5. September 2019
GESUNDHEITSPOLITIK

Hohe Krankenhausdichte keine Garantie für Patientensicherheit

„Viel“ ist nicht unbedingt gleichbedeutend mit „gut“. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung, in der die Krankenhauslandschaft in Deutschland unter die Lupe genommen wird.

Das Bild zeigt ein Stethoskop, das auf einem Dokument liegt.
Ein wichtige Debatte: Wie kann man die Krankenhausbranche reformieren? | © Pixabay

Vielen Bürgerinnen und Bürgern bietet es ein großes Stück Sicherheit, zu wissen, dass an jedem Ort in Deutschland das nächste Krankenhaus nicht weit entfernt liegt. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass 57 Prozent der Häuser weniger als 200 Betten haben. Und das kann die Qualität beeinträchtigen. Denn je schneller der medizinische Fortschritt vorangeht, desto weniger können kleine Krankenhäuser mithalten. Beispielsweise schaffen es manche Kliniken kaum, die jährliche Mindestanzahl an bestimmten Operationen durchzuführen. In solchen Häusern kommt es leider immer wieder wegen mangelnder Routine zu Behandlungsfehlern und Komplikationen. Gesundheitsexperten sehen deshalb die Patientensicherheit in Deutschland nicht flächendeckend gewährleistet.

„Bei der stationären Versorgung muss ein Umdenken stattfinden“, sagt VdK-Präsidentin Verena Bentele. „Nicht die Krankenhausdichte ist entscheidend, sondern die Qualität der Behandlung. Das Wohl der Patienten ist das Wichtigste, nicht die Wirtschaftlichkeit.“ Dafür braucht es neue Strukturen, die die bisher strikte Trennung von ambulanten und stationären Dienstleistungen aufheben. Möglich wäre dies durch die Schaffung von medizinischen Behandlungszentren, in denen unter einem Dach verschiedene Fachrichtungen vorzufinden sind. Dort können auch ambulante Routine-Operationen und deren Nachsorge stattfinden. Der Vorteil für Patientinnen und Patienten: Die vielerorts gewohnt kurzen Wege blieben erhalten.

Ärztliche Versorgung weiterhin vor Ort

Für spezialisierte Eingriffe oder Behandlungen könnte an personell und organisatorisch entsprechend ausgestattete Schwerpunktkliniken überwiesen werden. So wäre zuverlässig sichergestellt, dass bei schwerwiegenden Erkrankungen die beste Behandlung erfolgt.

„Deutschland soll ein Top-Standort der Medizin bleiben. Klar ist auch, dass die gute Versorgung flächendeckend stattfinden muss. Eine Umstrukturierung muss mit Augenmaß geschehen“, sagt Bentele. Keineswegs solle ein Klinik-Kahlschlag stattfinden, sondern eher eine Umschichtung der vorhandenen Kapazitäten, besonders in den Metropol-Regionen. Denn hier gibt es oft eine Überversorgung, auf dem Land dagegen fehlen oft Kliniken. Mit medizinischen Zentren könnte in ländlichen und wenig besiedelten Regionen zudem der Ausdünnung der Haus- und Facharztversorgung sinnvoll begegnet werden.

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