6. Dezember 2018
Themen

Arbeit ist Teilhabe

Sozialverband VdK: Menschen mit Behinderung gezielt fördern

Anlässlich des Internationalen Tags der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember hat der Sozialverband VdK mehr Inklusion im Arbeitsleben gefordert.

© Andi Weiland | Gesellschaftsbilder.de

Einfach nur arbeiten wie andere auch: Tatsächlich wird dieser vermeintlich einfache Wunsch noch viel zu selten Realität. Nur 49 Prozent der Menschen mit Behinderung im erwerbsfähigen Alter gehen einer Beschäftigung nach. Zudem überwiegen Teilzeit- oder Minijob-Arbeitsverhältnisse. Arbeitslosigkeit betrifft Menschen mit einer Schwerbehinderung deutlich häufiger als den Durchschnitt – trotz guter Konjunktur. So lag die Arbeitslosenquote 2016 in dieser Gruppe bei 12,4 Prozent, für die Gesamtbevölkerung bei 7,8 Prozent. Dieser Abstand ist seit Jahren unverändert. Darüber hinaus verbleiben Menschen mit Schwerbehinderung deutlich länger in Arbeitslosigkeit. Sie erhalten auch kaum Rehabilitationsmaßnahmen zur Wiedereingliederung ins Arbeitsleben.

„Es fehlt am Bewusstsein und an konkreten Fördermöglichkeiten bei der Arbeitsvermittlung“, stellt VdK-Präsidentin Verena Bentele fest. Das bestätigt auch ein interner Bericht der Bundesagentur für Arbeit. Der Sozialverband VdK fordert deshalb eine Aufstockung von spezialisierten Reha-Fachkräften in den Jobcentern. Viele Behinderungen entstehen im Laufe des Arbeitslebens aufgrund von gesundheitlichen Belastungen.

„Arbeitslos, behindert und über 50 Jahre alt: Das sind die schlechtesten Faktoren, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen“, sagt Verena Bentele. Sie fordert die Verpflichtung zu Prävention und Barrierefreiheit. „Nicht nur die Menschen müssen sich der Arbeitswelt anpassen, sondern auch umgekehrt, damit die beste Leistung abgerufen werden kann“, ist sie überzeugt. Es sei unverständlich, dass so viele Unternehmen auf Fachkräftepotenzial verzichten. Bei 41.000 beschäftigungspflichtigen Arbeitgebern in Deutschland arbeitet kein einziger Mensch mit Behinderung. Die barrierefreie Gestaltung von Arbeitsplätzen ist nur dann Vorschrift, wenn bereits ein schwerbehinderter Mensch beschäftigt ist.

Am 1. Januar 2019 tritt das Teilhabechancengesetz in Kraft. Mit ihm sollen Langzeitarbeitslose auf dem allgemeinen und sozialen Arbeitsmarkt gefördert werden. Das Jobcenter zahlt Lohnkostenzuschüsse. Für Menschen, die länger als sechs Jahre arbeitslos sind, sogar zunächst zu 100 Prozent.

Der Sozialverband VdK begrüßt grundsätzlich, dass vor allem älteren, geringqualifizierten und kranken Menschen eine Arbeitsper­s­pektive verschafft werden soll. Das Budget reicht jedoch maximal für 150 000 Förderungen, es gibt aber etwa 800.000 Langzeitarbeitslose. „Gerade Menschen mit Behinderung könnten hier wieder durchs Raster fallen“, warnt Bentele. Der VdK fordert, für Menschen mit besonderem Förderbedarf ein eigenes Kontingent zu schaffen. Auf Druck des VdK wurde zumindest eine Verbesserung ins Gesetz aufgenommen: Mit einer Schwerbehinderung genügen schon fünf statt sechs Jahre Arbeitslosigkeit, damit der Arbeitgeber den vollen Förderbetrag erhält.

Lesen und sehen Sie mehr:

Teilhabe und Behinderung
Ein Rollstuhlfahrer der für behinderte Menschen Arbeitnehmer stehen soll.
Laut BAG muss bei der Kündigung Schwerbehinderter die Behindertenvertretung informiert werden, aber nicht sofort. Was gilt generell bei Kündigungen & Kündigungsgschutz von behinderten Beschäftigten? | weiter
14.12.2018 | sko
Teilhabe und Behinderung
Symbolfoto: Junge Frau im Rollstuhl bewegt sich durch die Stadt
Was bedeutet eigentlich der "Grad der Behinderung" (GdB) und wie wird er ermittelt? Ab welchem Grad der Behinderung gilt man als schwerbehindert? | weiter
| cl

VdK-TV: Nachteilsausgleiche für Menschen mit Behinderung (Teil 1/UT)

Menschen mit Behinderung haben Anspruch auf bestimmte Nachteilsausgleiche. Welche dies sind und wer Anspruch hat, erklären wir in unserer Serie über den Nachteilsausgleich.

bsc

Schlagworte Behinderung | Teilhabe | Inklusion | Schwerbehinderung | Arbeitsmarkt

Themen
VdK-Delegierte bei der Abstimmung - sie halten rote Stimmkarten hoch.
Was denkt der VdK über Rente, Pflege, Behinderung und anderen sozialpolitischen Themen? Hier finden Sie unsere Grundpositionen und unsere Stellungnahmen zu aktuellen Gesetzesvorhaben. | weiter
18.07.2018
Mitgliedschaft
Eine Gruppe von Menschen - Männer und Frauen, Jung und Alt, mit und ohne Behinderung - bildet Arm in Arm eine Kette.
Es gibt viele gute Gründe für eine Mitgliedschaft im VdK - dem mit mehr als 2 Millionen Mitgliedern größten Sozialverband Deutschlands. | weiter
Presse
Symbolfoto: Ein Briefumschlag mit einem großen @-Zeichen darin.
Abonnieren Sie unsere Newsletter mit Informationen zu Sozialpolitik und Sozialrecht. Journalisten könnnen sich hier für unseren Pressenewsletter eintragen. | weiter