24. März 2021
GESUNDHEIT

Selbstgespräche sind besser als ihr Ruf

Zum Denken gehört der Dialog mit sich selbst dazu

Ein junge Frau guckt nachdenkend interessiert
© unsplash

Selbstgespräche sind gesellschaftlich verpönt. Sie können aber sehr nützlich sein. Der Psychologe Professor Dr. Dietrich Dörner hat sich mit diesem Thema befasst und herausgefunden, dass sie helfen, sich zu konzentrieren, zu lernen und zu motivieren. Die VdK-ZEITUNG sprach mit ihm.

Warum wirken hörbare Selbst­gespräche auf andere Menschen oft befremdlich? Wie Selbstgespräche wirken, hängt von der jeweiligen Situation ab. Wenn jemand beispielsweise mit anderen beim Essen sitzt, erscheint es tatsächlich seltsam, wenn er laut mit sich spricht. Er signalisiert, dass er in Gedanken nicht bei der Gemeinschaft ist, sondern bei sich. Andere könnten denken, er will lieber alleingelassen werden.

Wenn wir dabei ertappt werden, schämen wir uns. Warum sprechen wir trotzdem mit uns?
Denken funktioniert nur durch Sprache. Jeder ist ständig mit sich im Dialog oder sollte es sein. Es ist wichtig, dass wir uns beim Denken kon­trollieren und korrigieren. Dabei lernt man sich selbst besser kennen und merkt vielleicht auch, dass man Denkfehler macht. Beispielsweise, dass man sich etwas vormacht, oder dass man bestimmte Dinge nicht wahrhaben will.

Welchen Nutzen haben Selbst­gespräche?
Sie sind Teil des Denkprozesses: Man macht sich ein Bild von einer Situation, man korrigiert sich, kritisiert sich, entwickelt neue Ideen oder wechselt den Standpunkt. Man kann auch in Zwiesprache mit seiner eigenen Vergangenheit treten. Auf der emotionalen Ebene ist es möglich, sich durch Selbst­gespräche zu motivieren, zu bestärken oder zu belohnen. Der Dialog mit sich schafft Distanz zur eigenen Person. Man sollte sich selbst sowieso nicht so ernst nehmen, sondern immer mit einem Lächeln betrachten.

Hat die Neigung, mit sich selbst zu sprechen, auch mit Einsamkeit zu tun?
Das ist gut möglich. Ganz normal ist es nicht, vor sich hinzumurmeln oder laut zu fluchen. Wenn das ständig passiert und niemand da ist, mit dem man reden kann, ist das ein Zeichen für Einsamkeit. Wenn einen etwas bewegt, sucht man normalerweise eine andere Person, der man das erzählen kann. Einsame Menschen haben oft niemanden, der ihnen hilft, ein Ereignis von einem anderen Standpunkt aus zu sehen.

Welche Menschen sprechen besonders oft mit sich selbst?
Das sind vor allem kommunikative und sensible Menschen sowie Menschen, die viel über die Welt nachdenken.

Wann deuten Selbstgespräche auf eine psychische Erkrankung hin?
Wenn man sich mit seinen Gedanken nur noch im Kreis dreht, droht die Gefahr, dass man sich in etwas hineinsteigert. Beispielsweise in Rachegefühle, Gefühle der Wertlosigkeit oder Wahnvorstellungen. Was diese Menschen bräuchten, wäre jemand, der rechtzeitig mit ihnen spricht und sie auf andere Gedanken und Sichtweisen bringt.

Sollen wir nun aufhören, mit uns im Gespräch zu bleiben? Wir können beruhigt weitermachen. Mit sich selbst im Dialog zu sein, gehört zum Denken. Wenn die Selbstgespräche im Rahmen bleiben und der geistigen Offenheit dienen, führen sie dazu, dass man konzentrierter und strukturierter denkt. Manche Menschen schreiben Tagebücher, um sie später noch mal zu lesen. Auch das ist ein Dialog mit sich selbst. Im Grunde genommen geht es darum, dass man sich immer wieder mit sich selbst konfrontiert und überprüft, wie und warum man etwas denkt. Dieser Prozess sollte ständig im Fluss bleiben.

Interview: Annette Liebmann

Schlagworte Psychologie | Sprechen

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