5. Oktober 2021
FAMILIE

50 Jahre Bafög: Studierenden-Bündnis fordert Vollzuschuss und Erhöhungen

Kritik zum Jubiläum

Vor 50 Jahren, am 1. September 1971, trat das Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög) in Kraft. Mit dessen Einführung sollten alle gesellschaftlichen Schichten Zugang zu den Hochschulen erhalten. Doch die aktuellen Regelungen geben Anlass zu Kritik.

Das Bild zeigt fünf junge Menschen, die an einem Tisch sitzen, mit einem Papier und Stiften und über etwas sprechen.
© pixabay

Seit 1971 haben junge Menschen die Möglichkeit, vom Staat einen monatlichen Zuschuss für ihr Studium oder ihre schulische Ausbildung zu erhalten. Dadurch können sie einen ihrer Neigung, Eignung und Leistung entsprechenden Bildungsweg bis hin zum Hochschulstudium einschlagen, auch wenn sich ihre Eltern das nicht leisten können.

Ob und wie viel Bafög man monatlich bekommt, hängt von den finanziellen Möglichkeiten der Antragstellenden und ihrer Familien, von der jeweiligen Ausbildung und den persönlichen Lebensumständen ab. Nach Abschluss ihres Studiums müssen Studierende die Hälfte ihrer erhaltenen Fördergelder zurückzahlen. Schülerinnen und Schüler dagegen brauchen dies nicht zu tun. Auch Studierende bekamen zum Bafög-Start 1971 noch einen Vollzuschuss, von dem sie später nichts abstottern mussten. Knapp 45 Prozent aller Studierenden profitierten damals davon.

Über die Jahre wurde das Bafög immer wieder angepasst und erweitert. In den 1990er-Jahren beschloss der Gesetzgeber das heute noch bestehende Leistungsmodell für Studierende: halb Zuschuss, halb Darlehen. Die Zahl der Bafög-­Bezieherinnen und -Bezieher hat sich in den zurückliegenden Jahren deutlich verringert. 2020 wurden nach Berechnungen des Deutschen Studentenwerks im Monatsdurchschnitt nur noch etwa elf Prozent gefördert, und zwar 321 000 der knapp 2,95 Millionen Studierenden in Deutschland.

Angst vor Schulden

Ein Bündnis aus studentischen, gewerkschaftlichen und politischen Jugendorganisationen kritisiert die aktuellen Regelungen. Dass immer weniger Studierende Bafög erhalten, liege „nicht da­ran, dass immer mehr Studierende finanziell abgesichert sind, sondern daran, dass die Freibeträge untere und mittlere Mittelstandsschichten kaum erfassen“. Daher müssten die Freibeträge „massiv erhöht werden“. Darüber hinaus fordert das Bündnis die Rückkehr zum Vollzuschuss und die regelmäßige Anpassung des Höchstsatzes an die tatsächlichen Ausgabebedarfe der Studierenden. Denn die maximale Förderhöhe von 861 Euro im Monat reiche in vielen Städten nicht zum Leben, und viele junge Erwachsene ließen sich von den durch Bafög-Bezug entstehenden Schulden abschrecken, ein Studium aufzunehmen.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek betont zwar, dass der durchschnittliche Förderbetrag bei Studierenden 2020 von 514 auf 574 Euro gestiegen ist. Doch Nichtakademikerkinder schaffen es seltener denn je an die Hochschulen. Zudem sind sie im Studium weniger erfolgreich. So stand es im Jahresbericht 2015 des Hochschulreports des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft. Und das hat sich, wie Studien belegen, seither nicht verändert.

Mirko Besch

Schlagworte BAföG | studieren

  • Sozialrecht
    Ob Rente, Gesundheit und Pflege, Teilhabe und Behinderung, Leben im Alter oder soziale Sicherung: Der Sozialverband VdK ist für seine Mitglieder ein kompetenter Ratgeber und Helfer in allen sozialrechtlichen Belangen. | weiter
  • Rente
    Der VdK will die Rente zukunftssicher machen und Altersarmut verhindern. Lesen Sie hier alles rund um die Themen Rente, Alterssicherung und unsere rentenpolitischen Forderungen. | weiter
  • Behinderung
    Der VdK setzt sich für gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung in allen Lebensbereichen ein. Lesen Sie mehr zu Inklusion, Behindertenpolitik und Barrierefreiheit. | weiter
  • Pflege
    Wir finden: Die Situation Pflegebedürftiger und Pflegender muss sich dringend verbessern. Lesen Sie hier mehr zum Thema Pflegepolitik, pflegende Angehörige, häusliche Pflege und Pflegeleistungen. | weiter
  • Gesundheit
    Wir brauchen ein Gesundheitssystem, das an den Bedarfen der Menschen ausgerichtet ist. Lesen Sie mehr zu Gesundheitspolitik, Prävention, Gesundheitsleistungen, Hilfsmitteln und Versorgung. | weiter
  • Soziale Gerechtigkeit
    Rund 15,3 Millionen Menschen sind in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht - das ist fast jeder Fünfte! Der Sozialverband VdK kämpft für soziale Gerechtigkeit und setzt sich gegen die fortschreitende soziale Spaltung ein. | weiter
  • Frauen
    Frauen erhalten 49 Prozent weniger Einkommen und 53 Prozent weniger Rente als Männer. Der Sozialverband VdK setzt sich für mehr Gerechtigkeit für Frauen ein, kämpft für Gleichberechtigung und Gleichstellung. | weiter
  • Familie
    Wir brauchen Verlässlichkeit für Familien. Der VdK setzt sich unter anderem für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein, für familiengerechte Arbeitszeiten, den Ausbau der Kinderbetreuung und für ein Rückkehrrecht in Vollzeit. | weiter
  • Reha
    Krankheit, Unfall, Klinikaufenthalt: Die Rehabilitation setzt dort an, wo die Selbstbestimmung eines Menschen gefährdet ist. | weiter
  • Verena Benteles Lichtblicke
    Die neue Tagebuch-Kolumne der VdK-Präsidentin. Positiv und persönlich: Mit ihrer Kolumne 'Verenas Lichtblick' will sie Leserinnen und Lesern, auch in Zeiten von Corona, Hoffnung machen. | weiter
    30.03.2020

Familien brauchen finanzielle Gewissheit.

Wir sagen Ihnen, was Ihnen laut Sozialrecht zusteht und kämpfen für Ihr Recht. Bundesweit. Jetzt Beratung vereinbaren!

Der VdK
Eine Frau gibt einer anderen Frau zur Begrüßung die Hand. Sie stehen am Eingang eines Gebäudes mit der Aufschrift "VdK Service Point"
Finden Sie mit der Beratungsstellen-Suche die nächste Rechtsberatungsstelle des Sozialverbands VdK - auch in Ihrer Nähe!
Der VdK
Symbolfoto: Zwei Frauen und ein Mann ziehen gemeinsam an einem Seil, an dessen Ende auch jemand zieht.
Wir machen uns stark für soziale Gerechtigkeit. Wir vertreten Ihre sozialpolitischen Interessen und kämpfen für Ihre Rechte. Unsere Stärke: Unabhängigkeit und Neutralität.

Presse
Das Bild zeigt einen Bildschirm, auf dem Googlemail geöffnet ist
Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Informationen zu Sozialpolitik und Sozialrecht.

Datenschutzeinstellungen

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.