30. August 2016
VdK-Kampagne

VdK schießt deutschlandweit Barrieren auf den Mond

Kampagne des Sozialverbands ist erfolgreich: Haupt- und Ehrenamtliche reißen Hindernisse in Städten, Gemeinden und Köpfen ein

„Weg mit den Barrieren!“ fordern VdKler von der Küste bis zu den Bergen – mit Erfolg! Unzählige Ortsbegehungen, Großveranstaltungen und Mitmach-Aktionen in allen 13 VdK-Landesverbänden haben im vergangenen halben Jahr Politik und Bevölkerung wachgerüttelt. Wie die Beispiele aus den Landesverbänden zeigen, sind noch viele Hürden einzureißen. Ruhe gibt der VdK erst, wenn Barrierefreiheit in Deutschland selbstverständlich ist.


"Weg mit den Barrieren!" - Spot zur VdK-Kampagne (UT)

Der Spot zur Kampagne "Weg mit den Barrieren", mit der sich der Sozialverband VdK für ein barrierefreies Deutschland stark macht.

Keine Brücke, keine Fähre, nur ein Tunnel mit steiler Treppe: Um die Spree im Berliner Stadtteil Köpenick am Rande des Müggelsees schnell überqueren zu können, wurde in den 1920er-Jahren ein Tunnel angelegt, der den Fährbetrieb ergänzen sollte. Nach dessen Einstellung ist der Tunnel heute die einzige Verbindung.

Hauptproblem: Er ist ausschließlich über zwei steile Treppen mit jeweils 48 Stufen nutzbar. Ältere und Menschen mit Gehbehinderung oder Eltern mit Kinderwagen können diese Barriere nicht überwinden. Dies stellte der VdK Berlin-Brandenburg bei einer Ortsbegehung fest. Der VdK kritisiert, dass auch die Tunnelsanierung vor einem Jahr die Situation nicht verbessert hat. Die Begründung damals: Man könne das Hindernis ja mit dem ÖPNV großräumig umfahren. Der zeitliche Mehraufwand beträgt 45 Minuten, inklusive längerem Fußweg. Somit gilt für Köpenick: Die Situation für Menschen mit Behinderung war hier vor fast 100 Jahren aufgrund des Fährbetriebs besser als heute. Das wird der VdK nicht auf sich beruhen lassen.

Barrieren in den Köpfen beseitigte der VdK Baden-Württemberg an seinem großen Aktionstag in der Liederhalle in Stuttgart. „Barrierefreiheit verbessert die Lebensqualität für alle, bedeutet Zukunftsorientierung und ist wichtiger Standortfaktor“, betonte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher vor rund 600 Teilnehmern aus ganz Baden-Württemberg. Landesgeschäftsführer Hans-Josef Hotz hob hervor, dass Barrierefreiheit ein Menschenrecht und eine der wichtigsten Voraussetzungen für Inklusion sei. „Denn immer dort, wo Menschen mit Behinderung auf Barrieren stoßen, bleibt ihnen die Teilnahme am kulturellen und politischen Leben, an der Arbeitswelt und in der Freizeit verwehrt.“

Ulrike Mascher verwies auf fast eine Million anerkannte Schwerbehinderte im Südwesten. Die Zahl der behinderten und in ihrer Mobilität eingeschränkten Menschen sei aber um ein Vielfaches höher, gab sie zu bedenken. Die Beseitigung baulicher und anderer Barrieren, zum Beispiel im Internet oder am Arbeitsplatz, „ist kein Luxus“. Vielmehr sei der bewusste Verzicht auf eine barrierefreie Gestaltung, beispielsweise aus Spargründen, kurzsichtig und unverantwortbar.

Bis zu 1300 Menschen erreichte der VdK Bayern bisher bei jeder seiner Kampagnen-Großveranstaltungen in den sieben bayerischen Regierungsbezirken. Die vielen Hürden im Alltag, die Bundesbehindertenbeauftragte Verena Bentele, Landesvorsitzende Ulrike Mascher und Landesgeschäftsführer Michael Pausder hier anprangern, werden vor Ort von Haupt- und Ehrenamtlichen aus dem Weg geräumt: In Eckersdorf im Kreis Bayreuth zum Beispiel, bei einer der zahlreichen Ortsbegehungen in Bayern. Die Gemeindeverwaltung zeigt sich sehr offen für die Verbesserungsvorschläge des VdK-Teams für Barrierefreiheit. Dieses macht deutlich: Schon mit kleinen Anpassungen kann viel erreicht werden. Eine sichtbare Beschilderung des Behindertenparkplatzes am Hintereingang des Rathauses etwa. Oder eine für Rollstuhlfahrer erreichbare Klingel. Die Vorschläge zur Barrierefreiheit will Eckersdorf zügig umsetzen. Gedächtnisstütze und Leitfaden ist das detaillierte Protokoll der Ortsbegehung.

Wie dringend notwendig Barrierefreiheit für die Teilhabe von Menschen mit Behinderung ist, zeigte die inklusive Wanderung des VdK-Bezirksverbands Kassel sowie der Kreisverbände Kassel-Land und Kassel-Stadt des VdK Hessen-Thüringen. Dass es bei den „Grimmsteig-Tagen“ 2016 überhaupt einen Streckenabschnitt für Menschen mit Behinderung gab, daran hatte der VdK großen Anteil.

Unermüdlich: Der VdK in Kassel (Hessen-Thüringen) organisiert eine barrierefreie Wanderung. | © VdK Hessen-Thüringen


Zusammen mit der Grimmsteig Touristik und der örtlichen Wanderschule hatten der VdK-Bezirksverband und die beiden Kreisverbände den inklusiven Streckenabschnitt geplant. Dank dieser Initiative konnten zum ersten Mal auch Menschen mit Behinderung an der überregional bekannten, mehrtägigen Wanderung im Osten Kassels teilnehmen. VdK-Mitglieder und die Walkinggruppe der Baunataler Werkstätten absolvierten gemeinsam die fünf Kilometer lange Strecke. Am Ziel der „Hans-im-Glück-Tour“ gab es nur glückliche Gesichter.

Wie barrierefrei ist meine Gemeinde? Dieser Frage ging der VdK-Kreisverband Rhein-Ruhr des VdK Nordrhein-Westfalen vor Kurzem in Essen nach. Anhand einer Checkliste konnten Besucher des „Katernberger Seniorentags“ festhalten, auf welche Hindernisse Ältere und Menschen mit Einschränkungen im öffentlichen Raum, in der Freizeit und bei der gesundheitlichen Versorgung stoßen. Dabei bemängelten die Befragten besonders, dass es an Behindertenparkplätzen in der Nähe von Arztpraxen sowie an barrierefreien Toiletten fehle. Zudem seien offizielle Formulare oder Bescheide der Verwaltung viel zu kompliziert. Als positiv bewerteten die Teilnehmer, dass viele Supermärkte bereits über stufenlose Zugänge verfügen und Menschen mit Sehbehinderung mittels akustischer Ampelsignale sicher über die Straße geleitet werden. Die Ergebnisse der Umfrage liefern wertvolle Anhaltspunkte für die weitere Arbeit des Sozialverbands vor Ort.

Der Ortsverband Leer (VdK Niedersachsen-Bremen) informierte Bürger in der Leeraner Innenstadt über die VdK-Kampagne „Weg mit den Barrieren!“. Interessierte erfuhren, was es heißt, behindert oder krank zu sein. Sie konnten einen Rollstuhl, Rollator und Blindenstock ausprobieren. Außerdem verteilten die VdKler Flyer, Aufkleber und Buttons mit den Forderungen für Barrierefreiheit.

Bei der Gesundheitsmesse unter dem Motto „Der Kreislauf des Lebens“ in Rockenhausen bei Kaiserslautern war der Ortsverband Rockenhausen des Sozialverbands VdK Rheinland-Pfalz mit einem Infostand vertreten. Schon bei ihrer Ankunft stellten die VdKler fest: Es gibt keine Behindertenparkplätze! „Die Veranstalter hatten die gehbehinderten Menschen, die auf einen Behindertenparkplatz angewiesen sind, vergessen und dadurch regelrecht ausgegrenzt“, beklagt Klaus Linker, Vorsitzender des VdK-Kreisverbands Donnersberg. „Der einzige Rollstuhlparkplatz vor der rund 200 Meter entfernten Sparkasse Donnersberg war mit einem absoluten Halteverbotsschild blockiert.“ Noch bevor sie die Flyer der VdK-Kampagne „Weg mit den Barrieren!“ ausgepackt hatten, waren Klaus Lincker und seine Kollegen vom Ortsverband in der Praxis gefordert. Sie sprachen den Messe-Verantwortlichen auf den Missstand an. Dieses Erlebnis bestärkte die VdKler in ihrem Vorhaben, die VdK-Kampagne „Weg mit den Barrieren!“ publik zu machen. Sie sammelten 450 Unterschriften für die Beseitigung von Barrieren im Donnersbergkreis, in Rheinland-Pfalz und ganz Deutschland.

Die Kreisstadt Saarlouis im Saarland hat knapp 35.000 Einwohner – und wie viele Barrieren? Diese Frage stellte der VdK-Stadtverband Saarlouis und machte im Rahmen der Kampagne „Weg mit den Barrieren!“ bei einem Spaziergang auf Straßen und Plätze in der Innenstadt aufmerksam, die nicht ausreichend barrierefrei sind. Um die Stadtverwaltung gleich vor Ort auf Probleme wie Stolperfallen in der Fußgängerzone hinzuweisen, war die Bürgermeisterin der Stadt, Marion Jost, dabei. Ein engagiertes VdK-Team um Peter Thönes, Elmar Hubertus, Wilfred Kiefer, Joachim Mergener und Josef Hemmer führte die Bürgermeisterin durch die Stadt. Der Spaziergang zeigte, dass selbst bei Neubauten im öffentlichen Raum oft noch Nachholbedarf in Sachen Barrierefreiheit besteht, ob für Rollstuhlfahrer oder sehbehinderte Menschen.

Unterwegs: Der VdK Ortsverband Saarlouis (Saarland) macht auf Stolperfallen in der Stadt aufmerksam. | © Josef Hemmer


Ähnliche Aktionen zur Kampagne laufen im VdK Saarland mit seinen 41.000 Mitgliedern in weiteren Verbandsstufen.

Der VdK Sachsen-Anhalt macht sich vielerorts für Barrierefreiheit stark. Unter anderem war er zu Gast beim Frühlingsfest der Förderschule „Hugo Kükelhaus“ in Magdeburg. Auch der Behindertenbeauftragte der Landesregierung, Adrian Maerevoet, zählte zu den Gästen. Am Infostand des VdK-Kreisverbands Magdeburg klärten Kreisvorsitzende Diana Kleer und ihr Team über die Arbeit des VdK und die aktuelle Kampagne „Weg mit den Barrieren!“ auf. Bei den Kindern und Jugendlichen kam die inklusive Bastelstraße besonders gut an. Der Tag zeigte: Inklusion beginnt im Kleinen und kann ganz einfach sein.

Durch den engagierten Einsatz des VdK-Ortsverbands Auerbach (VdK Sachsen) hat der Landgasthof „Waldeck“ eine barrierefreie Toilette eingebaut. Ortsvorsitzender Thomas Wunderlich half bei der Beantragung der Fördermittel über das Investitionsprogramm „Lieblingsplätze für alle“ des Freistaates Sachsen. Er stand dem Inhaber des Gasthauses, Günter Liebscher, bei allen Fragen zur Seite. Nun können an den Veranstaltungen wie der Mutter- und Vatertagsfeier des VdK Auerbach Menschen mit Behinderung uneingeschränkt teilnehmen. Auch alle anderen Gäste profitieren vom Umbau, der ein gelungenes Beispiel für den Abbau von Barrieren im Sinne der VdK-Kampagne „Weg mit den Barrieren!“ darstellt.

Unbefangen: Viel Spaß haben die Kinder beim inklusiven Basteln des VdK Magdeburg (Sachsen-Anhalt). | © Foto: VdK Sachsen-Anhalt

Weg mit den Barrieren!

Zur Kampagnen-Website mit vielen Hintergrundinformationen, den Forderungen des VdK und der "Landkarte der Barrieren":

www.weg-mit-den-barrieren.de

Caroline Meyer mit B. Bühler, H.-G. Finke, G. Fischer, D. Kleer, D. Klemmer, F. Mosig, F. Scholl, G. Steinhoff, A. Temminghoff

Schlagworte Barrierefreiheit | Weg mit den Barrieren | Barrieren | Kampagne

Kampagnen-Website und Landkarte der Barrieren

www.weg-mit-den-barrieren.de

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    Unterschriftenliste zur VdK-Kampagne "Weg mit den Barrieren!" zum Ausdrucken, Kopieren und Verteilen - Größe: DIN A4


VdK-TV: VdK-Kampagne "Weg mit den Barrieren" - Barrierefreiheit im Verkehr

Im Rahmen seiner bundesweiten Kampagne „Weg mit den Barrieren!“ fordert der Sozialverband VdK umfassende Barrierefreiheit im Bereich Verkehr, also auf Straßen, Schienen und in der Luft. Ein drastisches Beispiel für die immer noch mangelhafte Barrierefreiheit in Deutschland zeigt die Ortsbegehung am Bahnhof Obernhof in Rheinland-Pfalz – hier kann der Bahnsteig nur über eine steile Treppe erreicht werden.

VdK-TV: Barrierefreiheit in Wohnungen und im Wohnumfeld (UT)

Jeder Mensch hat das Recht, selbst zu entscheiden, wo und wie er leben möchte: So sagt es die UN-Behindertenrechtskonvention. Diese Vorgabe ist in Deutschland bisher jedoch nicht im Ansatz erfüllt. Mit seiner Kampagne „Weg mit den Barrieren“ möchte der Sozialverband VdK verdeutlichen, wo noch überall Verbesserungsbedarf besteht.

VdK-TV: "Weg mit den Barrieren!" – Private Güter und Dienstleistungen

Bei den privaten Güter und Dienstleistungen setzte Deutschland im Bereich der Barrierefreiheit bisher auf das Prinzip der Freiwilligkeit – ohne besonderen Erfolg. Mit seiner Kampagne "Weg mit den Barrieren!" möchte der VdK auf die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen aufmerksam machen, damit in Deutschland endlich Barrierefreiheit hergestellt wird – so wie es in der UN-Behindertenrechtskonvention unmissverständlich festgelegt ist.

Weg mit den Barrieren!

Jetzt die VdK-Kampagne für ein barrierefreies Deutschland unterstützen:

Barrieren melden - Stimme abgeben - Weitersagen!

www.weg-mit-den-barrieren.de

Button zur Kampagne Weg mit den Barrieren: Ein Männchen mit Rollator vor einer unüberwindbaren Treppe

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