1. Juni 2022
PFLEGE

Schilder-Demo für bessere Pflege daheim

VdK startet Kampagne: mit Aktion vor dem Kanzleramt, Pflegestudie und Forderungen an die Politik

350 Schilder, 350 Botschaften an die Politik – eine „Demonstration ohne Menschen“ vor dem Kanzleramt sorgte zum Auftakt der Nächstenpflege-Kampagne des Sozialverbands VdK für Aufsehen.


#naechstenpflege: Start der VdK-Pflegekampagne in Berlin

Am 9. Mai fiel in Berlin der Startschuss für die Kampagne Nächstenpflege des Sozialverband VdK. Den Auftakt machte die „Demo ohne Menschen“ im politischen Herzen von Berlin: 350 sehr persönliche Forderungen an die Politik hatte der VdK im Vorfeld von pflegenden Angehörigen gesammelt, diese auf Demoschilder drucken lassen und gut sichtbar direkt vor dem Kanzleramt positioniert – damit die Pflegenden und Gepflegten endlich Gehör finden!


Wer seine Nächsten pflegt oder von ihnen gepflegt wird, hat keine Zeit zu demonstrieren. Um diesen Menschen dennoch eine Stimme zu geben, hat der VdK Deutschland am 9. Mai mit einer ungewöhnlichen Aktion eine Kampagne zur Nächstenpflege gestartet: Vor dem Kanzleramt in Berlin stellte er 350 Schilder mit Botschaften seiner pflegenden oder pflegebedürftigen Mitglieder auf.

Mit der „Demonstration ohne Menschen“ zeigte der VdK, wie dringend notwendig eine Reform der Leistungen in der häuslichen Pflege ist. Zu lesen waren dort Appelle wie: „18 Stunden Pflege täglich! Wo bleibt da der Mindestlohn?“ oder „Gebt uns endlich, was uns zusteht: Anerkennung und finanzielle Mittel für eine gute Pflege.“ Journalisten, Passanten sowie Politikerinnen und Politiker blieben stehen, fotografierten die Forderungen und Sprüche und teilten sie in den sozialen Medien. Unter ihnen war auch die Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Claudia Moll, die dem VdK zur gelungenen Aktion gratulierte.

„So viele Menschen pflegen unter schwierigen Bedingungen ihre Eltern, Kinder, Nachbarn oder Freunde. Sie müssen endlich gehört werden und mehr Unterstützung bekommen“, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele zum Start der Kampagne bei einer Pressekonferenz.

Dort stellte der Pflegewissenschaftler Professor Andreas Büscher die Ergebnisse der bislang größten Online-Befragung zur Nächstenpflege vor, an der im vergangenen Jahr 56.000 VdK-Mitglieder teilgenommen hatten: 62 bis 93 Prozent der Anspruchsberechtigten rufen demnach Pflegeleistungen wie den Entlastungsbetrag, die Tages-, Kurzzeit- oder Verhinderungspflege nicht ab. Zu starr sei das System, zu bürokratisch und zu wenig an den Bedürfnissen der Menschen orientiert, kritisierte Bentele.

Der VdK fordert deshalb ein ­einheitliches jährliches Nächstenpflege-Budget, in das all diese Leistungen einfließen und mit dem Pflegende und Pflegebedürftige das bezahlen können, was für sie sinnvoll ist. Ist dies etwa eine regelmäßige Hilfe im Haushalt, so sollte sie aus dem Budget unkompliziert und in der benötigten Höhe bezahlt werden können – ohne dass die Person, die diese Leistung erbringt, einen mehrwöchigen Kurs dafür belegt haben muss wie im Moment. Die Abrechnung mit der Kasse könnte dann über eine Quittung erfolgen, erklärte Bentele. Eine monatliche Übersicht über den verbrauchten Anteil des Etats verhelfe zudem zu mehr Transparenz.

VdK-Präsidentin Verena Bentele bei der "Demo ohne Menschen" - hinter ihr stehen 350 Demo-Schilder mit Forderungen zur Pflege. Im Hintergrund sieht man das Bundeskanzleramt.
© Henning Schacht

Dass so wenig Tagespflege abgerufen wird, liegt aber auch daran, dass es zu wenig Plätze gibt. Deshalb fordert der VdK einen Rechtsanspruch auf einen Tagespflegeplatz vergleichbar dem auf einen Kita-Platz für Kinder.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Erhält ein pflegender Angehöriger eine Beratung, steigt die Wahrscheinlichkeit, eine Pflegeleistung zu nutzen, um ein Vielfaches. „Darum brauchen wir eine regelmäßige, unabhängige, ortskundige Beratung, die den Menschen den Weg durch den Dschungel der Pflege-
bürokratie weist“
, forderte Bentele.

Heike Vowinkel

Weitere Aktionen geplant - Höhepunkte der kommenden Monate

Die Nächstenpflege-Kampagne des VdK wird ein Jahr lang dauern und mit dem Bundesverbandstag am 14. Mai 2023 enden. Geplant sind in den kommenden Monaten noch weitere Veranstaltungen, Aktionen und politische Gespräche.

Schon zwei Tage nach dem Kampagnen-Start traf VdK-Präsidentin Verena Bentele die Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Claudia Moll (SPD), um bei ihr für die Nächstenpflege zu werben. Weitere Gespräche mit Vertreterinnen und Vertreter der zuständigen Ministerien (Gesundheit und Familie) folgen im Laufe des Sommers.

Am 27. September findet dann in Berlin ein Symposium mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Wissenschaft statt, bei dem es um Modelle einer Lohnersatzleistung für pflegende Angehörige gehen wird. Hierfür hat der VdK das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW) beauftragt, anhand eigener Bevölkerungsdaten sowie Ergebnissen der VdK-Nächstenpflegestudie mögliche Modelle und ihre Effekte zu berechnen. Diese sollen im Rahmen einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Im Laufe des Jahres wird es zudem einen Schwerpunkt zum Thema Pflegegeld ebenso wie eine Fachveranstaltung zu Familien mit pflegebedürftigen Kindern geben.

Im November veranstaltet der Bundesverband einen digitalen Pflege-Aktionstag, zu dem VdK-­Expertinnen und -Experten Workshops und Informationsveranstaltungen anbieten. Daran können alle VdK-Mitglieder, aber auch Interessierte teilnehmen. Es wird dort auch die Möglichkeit geben, sich mit anderen Pflegenden und Pflegebedürftigen auszutauschen.

Anfang 2023 ist eine Veranstaltung zur 24-Stunden-Pflege geplant. In den Landesverbänden werden zudem Unterschriftenaktionen stattfinden, mit denen Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) aufgefordert wird, einen Tag lang selbst in der Nächstenpflege zu arbeiten. Im Frühjahr 2023 will VdK-Präsidentin Verena Bentele diese Unterschriften dann an den Minister überreichen.

vo

Alle aktuellen Informationen zu Aktionen und Veranstaltungen im Rahmen der Kampagne finden Sie unter:

www.vdk-naechstenpflege.de

Schlagworte Nächstenpflege | Kampagne | pflegende Angehörige | Pflegebedürftige

  • Sozialrecht
    Ob Rente, Gesundheit und Pflege, Teilhabe und Behinderung, Leben im Alter oder soziale Sicherung: Der Sozialverband VdK ist für seine Mitglieder ein kompetenter Ratgeber und Helfer in allen sozialrechtlichen Belangen. | weiter
  • Rente
    Der VdK will die Rente zukunftssicher machen und Altersarmut verhindern. Lesen Sie hier alles rund um die Themen Rente, Alterssicherung und unsere rentenpolitischen Forderungen. | weiter
  • Behinderung
    Der VdK setzt sich für gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung in allen Lebensbereichen ein. Lesen Sie mehr zu Inklusion, Behindertenpolitik und Barrierefreiheit. | weiter
  • Pflege
    Wir finden: Die Situation Pflegebedürftiger und Pflegender muss sich dringend verbessern. Lesen Sie hier mehr zum Thema Pflegepolitik, pflegende Angehörige, häusliche Pflege und Pflegeleistungen. | weiter
  • Gesundheit
    Wir brauchen ein Gesundheitssystem, das an den Bedarfen der Menschen ausgerichtet ist. Lesen Sie mehr zu Gesundheitspolitik, Prävention, Gesundheitsleistungen, Hilfsmitteln und Versorgung. | weiter
  • Soziale Gerechtigkeit
    Rund 15,3 Millionen Menschen sind in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht - das ist fast jeder Fünfte! Der Sozialverband VdK kämpft für soziale Gerechtigkeit und setzt sich gegen die fortschreitende soziale Spaltung ein. | weiter
  • Frauen
    Frauen erhalten 49 Prozent weniger Einkommen und 53 Prozent weniger Rente als Männer. Der Sozialverband VdK setzt sich für mehr Gerechtigkeit für Frauen ein, kämpft für Gleichberechtigung und Gleichstellung. | weiter
  • Familie
    Wir brauchen Verlässlichkeit für Familien. Der VdK setzt sich unter anderem für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein, für familiengerechte Arbeitszeiten, den Ausbau der Kinderbetreuung und für ein Rückkehrrecht in Vollzeit. | weiter
  • Reha
    Krankheit, Unfall, Klinikaufenthalt: Die Rehabilitation setzt dort an, wo die Selbstbestimmung eines Menschen gefährdet ist. | weiter
  • Kampagnen
    Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen und Kampagnen transportiert der VdK seine Forderungen an die Politik und zeigt immer wieder soziale Missstände auf. | weiter

Pflege viel zu teuer?

Wir sagen Ihnen, was Ihnen laut Sozialrecht zusteht und kämpfen für Ihr Recht. Bundesweit. Jetzt Beratung vereinbaren!

Der VdK
Eine Frau gibt einer anderen Frau zur Begrüßung die Hand. Sie stehen am Eingang eines Gebäudes mit der Aufschrift "VdK Service Point"
Finden Sie mit der Beratungsstellen-Suche die nächste Rechtsberatungsstelle des Sozialverbands VdK - auch in Ihrer Nähe!
Der VdK
Symbolfoto: Zwei Frauen und ein Mann ziehen gemeinsam an einem Seil, an dessen Ende auch jemand zieht.
Wir machen uns stark für soziale Gerechtigkeit. Wir vertreten Ihre sozialpolitischen Interessen und kämpfen für Ihre Rechte. Unsere Stärke: Unabhängigkeit und Neutralität.

Presse
Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter mit Informationen zu Sozialpolitik und Sozialrecht sowie aktuellen Infos rund um den Sozialverband VdK.

Datenschutzeinstellungen

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.