vor 2 Tagen
PFLEGE

Kosten einfach weitergereicht: Tarifbezahlung wird für Pflegebedürftige teuer

Die Politik hat für die gesetzliche Vorgabe, Pflegekräfte nach Tarif zu bezahlen, keine Gegenfinanzierung vorgesehen. Darum bitten viele Heimbetreiber und ambulanten Dienste nun die Pflegebedürftigen zur Kasse.

In einem Pflegeheim steht ein Rollstuhl vor einer Wand, an der der ein Schild angebracht ist, auf dem Wohngruppe 7 steht.
© IMAGO / Fotostand

Es sei ein „später Dank“ für die Pflegekräfte, sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. Er meinte ein Gesetz, nach dem Heimbetreiber und Anbieter von ambulanten Diensten verpflichtet sind, Beschäftigte ab 1. September nach Tarifverträgen oder ähnlich bezahlen zu müssen. Doch die verdiente Lohnerhöhung kommt die Versorgten und ihre Angehörigen teuer zu stehen. Die meisten Einrichtungen und Anbieter haben bereits vor dem Stichtag begonnen, ihre Pflegekräfte besser zu bezahlen – und im Gegenzug dafür ihre Leistungen kräftig verteuert.

Viele VdK-Mitglieder berichten dem Bundesverband seit Wochen von immensen Preissteigerungen, teils von 30 bis 40 Prozent für die Pflegeleistung. Hinzu kommen Erhöhungen für die steigenden Energiekosten. „Wir haben eine Rechnung vorliegen, bei der eine Frau mit Pflegegrad 2 nun über 4800 Euro dazu bezahlen muss. Für die meisten ist das unmöglich“, sagt VdK-Präsidentin Verena Bentele.

Der Sozialverband VdK begrüßt die tarifliche Bezahlung von Pflegekräften zwar ausdrücklich. „Aber die Politik hat es versäumt, vernünftig gegenzufinanzieren. Deshalb werden nun Pflegebedürftige zur Kasse gebeten“, kritisiert Bentele. Für viele bleibe da nur noch der Gang zum Sozialamt.

Eigenanteile steigen

Die Pflegereform der Vorgängerregierung im vergangenen Juli hätte eigentlich Heimbewohner finanziell entlasten sollen. Sie bekommen seit Jahresbeginn neben den Zahlungen der Pflegekasse einen prozentualen Zuschlag, der mit der Dauer des Heimaufenthalts steigt. Doch die selbst zu zahlenden Anteile sind trotzdem weiter gestiegen und wurden mitunter nur teilweise abgefedert, wie eine Auswertung des Verbands der Ersatzkassen ergab.

Auch die ambulanten Dienste haben ihre Leistungen verteuert. Der VdK befürchtet daher, dass viele zu Hause Gepflegten auf Leistungen verzichten und dadurch unterversorgt sind. „Der Gesetz­geber muss ganz schnell gegensteuern und regeln, dass die Pflegeversicherung die Kosten für die Pflegeleistungen übernimmt“, fordert Bentele.

Auch das Pflegegeld müsse nach vielen Jahren des Wartens endlich angepasst werden. „Unterm Strich sind die Pflegebedürftigen Opfer einer völlig desolaten Pflegepolitik“, sagt die VdK-Präsidentin. Sie fordert Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach daher auf, die Pflege endlich zur Chefsache zu machen.

Heike Vowinkel

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Alles zum Entlastungsbetrag in der Pflege

Mit einem Pflegegrad hat man Anspruch auf den sogenannten Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro pro Monat. Aber nicht alle, denen der Entlastungbetrag zusteht, nutzen ihn auch - das hat auch die große VdK-Pflegestudie ergeben. Woran liegt das?

Schlagworte Pflegeheim | Kosten | Pflegekräfte | Tarifverträge

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