3. März 2021
Themen

Jobverlust kurz vor der Rente

Arbeitslosengeld meist besser als vorzeitiger Ruhestand

Symbolfoto: Außenansicht der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit
© Bundesagentur für Arbeit

Wenn jemand kurz vor dem geplanten Ruhestand seine Arbeit verliert, hat er oft zwei Möglichkeiten: entweder Arbeitslosengeld oder vorzeitige Rente beantragen. Die Entscheidung sollte jeder genau prüfen.

Auch wenn es nur noch wenige Monate oder Jahre bis zum Beginn des regulären Renteneintrittsalters sind, lohnt sich meist der Antrag auf Arbeitslosengeld. Darauf weist die Deutsche Rentenversicherung hin. Selbst wenn Betroffene schon Anspruch auf die Rente ab 63 Jahren haben, können sie Arbeitslosengeld I beantragen.
Ein großer Vorteil ist, dass das Arbeitslosengeld meist deutlich höher ist als der Rentenanspruch zu dem Zeitpunkt. Denn die Agentur für Arbeit berücksichtigt nur den Nettolohn der vergangenen zwölf (oder im günstigeren Fall der vergangenen 24 Monate) vor der Erwerbslosigkeit.

Zudem erhöht das Arbeitslosengeld den Renten­anspruch. Für die bis zu zwei Jahre, die ältere Menschen Arbeitslosengeld I beziehen können, werden den Betroffenen immerhin 80 Prozent der Rentenpunkte gutgeschrieben, die sie in der gleichen Zeit zuletzt im Berufsleben erworben hatten. Bei einem Durchschnittsverdienst erhöht sich nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung die Brutto­rente monatlich so um mehr als 50 Euro. Wer zuletzt sehr gut verdient hat, kann die Rente sogar um mehr als 110 Euro steigern.
Der dritte Vorteil des Arbeitslosengelds ist, dass ein vorgezogener Eintritt meist zu einer Kürzung der Rente führt. So muss jemand, der zwei Jahre früher in Ruhestand geht, mit einem Abschlag von bis zu 7,2 Prozent rechnen, und das für das restliche Leben.

Gleiche Pflichten für alle

Jede Person, die von Arbeitslosigkeit betroffen ist, sollte jedoch ihre persönlichen Ansprüche klären. So ist für den Bezug von zwei Jahren Arbeitslosengeld I die Voraussetzung, dass in den vergangenen fünf Jahren vor dem Antrag mindestens für vier Jahre eine beitragspflichtige Beschäftigung nachgewiesen werden kann. Und um auf die maximale Bezugsdauer von zwei Jahren zu kommen, muss die Person mindestens 58 Jahre alt sein. Wer nicht lange genug eingezahlt hat oder jünger ist, bekommt entsprechend kürzer Arbeitslosengeld I gezahlt.

Gleichzeitig gelten für alle Bezieher von Arbeitslosengeld dieselben Pflichten. Das heißt, auch Ältere müssen sich um eine neue Stelle bemühen und alle zumutbaren Arbeiten annehmen. Außerdem darf man pro Jahr nur 21 Kalendertage in Urlaub fahren.

Für Betroffene, die keinen oder nur einen geringen Anspruch auf Arbeitslosengeld oder eine hohe Betriebsrente haben, kann sich eine vorzeitige Rente lohnen. In diesem Fall wäre eine Beratung in der zuständigen VdK-Geschäftsstelle ratsam.

Sebastian Heise

Schlagworte Frührente | arbeitslos | Arbeitslosengeld

  • Sozialrecht
    Ob Rente, Gesundheit und Pflege, Teilhabe und Behinderung, Leben im Alter oder soziale Sicherung: Der Sozialverband VdK ist für seine Mitglieder ein kompetenter Ratgeber und Helfer in allen sozialrechtlichen Belangen. | weiter
  • Rente
    Der VdK will die Rente zukunftssicher machen und Altersarmut verhindern. Lesen Sie hier alles rund um die Themen Rente, Alterssicherung und unsere rentenpolitischen Forderungen. | weiter
  • Behinderung
    Der VdK setzt sich für gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung in allen Lebensbereichen ein. Lesen Sie mehr zu Inklusion, Behindertenpolitik und Barrierefreiheit. | weiter
  • Pflege
    Wir finden: Die Situation Pflegebedürftiger und Pflegender muss sich dringend verbessern. Lesen Sie hier mehr zum Thema Pflegepolitik, pflegende Angehörige, häusliche Pflege und Pflegeleistungen. | weiter
  • Gesundheit
    Wir brauchen ein Gesundheitssystem, das an den Bedarfen der Menschen ausgerichtet ist. Lesen Sie mehr zu Gesundheitspolitik, Prävention, Gesundheitsleistungen, Hilfsmitteln und Versorgung. | weiter
  • Soziale Gerechtigkeit
    Rund 15,3 Millionen Menschen sind in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht - das ist fast jeder Fünfte! Der Sozialverband VdK kämpft für soziale Gerechtigkeit und setzt sich gegen die fortschreitende soziale Spaltung ein. | weiter
  • Frauen
    Frauen erhalten 49 Prozent weniger Einkommen und 53 Prozent weniger Rente als Männer. Der Sozialverband VdK setzt sich für mehr Gerechtigkeit für Frauen ein, kämpft für Gleichberechtigung und Gleichstellung. | weiter
  • Familie
    Wir brauchen Verlässlichkeit für Familien. Der VdK setzt sich unter anderem für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein, für familiengerechte Arbeitszeiten, den Ausbau der Kinderbetreuung und für ein Rückkehrrecht in Vollzeit. | weiter
  • Reha
    Krankheit, Unfall, Klinikaufenthalt: Die Rehabilitation setzt dort an, wo die Selbstbestimmung eines Menschen gefährdet ist. | weiter
  • Verena Benteles Lichtblicke
    Die neue Tagebuch-Kolumne der VdK-Präsidentin. Positiv und persönlich: Mit ihrer Kolumne 'Verenas Lichtblick' will sie Leserinnen und Lesern, auch in Zeiten von Corona, Hoffnung machen. | weiter
    30.03.2020

Zu wenig Rente?

Wir sagen Ihnen, was Ihnen laut Sozialrecht zusteht und kämpfen für Ihr Recht. Bundesweit. Jetzt Beratung vereinbaren!

Der VdK
Eine Frau gibt einer anderen Frau zur Begrüßung die Hand. Sie stehen am Eingang eines Gebäudes mit der Aufschrift "VdK Service Point"
Finden Sie mit der Beratungsstellen-Suche die nächste Rechtsberatungsstelle des Sozialverbands VdK - auch in Ihrer Nähe!
Der VdK
Symbolfoto: Zwei Frauen und ein Mann ziehen gemeinsam an einem Seil, an dessen Ende auch jemand zieht.
Wir machen uns stark für soziale Gerechtigkeit. Wir vertreten Ihre sozialpolitischen Interessen und kämpfen für Ihre Rechte. Unsere Stärke: Unabhängigkeit und Neutralität.

Presse
Das Bild zeigt einen Bildschirm, auf dem Googlemail geöffnet ist
Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Informationen zu Sozialpolitik und Sozialrecht.

Datenschutzeinstellungen

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.