23. Juni 2016
Gesundheit

Sturzprävention: Für mehr Sicherheit und Mobilität

„Trittsicher durchs Leben“: Bewegungskurse sollen Sturzrisiko minimieren

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko zu stürzen. Laut Bundesinitiative für Sturzprävention fallen mehr als ein Drittel der über 65-Jährigen mindestens einmal im Jahr hin. Oft hat das einschneidende körperliche und psychische Folgen. Um dem vorzubeugen, sollten ältere Menschen Balance und Kraft trainieren, um sich für den Alltag stark zu machen.

© Ines Klut

Zehn Frauen stehen sich paarweise gegenüber. Um ihre Waden haben sie pinkfarbene Therabänder geschlungen. Doch die älteren Damen spielen keinen Gummitwist wie als Kinder auf dem Schulhof, sondern trainieren Kraft und Beweglichkeit. Einmal in der Woche wird der evangelische Gemeindesaal in Wolfhagen bei Kassel zur Turnhalle. Dann trifft sich der Bewegungskurs „Trittsicher durchs Leben“. Er gehört zum gleichnamigen bundesweiten Projekt, das von der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) in Kooperation mit dem Deutschen Landfrauenverband, dem Deutschen Turnerbund und dem Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart Anfang des Jahres gestartet wurde.

In ländlichen Regionen

„Trittsicher durchs Leben“ ruht auf drei Säulen: Bewegungsschulung, Beratung zur Sturzprävention zu Hause und Osteoporose-Vorsorge. Während die kostenlosen Bewegungskurse Versicherten aller gesetzlichen Krankenkassen offen stehen, richten sich die beiden anderen Projektteile ausschließlich an SVLFG-Versicherte. Die Kurse finden in ländlichen Regionen statt, da es hier derartige Angebote kaum gibt. Deshalb hat Wilfriede Herbold nicht lange überlegt und sich angemeldet. Die 78-Jährige hat Arthrose in beiden Kniegelenken und hofft, ihre Beweglichkeit zu verbessern. „Es ist wichtig, mobil und selbstständig zu bleiben“, sagt das VdK-Mitglied. Am Bewegungskurs schätzt sie neben den sportlichen Übungen auch den Kontakt zu anderen Menschen.

Sicherheit geht vor

Auch für Erna Flörke ist das Training eine willkommene Abwechslung. Die 80-Jährige lebt auf einem Bauernhof und will ihrer Familie noch lange eine Stütze sein. „Jeden Morgen bin ich im Stall und füttere die Kälber“, sagt sie und fügt hinzu: „Vieles überlasse ich aber auch den Jungen.“ Sie klettere zum Beispiel nicht mehr die Leiter zum Dachboden hinauf, das sei ihr zu gefährlich. Schließlich sei sie ja keine 60 mehr. Das hört SVLFG-Präventionsberater Volker Dippel gern. „Viele ältere Menschen überfordern sich im Haus und auf dem Hof“, weiß er und ergänzt: „Hier passieren die meisten Stürze.“ Volker Dippel weist bei seinen „Hausbesuchen“ auf Stolperfallen wie fehlende Haltegriffe oder Teppichkanten hin.

Manchmal könne schon eine kleine Veränderung eine große Wirkung haben. So sei es manchen gar nicht bewusst, dass sie in ausgetretenen Pantoffeln keinesfalls sicher unterwegs sind. „Hier spielen jahrelange Gewohnheiten eine große Rolle“, weiß der SVLFG-Präventionsberater, der dann versucht, Überzeugungsarbeit zu leisten. Es müsse nicht erst zu einem Sturz mit schlimmen Folgen wie einem Oberschenkelhalsbruch kommen, nur weil der bequeme Pantoffel nicht gegen einen stabilen Schuh mit rutschfester Sohle ausgetauscht wurde.

Kontinuität ist wichtig

Doch ein Sturz hat nicht nur körperliche Folgen. Auch in der Psyche verändert sich einiges. „Wer einmal gestürzt ist, steckt das meist nicht so leicht wieder weg“, weiß Volker Dippel. Gerade im fortgeschrittenen Alter falle es den meisten schwer, wieder sicherer auf den Beinen zu werden.

„Sie haben Angst, erneut hinzufallen und bewegen sich deshalb weniger“, bestätigt Kursleiterin Meike Pfurr aus ihrer alltäglichen Arbeit als Physiotherapeutin. Das sei jedoch ein Teufelskreis. Denn durch weniger Bewegung bilden sich Muskeln zurück, die Kraft lässt nach, und die gesamte Konstitution wird immer schwächer. Deshalb sei es wichtig, dass regelmäßig und über einen langen Zeitraum trainiert werde, mindestens einmal in der Woche. Dann würden sich schon bald die ersten Erfolgserlebnisse einstellen.

Wilfriede Herbold will auf jeden Fall fleißig weiter trainieren. Denn ihr Ziel ist es, so lange wie möglich selbstständig ihren Alltag zu bewältigen.

Mehr Infos: www.trittsicher.org, SVLFG-Telezentren: (08 71) 69 65 80 (Bayern), (07 11) 9 66 20 14 (Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz), (05 61) 93 59 30 70 (Hessen und Niedersachsen)


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ikl

Schlagworte Sturzprävention | Sturzprophylaxe | Sicherheit | Alter | Fitness | Balance | Bewegungskurse | Sturz | Sturzrisiko | Senioren

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