vor 5 Tagen
GESUNDHEIT

Gesundheitsdaten werden mobil

Ab 2021 bieten Krankenversicherungen die elektronische Patientenakte an – Die Nutzung ist freiwillig

Ab 2021 können Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen eine elektronische Patientenakte (ePA) beantragen. Darin sollen persönliche Gesundheitsdaten gespeichert und im Notfall schneller abrufbar sein. Die ePA bietet viele Vorteile, ist aber auch umstritten.

© pixabay.de


Welche Medikamente nimmt der Patient? Hat er Vorerkrankungen oder Allergien? Wie sind seine Blutwerte? Informationen wie diese können künftig auf der ePA abgespeichert werden. Die Bundesregierung erhofft sich dadurch enorme Verbesserungen: Doppeluntersuchungen, wie etwa bei einem Arztwechsel, sollen vermieden werden. Ärzte verschiedener Fachrichtungen können besser zusammenarbeiten, Patienten schneller versorgt werden.

Jederzeit griffbereit

Bisher wurden Befunde, Diagnosen und Behandlungsberichte vom jeweiligen Arzt aufbewahrt. Mit der ePA werden diese Informationen mobil. Der Patient kann seine Daten, die auf einem Server gespeichert sind, jederzeit einsehen. Über eine sogenannte App, eine Anwendung auf dem Smartphone oder Tablet, hat er sie griffbereit. Mit­hilfe der elektronischen Gesundheitskarte kann er dem behandelnden Arzt sowie dem Praxis- oder Klinikpersonal Zugriff gewähren. Der Patient bestimmt auch, wer in welchem Umfang Einsicht hat. Auf Wunsch können Ärzte und Apotheken weitere Dokumente und Befunde hochladen.

Im Juli 2020 hat der Bundestag das sogenannte Patientendaten-­Schutz-Gesetz beschlossen. Es soll digitale Angebote im Gesundheitsbereich voranbringen. Neben der ePA gehören auch digitale Facharztüberweisungen und Rezepte dazu. Weiteres Ziel des Gesetzes ist es, sensible Gesundheitsdaten bestmöglich zu schützen.

Die Nutzung der ePA ist für den Patienten freiwillig. Gesetzliche Krankenversicherungen hingegen sind verpflichtet, sie ab Januar 2021 anzubieten. Im Laufe des Jahres soll die Patientenakte in die App der jeweiligen Krankenversicherung integriert werden. Zunächst werden Befunde, Diagnosen, Therapien, Behandlungsberichte und Medikationspläne gespeichert. Ab 2022 sollen Impf­ausweis, Zahn-­Bonusheft, Mutterpass und das gelbe U-Heft für Kinder hinzukommen. Ab 2023 ist es zudem möglich, seine Daten freiwillig der Forschung zur Verfügung zu stellen.

Große Bedenken

Die ePA bietet viele Vorteile. Doch es gibt auch große Bedenken: Datenschützer warnen davor, dass in der App äußerst sensible Daten gespeichert werden, etwa ein positiver HIV-Test, Informationen über eine Abtreibung oder eine psychiatrische Behandlung. Der Sozialverband VdK fordert, dass der Datenschutz unbedingt gewährleistet sein muss und die Daten auf deutschen Servern gespeichert werden.
Problematisch ist auch die Tatsache, dass die Patienten erst 2022 im Einzelnen auswählen können, welche Unterlagen das medizinische Personal zu sehen bekommt. Zuvor können sie nur entscheiden, ob sie alles freigeben wollen – oder nichts.

Nicht jeder wird die ePA nutzen können. Insbesondere ältere und ärmere Menschen könnten langfristig davon ausgeschlossen sein. Wer wenig Einkommen oder Rente hat, hat oft auch keinen Zugang zu einem Smartphone oder Tablet. Für sie fordert der VdK, dass die Krankenversicherungen in ihren Niederlassungen geeignete Geräte anbieten müssen. Hinzu kommt, dass ältere Menschen oft nur wenig Computerwissen haben. Sie sind deshalb häufig nicht in der Lage, ihre Daten in der App selbst zu verwalten.

Nach Auffassung des VdK kann die medizinische Versorgung nur dann verbessert werden, wenn sämtliche Akteure des Gesundheitswesens – also auch Pflegeeinrichtungen, Heil- und Hilfsmittel­erbringer sowie Therapeuten – zeitnah und flächendeckend an die technische Infrastruktur angeschlossen werden. Besonders wichtig ist es, dass der Medikationsplan in die ePA eingeführt wird. Viele Mitglieder des VdK nutzen ihn schon heute. So kann eine Unter-, Über- oder Fehlversorgung bei Medikamenten verhindert werden.

Annette Liebmann



Auch interessant:

PRESSE-STATEMENT
Das Bild zeigt Akten
03.07.2020 - Der Bundestag stimmt heute, am 3. Juli 2020, über den Entwurf der Bundesregierung zum Patientendaten-Schutz-Gesetz ab. Bentele: "Viele ältere Menschen tun sich schwer mit Apps oder haben kein modernes Smartphone. Gerade für sie ist es wichtig, den Überblick über ihre Medikamente, Therapien und Diagnosen zu behalten." | weiter
03.07.2020
URTEILE IM SOZIALRECHT
Das Bild zeigt eine Versichertenkarte mit dem Bild einer Versicherten.
Das BSG hat entschieden, dass Kassen die Bilder gesetzlich Versicherter, die sie etwa für die Gesundheitskarten brauchen, nicht längere Zeit speichern dürfen. | weiter
19.12.2018 | ime

Schlagworte Patientenakte | Datenschutz | Patientendaten | Patienten

  • Rente
    Der VdK will die Rente zukunftssicher machen und Altersarmut verhindern. Lesen Sie, was wir verändern wollen und wie wir uns eine Reform der Rente vorstellen. | weiter
  • Behinderung
    Der VdK setzt sich für Gleichberechtigung von Menschen mit und ohne Behinderung ein. Lesen Sie hier unsere Positionen zu Teilhabe, Inklusion und Behindertenpolitik. | weiter
  • Pflege
    Knapp 2,9 Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig. Wir finden: Die Situation Pflegebedürftiger und Pflegender muss sich dringend verbessern. | weiter
  • Gesundheit
    Gesundheit muss für alle Menschen bezahlbar sein und bleiben. Lesen Sie hier unsere Forderungen und Positionen zur Gesundheitspolitik. | weiter
  • Soziale Gerechtigkeit
    Über 16 Millionen Menschen sind in Deutschland von Armut und Ausgrenzung bedroht. Lesen Sie hier die Forderungen des VdK zum Thema soziale Gerechtigkeit. | weiter
  • Frauen
    Von Armut sind besonders häufig Frauen betroffen. Was aus Sicht des VdK getan werden muss, lesen Sie hier. | weiter
  • Familie
    Der VdK setzt sich für Familien ein. Unsere Forderungen zur Familienpolitik finden Sie hier. | weiter
  • Reha
    Krankheit, Unfall, Klinikaufenthalt: Die Rehabilitation setzt dort an, wo die Selbstbestimmung eines Menschen gefährdet ist. | weiter
  • Ratgeber Recht
    Ob Rente, Gesundheit und Pflege, Teilhabe und Behinderung, Leben im Alter oder soziale Sicherung: Der Sozialverband VdK ist für seine Mitglieder ein kompetenter Ratgeber und Helfer in allen sozialrechtlichen Belangen. | weiter
  • Verena Benteles Lichtblicke
    Die neue Tagebuch-Kolumne der VdK-Präsidentin. Positiv und persönlich: Mit ihrer Kolumne 'Verenas Lichtblick' will sie Leserinnen und Lesern, auch in Zeiten von Corona, Hoffnung machen. | weiter
    30.03.2020

Zu hohe Kosten für Medikamente?

Wir sagen Ihnen, was Ihnen laut Sozialrecht zusteht und kämpfen für Ihr Recht. Bundesweit. Jetzt Beratung vereinbaren!

Der VdK
Eine Frau gibt einer anderen Frau zur Begrüßung die Hand. Sie stehen am Eingang eines Gebäudes mit der Aufschrift "VdK Service Point"
Finden Sie mit der Beratungsstellen-Suche die nächste Rechtsberatungsstelle des Sozialverbands VdK - auch in Ihrer Nähe!
Der VdK
Symbolfoto: Zwei Frauen und ein Mann ziehen gemeinsam an einem Seil, an dessen Ende auch jemand zieht.
Wir machen uns stark für soziale Gerechtigkeit. Wir vertreten Ihre sozialpolitischen Interessen und kämpfen für Ihre Rechte. Unsere Stärke: Unabhängigkeit und Neutralität.
Presse
Das Bild zeigt einen Bildschirm, auf dem Googlemail geöffnet ist
Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Informationen zu Sozialpolitik und Sozialrecht.

Datenschutzeinstellungen

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.