23. November 2021
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Kommentar: Von wegen Goldesel

Sagt Ihnen „Teil-Kapitaldeckung der Rentenversicherung“ etwas? Diese soll eingeführt werden, um eine Stabilisierung des Beitragssatzes und des Rentenniveaus zu erreichen, wie es im Sondierungspapier der Ampel-Parteien heißt.

Das Foto zeigt einen weidenden Esel
Den Ruf als eifriger Gold­esel für alle hat der Kapitalmarkt verspielt - man denke nur an den Crash von 2009. | © pixabay.de

Die Rentenfinanzierung soll deshalb künftig zum Teil durch Anlagen am Kapitalmarkt ersetzt werden. Als Kapitalstock will die neue Bundesregierung 2022 zehn Milliarden Euro an die Deutsche Rentenversicherung überweisen.

Klingt viel, ist es aber nicht. Denn um Beitragssatz und Rentenniveau dauerhaft zu stabilisieren, müsste es schon ein deutlich dreistelliger Milliardenbetrag sein, hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung berechnet. Aber so viel Geld ausgeben?

Ich sage: Nein. Denn Steuergeld ist kein Spielgeld, schon gar nicht für so etwas Existenzielles wie die gesetzliche Altersvorsorge. Sicherheit ist das A und O, und den Ruf als eifriger Gold­esel für alle hat der Kapitalmarkt meiner Meinung nach verspielt. Ich erinnere nur an den Crash von 2009, unter dem wir teils bis heute leiden.

Die Deutsche Rentenversicherung sagt zu Recht, sie seien keine Finanzmarktexperten. Also bräuchte es dafür teures Wissen von außen. Und so viel Ehrlichkeit muss bei aller neu erwachten Kapitalmarkt-Euphorie sein: Es gibt keineswegs nur Geldanlagen, die hohe Renditen abwerfen und den Garantiestempel „ethisch, ökologisch und sicher“ tragen. Doch das muss der Anspruch sein.

Aber stopp, wir haben da ja was, was dem Ideal näher kommt: Das Umlageverfahren der Rentenversicherung funktioniert unabhängig vom Auf und Ab der Börse. Es ist ja auch deshalb 1957 eingeführt worden, weil in den Jahrzehnten davor kapitalgedeckte staatliche Rentenmodelle zuverlässig an die Wand gefahren sind.

Mein Vorschlag: Lieber zehn Milliarden Euro in die Hand nehmen und damit Frauen, Migranten und arme Kinder fördern und ihnen zu ordentlichen Berufen verhelfen. So erreichen wir eine breitere Basis für die gesetzliche Rente. Den Kapitalmarkt überlassen wir besser denen, die Spielgeld übrighaben.

Verena Bentele, VdK-Präsidentin


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Schlagworte Rente | Rentenversicherung | Kapitaldeckung

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