24. Februar 2021
GESUNDHEIT

Andauernd erschöpft: Was Patienten mit tumorbedingter Fatigue hilft

Dr. Susanne Weg-Remers leitet den Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Ihre Abteilung kümmert sich um Patienten, Angehörige und Ratsuchende, die Fragen zum Thema Krebs haben. Pro Jahr beantwortet ihr Team etwa 33 000 Anfragen. Im Interview mit der VdK-Zeitung erklärt die Expertin, wie Krebsmediziner eine Fatigue bei Tumor­patienten feststellen und wie man Betroffenen helfen kann.

Ein Mann hat die Augen geschlossen und liegt.
© unsplash

Wann sprechen Mediziner von einer tumorbedingten Fatigue?
Darunter versteht man eine besonders ausgeprägte Form der Erschöpfung, die selbst durch Ausschlafen oder Schonung nicht besser wird. Der Patient bringt oft die Kraft für alltägliche Dinge nicht mehr auf. Fatigue ist ein häufiges Symptom im Rahmen der Krebstherapie. In 70 bis 90 Prozent der Fälle tritt sie während und nach der Krebsbehandlung auf. Die Begleiterkrankung kann ein kurzes Phänomen sein. Manche Patienten leiden jedoch mehrere Jahre darunter.

Wie sehr kann die Müdigkeit den Patienten beeinträchtigen?
Der Betroffene fühlt sich ständig abgeschlagen. Dass er sein gewohntes Pensum trotz bestem Willen nicht schafft, trifft oft auf Unverständnis – vor allem dann, wenn Krebsbehandlung und Reha bereits hinter dem Betroffenen liegen. Das Umfeld erwartet dann häufig von ihm, dass er wieder alles mitmachen kann. Er sieht ja nicht mehr krank aus. Dadurch entsteht großer Leidensdruck.

Wie wird die Diagnose gestellt?
Der behandelnde Onkologe setzt verschiedene Fragebögen ein. Die Art der Krebserkrankung und der Therapie spielen eine Rolle. Gibt es aufgrund der Therapie eine Mangel­ernährung? Krebsmedikamente können eine Fatigue nach sich ziehen. Hat der Patient Schmerzen? Und leidet der Betroffene unter einer psychischen Belastung? Der Mediziner sollte die Symptome sorgfältig zur Depression abgrenzen. Zudem führen Patienten ein Fatigue-Tagebuch.

Welche anderen Ursachen können hinter der Müdigkeit stecken?
Es kann sein, dass körperliche Ursachen festgestellt werden, die zu der starken Abgeschlagenheit führen. Gibt es etwa Blutbildstörungen wie Blutarmut? Dann steht die Behandlung der Anämie im Vordergrund. Bei Tumoren, die die Geschlechtsorgane betreffen, also Brust, Gebärmutter, Eierstöcke oder Prostata, kann es zu Störungen im Hormonhaushalt kommen, die derart müde machen.

Worauf sollten Menschen achten, die an einer Fatigue leiden?
Ganz wichtig ist körperliche Aktivität. Wenn man sich immer öfter aufs Sofa legt, kann das dazu führen, dass man hinterher noch mehr erschöpft ist und die Muskeln abbauen. Ein angepasstes Ausdauer- und Krafttraining ist ratsam. Es hilft schon, mehr Bewegung in den Alltag einzubauen, also zu Fuß gehen, Fahrradfahren. Jeden Tag ein bisschen was. Yoga und kog­nitive Verhaltenstherapien sind ebenfalls zu empfehlen.

Zudem sollte man keine unrealistischen Erwartungen an sich selbst haben und mit der Energie sparsam umgehen. Das heißt: Prioritäten setzen und Unwichtiges verschieben. Täglich etwas Schönes zu machen, hat Vorrang.

Bei körperlich anstrengenden Alltagspflichten sollte man um Hilfe bitten. Das ist übrigens auch eine gute Möglichkeit, Angehörige einzubinden.

Wie sollten Angehörige mit der Erkrankung umgehen?
Man kann sein Familienmitglied fragen: „Was kann ich für dich tun, damit es dir besser geht?“ Wenn man einen Spaziergang macht, sollte man sich bewusst vornehmen, dass sich das Gespräch nicht nur um die Krankheit dreht.

Interview: Elisabeth Antritter

GESUNDHEIT
Das Bild zeigt einen Arzt, der eine Mammographie untersucht.
Aus Angst vor der Ansteckung mit dem COVID-19-Virus haben viele Menschen in den vergangenen Wochen Arzttermine abgesagt oder verschoben. Symptome wurden möglicherweise nicht ernst genommen oder ignoriert. Das kann fatale Auswirkungen haben – vor allem dann, wenn es um eine Krebserkrankung geht. | weiter
27.07.2020

Schlagworte Fatigue | Tumor

  • Sozialrecht
    Ob Rente, Gesundheit und Pflege, Teilhabe und Behinderung, Leben im Alter oder soziale Sicherung: Der Sozialverband VdK ist für seine Mitglieder ein kompetenter Ratgeber und Helfer in allen sozialrechtlichen Belangen. | weiter
  • Rente
    Der VdK will die Rente zukunftssicher machen und Altersarmut verhindern. Lesen Sie hier alles rund um die Themen Rente, Alterssicherung und unsere rentenpolitischen Forderungen. | weiter
  • Behinderung
    Der VdK setzt sich für gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung in allen Lebensbereichen ein. Lesen Sie mehr zu Inklusion, Behindertenpolitik und Barrierefreiheit. | weiter
  • Pflege
    Wir finden: Die Situation Pflegebedürftiger und Pflegender muss sich dringend verbessern. Lesen Sie hier mehr zum Thema Pflegepolitik, pflegende Angehörige, häusliche Pflege und Pflegeleistungen. | weiter
  • Gesundheit
    Wir brauchen ein Gesundheitssystem, das an den Bedarfen der Menschen ausgerichtet ist. Lesen Sie mehr zu Gesundheitspolitik, Prävention, Gesundheitsleistungen, Hilfsmitteln und Versorgung. | weiter
  • Soziale Gerechtigkeit
    Rund 15,3 Millionen Menschen sind in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht - das ist fast jeder Fünfte! Der Sozialverband VdK kämpft für soziale Gerechtigkeit und setzt sich gegen die fortschreitende soziale Spaltung ein. | weiter
  • Frauen
    Frauen erhalten 49 Prozent weniger Einkommen und 53 Prozent weniger Rente als Männer. Der Sozialverband VdK setzt sich für mehr Gerechtigkeit für Frauen ein, kämpft für Gleichberechtigung und Gleichstellung. | weiter
  • Familie
    Wir brauchen Verlässlichkeit für Familien. Der VdK setzt sich unter anderem für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein, für familiengerechte Arbeitszeiten, den Ausbau der Kinderbetreuung und für ein Rückkehrrecht in Vollzeit. | weiter
  • Reha
    Krankheit, Unfall, Klinikaufenthalt: Die Rehabilitation setzt dort an, wo die Selbstbestimmung eines Menschen gefährdet ist. | weiter
  • Kampagnen
    Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen und Kampagnen transportiert der VdK seine Forderungen an die Politik und zeigt immer wieder soziale Missstände auf. | weiter

Zu hohe Kosten für Medikamente?

Wir sagen Ihnen, was Ihnen laut Sozialrecht zusteht und kämpfen für Ihr Recht. Bundesweit. Jetzt Beratung vereinbaren!

Der VdK
Eine Frau gibt einer anderen Frau zur Begrüßung die Hand. Sie stehen am Eingang eines Gebäudes mit der Aufschrift "VdK Service Point"
Finden Sie mit der Beratungsstellen-Suche die nächste Rechtsberatungsstelle des Sozialverbands VdK - auch in Ihrer Nähe!
Der VdK
Symbolfoto: Zwei Frauen und ein Mann ziehen gemeinsam an einem Seil, an dessen Ende auch jemand zieht.
Wir machen uns stark für soziale Gerechtigkeit. Wir vertreten Ihre sozialpolitischen Interessen und kämpfen für Ihre Rechte. Unsere Stärke: Unabhängigkeit und Neutralität.

Presse
Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Informationen zu Sozialpolitik und Sozialrecht.

Datenschutzeinstellungen

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.