die Zusammenarbeit im Gesundheitswesen durch bedarfsgerechte Regionalisierung erreichen. Diese soll eine verbesserte, je nach lokalen Notwendigkeiten Krankenhaus-, MVZ- oder Praxenzentrierte Versorgung mit vernetzten Strukturen, integrierten Notfallzentren und dem Einsatz von Telemedizin und Telepharmazie ermöglichen. Für pflegende Angehörige und nahestehende Personen möchten wir mehr Zeitsouveränität schaffen – durch Familienpflegezeit, Familienpflegegeld (analog zum Elterngeld als Lohnersatzleistung) und ein Familienbudget für Alltagshilfen. Zudem wollen wir Beratung, Vernetzung und Anlaufstellen sowie die Tages- und Nachtpflegeeinrichtungen ausbauen, um die Pflegeinfrastruktur zu stärken.

CDUkurz fürChristlich Demokratische Union und CSUkurz fürChristlich-Soziale Union wollen die Versorgung stärken - in der Stadt und auf dem Land. Die zögerliche Entwicklung in der sektorenübergreifenden Versorgung kranker Menschen wollen wir beschleunigen. Beispielsweise sollen die ambulanten und stationären Versorgungsangebote für psychische Erkrankungen bedarfsgerecht weiterentwickelt werden, insbesondere für Kinder und Jugendliche. Für pflegende Angehörige wollen wir die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf stärken. Zudem wollen wir mehr Vereinfachung mit einem Pflegebudget erreichen, das flexibel für pflegerische Leistungen einsetzbar ist. Eine Lohnersatzleistung wird in unseren Parteien ergebnisoffen diskutiert. Wir werden prüfen, ob dies im Bundeshaushalt abgebildet werden kann.