30. Oktober 2017
Gesundheit

Entlassmanagement: Besser versorgt nach dem Krankenhaus

Seit dem 1. Oktober 2017 sind Kliniken gesetzlich verpflichtet, nach klar geregelten Verantwortlichkeiten sowie verbindlichen Standards die Entlassung eines Patienten aus dem Krankenhaus vorzubereiten. Wir zeigen die wichtigsten Regeln des Entlassmanagements.

© AOK-Mediendienst

Rund 20 Millionen Menschen wurden vergangenes Jahr in deutschen Kliniken stationär behandelt. Etwa jeder Zehnte davon benötigte im Anschluss eine medizinische Anschlussversorgung. Diese Versorgung fand in der Vergangenheit nicht immer statt. Wenn Patienten etwa zum Wochenende entlassen wurden, war es ihnen oft nicht mehr möglich, eine Krankschreibung von einem niedergelassenen Arzt zu bekommen.

Als Folge des fehlenden Entlassmanagements konnte es passieren, dass der Versicherungsschutz des Entlassenen unter Umständen aufgehoben war. Auch standen aus der Klinik entlassene Patienten vor allem auf dem Land häufig vor dem Problem, wie sie in ihrem Zustand an die nötigen Medikamente kommen konnten.

Diese Versorgungslücke von Patienten ist nun geschlossen. Mit dem neuen Gesetz haben die Kliniken eine sogenannte Verordnungsermächtigung bekommen. Das bedeutet, dass Krankenhausärzte für einen Zeitraum von bis zu sieben Tagen nach der Entlassung eines Patienten Rezepte ausstellen dürfen. Dazu zählen zum Beispiel Verordnungen für Heil- und Hilfsmittel sowie Medikamente. Für alle verschriebenen Leistungen hat der Patient das Recht auf freie Arzt- und Dienstleisterwahl.

Wichtig: Rezepte für Medikamente sind begrenzt gültig. Patienten müssen die Rezepte innerhalb von drei Werktagen bei einer örtlichen Apotheke einlösen. Ähnliches gilt für Physio- oder Ergotherapie: Hier müssen Patienten die Behandlung innerhalb von sieben Tagen beginnen und binnen zwölf Tagen beenden.

Patienten: Wie funktioniert das Entlassmanagement?

Das Krankenhaus hat die Pflicht, die im Entlassplan erforderlichen Maßnahmen so früh wie möglich einzuleiten. Wo nötig, schaltet die Klinik – wenn der Patient darin einwilligt - die Kranken- oder die Pflegekasse des Patienten zur Unterstützung ein. Um das Entlassmanagement durchführen zu können, muss die Klinik das Einverständnis des Patienten schriftlich einholen. In der Regel geschieht dies bereits zu Beginn des Klinikaufenthalts.

Auch wenn der Patient kein Entlassmanagement wünscht, hat er dennoch Anspruch auf einen Entlassbrief. Bemerkt er einige Zeit nach der Entlassung, dass er doch medizinische oder therapeutische Hilfe braucht, bekommt er diese natürlich auch. Nur muss er sich dann selbst darum kümmern und kann diese koordinierenden Leistungen nicht mehr vom Krankenhaus erwarten.

Was ist ein Entlassbrief?

Der Entlassbrief aus dem Krankenhaus enthält alle Informationen, die für die Weiterbehandlung und medizinische Anschlussversorgung des Patienten nach dessen Entlassung aus dem Krankenhaus erforderlich sind. Dieser Brief besteht mindestens aus den folgenden Informationen:

  • Patientenstammdaten, Aufnahme- und Entlassdatum
  • Name des behandelnden Krankenhausarztes und Telefonnummer für Rückfragen
  • Kennzeichnung „vorläufiger“ oder „endgültiger“ Entlassbrief
  • Grund der Einweisung
  • Diagnosen und Entlassungsbefund
  • Arzneimittel mit Medikationsplan sowie Information über mitgegebene Arzneimittel
  • alle veranlassten Verordnungen und Information über Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit
  • Information zur nachfolgenden Versorgungseinrichtung

Kritik des Sozialverbands VdK
Wie im Beitrag beschrieben, kann die Klinik die Kranken- oder Pflegekasse des Patienten zur Unterstützung einbeziehen, wenn der Patient darin einwilligt. Gerade in diesem Punkt sieht der Sozialverband VdK allerdings noch Nachbesserungsbedarf. „In vielen Fällen ist eine fallbezogene Koordination von Leistungen in der Überleitung aus dem Krankenhaus in die pflegerische Versorgung der Häuslichen Krankenpflege erforderlich“, so VdK-Pflegeexperte Olaf Christen. Das Problem: Dies ist keine Leistung nach der Richtlinie zur Häuslichen Krankenpflege. Es werde also weiterhin dem Zufall überlassen bleiben, wie gut der ambulante Pflegedienst diese Überleitung organisiert und wie engagiert der Sozialdienst im Krankenhaus den Prozess vorbereitet.


Lesen Sie mehr:

Pflege
Das Bild zeigt eine alte Frau, der beim Ankleiden geholfen wird. Ein Symbol für Pflegebedürftigkeit.
Pflegebedürftigkeit kann schnell eintreten. Auch für Angehörige wird dann vieles anders, sie müssen in kurzer Zeit weitreichende Entscheidungen treffen. | weiter
26.04.2017 | ali
Gesundheit
Eine bandagierte Hand, die auf einem Krankenhausbett liegt.
Erkranken Arbeitnehmer, stellen sich viele Fragen: Wann zahlt die Krankenkasse das Krankengeld? Und wie lange? Wir beantworten die wichtigsten Fragen. | weiter
27.09.2017 | ime

VdK-TV: Entlassungsmanagement - wie es nach dem Krankenhaus weitergeht

Wird man aus dem Krankenhaus entlassen, stellt sich oft die Frage, wie es Zuhause mit der Versorgung weitergehen soll. Dafür gibt es in Deutschland das sogenannte "Krankenhaus-Entlassungsmanagement": Damit sollen bisherige Versorgungslücken beim Übergang vom Krankenhaus nach Hause oder in die Kurzzeitpflege geschlossen werden.

ikl

Schlagworte Krankenhaus | Entlassung | Patient | Pflege | Entlassmanagement

VdK-Rechtsberatung

Der Sozialverband VdK berät und vertritt seine Mitglieder im Bereich gesetzliche Krankenversicherung und soziale Pflegeversicherung.

Mitgliedschaft
Das Bild zeigt eine Frau an einem Tablet, auf welchem die Beitrittserklärung zum VdK geöffnet ist.
Es gibt viele gute Gründe für eine Mitgliedschaft im VdK - dem mit mehr als 2 Millionen Mitgliedern größten Sozialverband Deutschlands. | weiter

VdK-TV: Widerspruch lohnt sich: Was tun, wenn Krankenkassen Anträge ablehnen?

Wenn die gesetzlichen Krankenkassen einen Antrag auf Hilfsmittel oder eine Reha ablehnen, kann es sinnvoll sein, dagegen Widerspruch einzulegen. Doch worauf müssen Versicherte bei ihrem Widerspruch achten und welche Fristen muss man dabei einhalten? Wir klären Sie auf.

Datenschutzeinstellungen

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.