10. September 2018
PFLEGEPOLITIK

Pflege: Es geht um Wertschätzung

„Mängelverwaltung“ oder „Notstand“ sind mit dem Berufsbild in Pflegeheimen und Krankenhäusern verknüpft. Die schlechten Arbeitsbedingungen gelten als Ursache für den Pflegekräftemangel. Wir brauchen dringend Lösungen für die Probleme in der Pflege. Auch für die steigenden Eigenanteile für Pflegebedürftige.

Eine junge und eine alte Hand halten sich fest.
Viele Pflegebedürftige leiden unter den steigenden Kosten in der Pflege. | © Pixabay

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat einen Gesetzentwurf zur Stärkung des Pflegepersonals vorgelegt. So sollen 13.000 zusätzliche Stellen in den Pflegeheimen in der medizinischen Behandlungspflege geschaffen werden. Außerdem soll es eine Mindestanzahl an Pflegestellen in Krankenhäusern geben. Die Förderung des Krankenhauspersonals dürfe aber nicht auf Kosten der Altenpflegeeinrichtungen gehen, warnen der VdK und auch der Paritätische Gesamtverband.

VdK-Präsidentin Verena Bentele weist zudem darauf hin, dass Kostensteigerungen in der Altenpflege im Gegensatz zur Krankenpflege direkt an die Pflegebedürftigen weitergereicht werden. Schon jetzt liegt der Eigenanteil für Heimkosten im Bundesdurchschnitt bei 1831 Euro pro Monat. „Diese Spirale kann nicht ewig weitergedreht werden. Faire Löhne dürfen zum Beispiel nicht zu Lasten der Pflegebedürftigen gehen“, warnt Bentele. Das notwendige Geld, um den Altenpflegeberuf attraktiver zu machen, müsse daher aus der Pflegeversicherung und aus Steuermitteln kommen, fordert sie.

Pflegebedürftigen steigende Kosten nicht aufbürden

Längst hält die Qualität der Pflege mit den steigenden Kosten für Pflegebedürftige nicht mehr Schritt. Das Bündnis der Interessenverbände der Pflegebedürftigen, zu dem auch der Sozialverband VdK gehört, fordert deshalb, dass die Leistungen der Pflegekassen jährlich automatisch an die Lohnentwicklung angepasst werden müssen.

Die Lücke zwischen den Kosten, die von der Pflegeversicherung übernommen werden, und den Eigenanteilen wird von Jahr zu Jahr größer. Die Lücke zwischen den Kosten, die von der Pflegeversicherung übernommen werden, und den Eigenanteilen wird von Jahr zu Jahr größer. „Hier auf private Vorsorge zu verweisen, wird der Wirklichkeit nicht gerecht. Für große Teile der Bevölkerung ist es finanziell nicht möglich, sich zusätzlich in ausreichendem Umfang für den Pflegefall abzusichern. Viele müssen am Ende ihres Lebens von Sozialhilfe leben. Das ist sehr beschämend und bedeutet, dass eine gute Pflege schlicht nicht bezahlbar ist“, erklärt die VdK-Präsidentin. Zur Kostendeckung müsse auch hier über Steuerfinanzierung nachgedacht werden.

„Im Pflegeberuf geht es um Wertschätzung und gute Arbeitsbedingungen. Eine angemessene Bezahlung gehört unbedingt dazu. Oftmals wird nur der Pflegemindestlohn bezahlt. Ich stimme Jens Spahn absolut zu, dass eine höhere Tarifbindung erreicht werden muss“, sagt Bentele.

Investoren werden diese Forderung nicht gerne hören. Schließlich würden höhere Personalkosten die aktuellen Renditen von fünf Prozent und mehr bei Pflegeimmobilien gefährden. Der VdK fordert ein Umdenken: „Pflegebedürftigkeit darf kein Spekulationsobjekt sein“, bekräftigt Bentele.

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VdK-TV: Pflegebedürftig? - Der VdK hilft bei der Selbsteinschätzung

Damit man sich auf den Besuch des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) vorbereiten kann, hat der VdK einen Fragebogen zur Selbsteinschätzung der Pflegebedürftigkeit zusammengestellt. Das Video führt Interessierte durch den Bogen. Selbsteinschätzungsbogen mit Pflegegradrechner herunterladen: https://www.vdk.de/permalink/74125

bsc

Schlagworte Altenpflege | pflegebedürftig | Eigenanteil | Pflege | Pflegeheim

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