1. April 2021
SOZIALE GERECHTIGKEIT

Wer arm wird, bleibt es oft lange

Datenreport 2021: Corona-Pandemie verfestigt die soziale Ungleichheit

Corona wirkt wie eine Lupe auf die ungleichen Lebensbedingungen in Deutschland. Der Datenreport 2021 macht deutlich, dass zunehmend mehr Menschen von Armut bedroht sind. Vor allem Beschäftigte mit niedrigem Einkommen leiden unter den Auswirkungen der Pandemie. Außerdem hat sich das Armutsrisiko verfestigt: Wer arm wird, bleibt es länger als früher.

Gestapelte Haufen sortiert nach 1, 2, 5, 10 und 20 Cent-Stücken.
© unsplash

Das Risiko, unter die Armutsgrenze zu rutschen und den sozialen Anschluss zu verlieren, hat sich in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt. Fast 90 Prozent der Menschen, die 2018 unter die Armutsrisiko­schwelle fielen, waren in den vier Jahren zuvor bereits von Armut bedroht. Das belegt der rund 500 Seiten starke Datenreport 2021, herausgegeben vom Statistischen Bundesamt, dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Zusammenarbeit mit dem Sozio-ökonomischen Panel.

In Deutschland lebte 2018 fast jeder Sechste (15,8 Prozent) unterhalb der Armutsrisikoschwelle. Diese lag bei 1040 Euro monatlich für einen Ein-Personen-Haushalt, für einen Ein-Eltern-Haushalt mit einem Kind bei 1352 Euro.

Laut Datenreport könnte sich diese soziale Schieflage durch Corona dauerhaft verschärfen. Bei einer Befragung zwischen Ende März und Anfang Juli 2020 berichtete fast jeder Fünfte mit einem niedrigen Einkommen von finanziellen Problemen. Auch 17 Prozent der an- und ungelernten Arbeiter und 20 Prozent der Selbstständigen hatten weniger Geld. Besonders häufig waren Alleinerziehende (25 Prozent) betroffen.

Corona wirkt sich auch auf die Beschäftigungsverhältnisse aus: Etwa jeder Vierte mit einem Nettoeinkommen von unter 1000 Euro war zu Beginn des ersten Lockdowns im März 2020 von Freistellung (23,8 Prozent) oder Arbeitslosigkeit (1,8 Prozent) betroffen. Auf Beschäftigte mit einem Netto­einkommen von über 2500 Euro traf das in deutlich geringerem Maße zu (Freistellung: 8,3 Prozent; Arbeitslosigkeit: 0,5 Prozent).

Die Pandemie verstärkt darüber hinaus die Ungleichheit bei den Bildungschancen. Der Zugang zu Computern für das Homeschooling unterscheidet sich laut Datenreport stark: Familien mit durchschnittlichen Einkommen zwischen 5000 und 18 000 Euro standen Anfang 2020 vier PCs zur Verfügung. Familien aus der untersten Einkommensgruppe (bis 2000 Euro) hatten zwei Geräte.

Die Präsidentin des VdK, Verena Bentele, kritisiert diese Entwicklung: „Die sozialen Probleme werden aktuell durch die Folgen der Corona-Pandemie verschärft. Um Erwerbsarmut und spätere Alters­armut zu verhindern, ist ein deutlich höherer Mindestlohn von mindestens 13 Euro und eine Eindämmung von Leih- und Zeitarbeit notwendig. Soziale Gerechtigkeit gehört ganz oben auf die politische Agenda.“

Jörg Ciszewski

Schlagworte Armut | Corona-Krise | alleinerziehend | Soziale Gerechtigkeit

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