Die Frauen sind da – die Gleichberechtigung noch nicht

Frauen müssen in Deutschland weiterhin um ihre Gleichberechtigung kämpfen. Formal sind sie vor dem Gesetz zwar gleichgestellt, doch der Alltag sieht anders aus.

Das Bild zeigt Frauen im Büro
© Unsplash

Aus internationaler Sicht gilt Deutschland als Phänomen. An der Spitze einer der wichtigsten Industrienationen der Welt regiert mit Angela Merkel seit 2005 eine Frau. Mädchen machen im Schnitt die besseren Schulabschlüsse als die Jungen. Doch wirtschaftlich spielen Frauen hierzulande zu oft in der zweiten Liga. Frauen stellen fast die Hälfte aller Beschäftigten in Deutschland dar, allerdings nur ein Viertel aller Führungs- und Aufsichtskräfte. Sowohl im öffentlichen Dienst als auch in der freien Wirtschaft ist die typische Führungskraft männlich. Nur jedes siebte Vorstandsmitglied der DAX-Unternehmen ist eine Frau. Auch in der Politik sind Frauen nicht gleichberechtigt beteiligt.

Nirgendwo haben Mütter ein so niedriges Einkommen wie in Deutschland

Doch nicht nur in den Führungsetagen sind Frauen abgehängt. Im internationalen Vergleich haben Mütter nirgendwo so ein niedriges Einkommen wie in Deutschland. Zehn Jahre nach Geburt des ersten Kindes verdienen Frauen in Deutschland im Schnitt 61 Prozent weniger als im Jahr vor der Geburt, wie eine internationale Studie von 2019 zeigt. Bei Männern fällt die Familiengründung dagegen oft in die Zeit großer Karriere- und Gehaltsschritte.

Das traditionelle Geschlechtermodell ist eine der Hauptursachen. Demnach sollen Mütter im Job kürzer treten, und Väter werden zu Hauptverdienern. Frauen kehren nach einer Erwerbsunterbrechung aufgrund von Kindererziehung oder Angehörigen-Pflege oft nur in Teilzeit zurück, bestärkt durch steuerpolitische Anreize wie das Ehegattensplitting. Doch selbst in Vollzeitjobs geraten sie bei Karriere und Gehältern gegenüber den männlichen Kollegen ins Hintertreffen.

Mit fatalen Folgen. Frauen sind stärker von Armut bedroht. Umso mehr, wenn die Ehe scheitert und das Versorgermodell schlagartig endet.

Frauen und Equal Pay Day mahnen Gleichberechtigung an

Gleich mehrere Tage erinnern im Frühjahr an die fehlende Gleichberechtigung: Der Equal Care Day Anfang März, der Internationale Frauentag am 8. März, der Equal Pay Day Mitte März. Der Letztere verdeutlicht den Entgeltunterschied von aktuell 18 Prozent in Deutschland. „Es ist ein Unding, dass Frauen für die gleiche Arbeit weniger Geld erhalten als ihre Kollegen“, erklärt VdK-Präsidentin Verena Bentele. Erfolgreiche Frauenpolitik müsse an vielen Hebeln ansetzen: Arbeitsmarkt, Kinderbetreuung, Alterssicherung. Wichtige Erfolge des VdK waren deshalb die Einführung des Mindestlohns und die Anhebung der Mütterrente.

Equal Care Day – Fürsorgearbeit gerecht verteilen

Der Equal Care Day will auf diese ungerechte Verteilung der Sorgearbeit aufmerksam machen. Hierzu zählen Hausarbeit, Kinderbetreuung, Gartenarbeit, Pflege von Pflegebedürftigen und ehrenamtliches Engagement. Hierzu zählen Hausarbeit, Kinderbetreuung, Gartenarbeit, Pflege von Pflegebedürftigen und ehrenamtliches Engagement. Dass Frauen in Lohn und Brot stehen, ist heute in Deutschland selbstverständlich. Doch der private Bereich hat sich nicht in gleichen Teilen verändert; Männer beteiligen sich trotzdem weniger im Haushalt und an der Kinderbetreuung. Auch die Pflege von Angehörigen wird häufiger von Frauen übernommen. Das führt zu einer Mehrfachbelastung von Frauen und bleibt nicht ohne Nachteile für sie.

Berechnungen des Statistischen Bundesamtes für den Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung zeigen:

  • Der Gender Care Gap beträgt allgemein 52,4 Prozent (dies bedeutet, dass Frauen durchschnittlich 52,4 Prozent mehr Zeit für Care-Arbeit aufwenden als Männer): Frauen leisten täglich durchschnittlich 4 Stunden und 13 Minuten unbezahlte Sorgearbeit und damit 1 Stunde und 27 Minuten mehr als Männer.
  • bei Familien mit Kindern beträgt die Lücke sogar 83,8 Prozent. Mütter leisten 2,5 Stunden mehr Care-Arbeit als Väter.

Verena Bentele zum Internationalen Frauentag

Zum Internationalen Frauentag am 8. März fordert VdK-Präsidentin Verena Bentele, dass Frauen endlich besser bezahlt werden. Denn sie sind gerade jetzt in der Corona-Pandemie besonders belastet und zerrissen zwischen der Mehrfachbelastung Arbeit, Haushalt und Homeschooling. Das muss sich ändern!

Als VdK fordern wir

• Verstärkter Ausbau der Kinderbetreuung auch zu Randzeiten

• Lohnersatzleistung bei Pflege analog dem Elterngeld (siehe unser Konzept Pflegepersonengeld und –zeit)

• Anpassung der Erwerbsarbeitszeit bei familiärer Belastung

• Rückkehrrecht in Vollzeit

• Förderung familiengerechter Arbeitszeiten und von mobilem Arbeiten

• Förderung des Wiedereinstiegs in den Beruf

• Etablierung familienfreundlicher Unternehmenskulturen, sodass Väter ermutigt werden, unbezahlte Sorgearbeit zu übernehmen

• Bekämpfung der Lohndiskriminierung von Frauen

• Gesellschaftliche Aufwertung von sozialen Berufen, vor allem durch bessere Bezahlung

• Eindämmung von prekärer Beschäftigung, von der vor allem Frauen betroffen sind (Minijobs, Niedriglohnsektor, atypische Beschäftigungen)

„Die gesellschaftliche Leistung von Frauen aller Generationen muss mehr anerkannt werden“, fordert VdK-Vizepräsidentin Katharina Batz. Dafür setze sich der VdK als traditionell starker Frauenverband auch im Ehrenamt ein.

bsc/ag

Schlagworte Frauen | Frauentag | Gleichberechtigung | Equal Pay Day

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