26. April 2022
Themen

Renten steigen, aber gebremst

Bundesregierung will Nachholfaktor wieder einführen

Die Renten sollen laut Bundes­sozialministerium zum 1. Juli um 5,35 Prozent im Westen und um 6,12 Prozent im Osten steigen. Das ist nach der Nullrunde 2021 im Westen eine positive Nachricht. Trotzdem müsste der Anstieg noch höher sein, aber der wieder eingeführte Nachholfaktor bremst ihn ab.

Zwei kleine Rentnerfigürchen sitzen auf Münz-Stapeln.
© IMAGO / Martin Wagner

Viele Menschen haben diese Formel im Kopf: Wenn die Löhne im Vorjahr gestiegen sind, steigen die Bezüge der Rentnerinnen und Rentner im Folgejahr im selben Maß. Doch das stimmt leider nicht. Denn verschiedene Dämpfungsfaktoren in der Rentenformel sorgen für Abstriche. Einer davon, der Nachholfaktor, war unter der vorherigen Bundesregierung bis zum Jahr 2025 gestrichen worden. Nun wird dieser von der Ampel-­Regierung wieder in die Rentenformel eingefügt. Auch wenn 5,35 Prozent Rentenanpassung im Westen und 6,12 Prozent im Osten auf den ersten Blick sehr hoch erscheint, wird mit diesem Eingriff das Rentenwachstum schon im Juli 2022 gedämpft.

Die Rentengarantie verhindert, dass die Renten nach einem Jahr mit negativer Lohnentwicklung sinken. Dann kommt es zu Nullrunden wie zuletzt 2021 bei den West-Renten. Mit dem Nachholfaktor gleichen die Rentnerinnen und Rentner dies jedoch über einige Jahre hinweg über geringere Rentenanstiege aus, das war zum Beispiel nach 2010 der Fall.

Neue Nullrunden drohen

Die Bundesregierung hat nun beschlossen, den eigentlich abgeschafften Nachholfaktor 2022 mit dem Rentenpaket I wieder einzuführen. Für dieses Jahr mag das zu verschmerzen sein. Die Löhne werden aber – was angesichts der kriegsbedingt kritischen Wirtschaftslage wahrscheinlich ist – künftig weniger stark steigen als im vergangenen Jahr. Deshalb werden die Renten im Nachgang dank des Nachholfaktors um einen nur geringen Prozentsatz oder gar nicht angehoben. „Den Rentnerinnen und Rentnern drohen also über kurz oder lang wieder Nullrunden. Angesichts der derzeitigen Preisentwicklung ist das keine gute Nachricht. Darüber kann auch der erfreulich hohe Rentenanstieg in diesem Jahr nicht hinwegtäuschen“, kritisiert VdK-Präsidentin Verena Bentele.

Ein gerechtes Rentensystem muss auf der politischen Agenda bleiben. Bentele verspricht den VdK-Mitgliedern „vollen Einsatz für ein höheres Rentenniveau“ und sagt: „Das Kürzen und Bremsen schafft Unsicherheiten in allen Generationen. Die Bundesregierung will, dass das Vertrauen in die Rente groß ist und wächst. Dann muss sie auch über 2025 hinaus dafür sorgen, dass die gesetzliche Altersvorsorge ein verlässliches Einkommen im Alter garantiert.“

Dr. Bettina Schubarth


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