Unfreiwillig Gutes tun

Freiwilligenjahr - Reifeprozess aus freien Stücken?

© VdK / Susie Knoll


Schon von dieser Idee gehört? Alle Jugendlichen werden zu einem sozialen Pflichtjahr verdonnert. Und schwupps, sind viele Probleme gelöst. Denn endlich sind die jetzt noch deutlicher gewordenen Personalengpässe in sozialen Berufen Geschichte. Außerdem wird in so einem Jahr wundersamerweise ein Reifeprozess angestoßen, an dessen Ende brave und zielstrebige Staatsbürger stehen.

Was sagen wohl die Pflegebedürftigen dazu? Die haben meiner Meinung nach ein Recht auf ausgebildetes und motiviertes Personal, das seinen Job gut und gerne macht und nicht, weil es dazu verpflichtet wurde. Sie haben auch ein Recht auf den Umgang mit jungen Freiwilligen, die gerne da sind und Spaß an der Arbeit mit Menschen haben. Die Meinung von Jugendverbänden vermisse ich in dieser Diskussion ebenfalls.

Was mich besonders stört: Jungen Menschen wird pauschal unterstellt, dass sie sich nicht genug für die Gesellschaft inte­ressieren und dass der Staat ihnen das in einem Pflichtjahr beibringen muss. Das ist nicht nur gefühlt unfair, sondern lässt sich auch mit Zahlen widerlegen. Für die bereits bestehenden Freiwilligenangebote übersteigt die Nachfrage deutlich das Angebot. Im Jahrgang 2019/2020 kamen für das Freiwillige Soziale Jahr auf 52 278 Plätze 140 377 Bewerbungen, für das Freiwillige Ökologische Jahr ergatterten nur 3142 von 11 878 Bewerberinnen und Bewerbern einen Platz. Viele Jugendliche werden in ihrem Engagement ausgebremst.

Der VdK fordert, Freiwilligendienste auszubauen, mit einem ordentlichen pädagogischen Konzept zu versehen und so attraktiv zu gestalten, dass mehr junge Leute hinterher Lust auf einen sozialen Beruf haben. Dafür muss mehr als 402 Euro Taschengeld gezahlt werden. Kostenlose Bahnfahrten und günstige Wohnangebote sollte es zusätzlich geben.

Ich bin davon überzeugt, dass ein Freiwilligenjahr jungen Menschen ungewohnte Perspektiven und bereichernde Erfahrungen ermöglicht, von denen sie ein Leben lang profitieren. Doch den ersten Schritt dahin müssen sie aus freien Stücken gehen dürfen.

Verena Bentele

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