7. November 2018
Themen

Hausbesuche: Muss der Arzt nach Hause kommen?

Nicht jeder Hausarzt bietet Hausbesuche an, obwohl er dazu verpflichtet ist. Das stellt vor allem ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen vor große Probleme. Sie sollten ihren Hausarzt gezielt darauf ansprechen, auch wenn sie noch in der Lage sind, selbst den Arzt aufzusuchen.

Symbolfoto: Ein Mann mit einer großen Arzttasche und einem Stethoskop geht einen gepflasterten Weg entlang.
Versorgungslücke: Hausärzte machen mittlerweile immer weniger Hausbesuche. | © imago/photothek

Laut Statistik der Kassenärztlichen Bundesvereinigung haben Ärzte im vergangenen Jahr 24,6 Millionen Hausbesuche absolviert, sechs Millionen weniger als im Jahr 2009. Einen Grund für diese Entwicklung sehen Gesundheitsexperten in der Sorge vieler Hausärzte vor Rückzahlungen, wenn sie zu viele Hausbesuche machen. Von Bundesland zu Bundesland ist das zwischen kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen anders geregelt. Pro Hausbesuch kann ein Arzt gerade einmal rund 20 Euro zusätzlich abrechnen. Das deckt kaum die tatsächlichen Kosten, wenn man den zusätzlichen Aufwand einrechnet.

Wann kommt ein Hausbesuch des Arztes in Frage?

Generell gilt: Hausbesuche sind nur durchzuführen, wenn der Patient aus gesundheitlichen Gründen den Arzt nicht aufsuchen kann. Das ist in der Regel der Fall, wenn jemand bettlägerig ist. Denn Schmerzen, hohes Fieber, Kreislaufprobleme, häufiges Erbrechen oder Schwäche machen für einige Patienten den Gang zum Arzt oft unerträglich, teilweise sogar unmöglich.

Wann kann die Verpflichtung zum Hausbesuch entfallen?

Grundsätzlich kann der Arzt den Hausbesuch auf Zeiten vor oder nach seiner Sprechstunde legen. Ist er jedoch nicht sicher, ob der Hausbesuch aufgeschoben werden kann, muss er die Praxis auch während der Sprechstunden verlassen und den Hausbesuch durchführen.

Die Verpflichtung zum Hausbesuch kann jedoch entfallen, wenn der Arzt zum Beispiel wegen wichtiger Pflichten, wie anderen unaufschiebbaren Behandlungen und Notfällen, nicht abkömmlich ist. Ein volles Wartezimmer zählt jedoch nicht dazu.

Besuche außerhalb des üblichen regionalen Einzugsbereichs der Praxis kann der Arzt allerdings ablehnen. Wer nicht in unmittelbarer Nähe wohnt, sollte sich nach einem anderen Mediziner umschauen, der für das Wohngebiet zuständig ist.

Hausbesuche dürfen an andere Mitarbeiter delegiert werden

Nach den gesetzlichen Bestimmungen des Fünften Sozialgesetzbuchs sind Hausbesuche grundsätzlich auch an qualifizierte nichtärztliche Mitarbeiter delegierbar. Voraussetzung dafür ist, dass zuvor ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt stattgefunden hat. Delegiert werden können zum Beispiel medizinische Leistungen wie Blutdruck- und Pulsmessen, Verbandswechsel oder Injektionen in die Unterhaut oder einen Muskel.

Hausbesuch: Was ist mit Fachärzten?

Auch Fachärzte sind zum Hausbesuch verpflichtet, wenn bei einem von ihnen behandelten Patienten wegen einer Erkrankung aus ihrem Fachgebiet ein Besuch notwendig ist. Diese Verpflichtung besteht ebenfalls, wenn der Facharzt beratend zu einer Behandlung hinzugezogen wird und danach weitere Besuche durch ihn als erforderlich erachtet werden.

Ablehnung des Hausbesuchs nur in Ausnahmefällen

Fazit: Im absoluten Notfall besteht für jeden Arzt immer und überall die Verpflichtung, zu helfen. Wenn ein Patient wegen einer ernsten Erkrankung nicht in die Praxis kommen kann, ist der Arzt verpflichtet, seinen Patienten zu versorgen, in diesem Fall eben zu Hause. Eine Ablehnung des Besuchs ist nur in wenigen Ausnahmefällen möglich. Sollte der behandelnde Arzt keinen Dienst haben, ist er in der Pflicht, seinen Patienten an den ärztlichen Bereitschaftsdienst zu verweisen und sicherzustellen, dass sich jemand anderes kümmert.

Lesen und sehen Sie mehr zum Thema:

STATEMENT
Verena Bentele steht an einem Rednerpult und spricht ins Mikrofon. Hinter ihr erkennt man den VdK-Slogan "Soziale Spaltung stoppen!"
26.09.2018 - Gesetzlich Versicherte sollen künftig schneller an Arzttermine kommen. Der VdK findet: Das ist richtig, es stärkt die ambulante ärztliche Versorgung der Patienten. | weiter
26.09.2018 | verantwortlich: Cornelia Jurrmann, Telefon: 030 / 92 10 580-401

Themen
Ein Krankentransporter, der von unten fotografiert ist.
Eine Fahrt zur Klinik, zur ambulanten Behandlung oder zum Arzt: Wann zahlt die Krankenkasse die Fahrtkosten? Wann müssen Patienten selbst dafür aufkommen? | weiter
17.07.2018 | ikl


VdK-TV: Is was, Doc? – Wie sich Arzt und Patient besser verstehen

Ein ruhiges und verständliches Arzt-Patient-Gespräch ist der erste Schritt zum Therapieerfolg. Und auch die Patienten können sich auf ein Arztgespräch vorbereiten.

ikl

Schlagworte Hausbesuch | Arzt | Hausarzt | Rechtsanspruch | Facharzt | Patientenrecht

  • Sozialrecht
    Ob Rente, Gesundheit und Pflege, Teilhabe und Behinderung, Leben im Alter oder soziale Sicherung: Der Sozialverband VdK ist für seine Mitglieder ein kompetenter Ratgeber und Helfer in allen sozialrechtlichen Belangen. | weiter
  • Rente
    Der VdK will die Rente zukunftssicher machen und Altersarmut verhindern. Lesen Sie, was wir verändern wollen und wie wir uns eine Reform der Rente vorstellen. | weiter
  • Behinderung
    Der VdK setzt sich für Gleichberechtigung von Menschen mit und ohne Behinderung ein. Lesen Sie hier unsere Positionen zu Teilhabe, Inklusion und Behindertenpolitik. | weiter
  • Pflege
    Knapp 2,9 Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig. Wir finden: Die Situation Pflegebedürftiger und Pflegender muss sich dringend verbessern. | weiter
  • Gesundheit
    Gesundheit muss für alle Menschen bezahlbar sein und bleiben. Lesen Sie hier unsere Forderungen und Positionen zur Gesundheitspolitik. | weiter
  • Soziale Gerechtigkeit
    Über 16 Millionen Menschen sind in Deutschland von Armut und Ausgrenzung bedroht. Lesen Sie hier die Forderungen des VdK zum Thema soziale Gerechtigkeit. | weiter
  • Frauen
    Von Armut sind besonders häufig Frauen betroffen. Was aus Sicht des VdK getan werden muss, lesen Sie hier. | weiter
  • Familie
    Der VdK setzt sich für Familien ein. Unsere Forderungen zur Familienpolitik finden Sie hier. | weiter
  • Reha
    Krankheit, Unfall, Klinikaufenthalt: Die Rehabilitation setzt dort an, wo die Selbstbestimmung eines Menschen gefährdet ist. | weiter
  • Verena Benteles Lichtblicke
    Die neue Tagebuch-Kolumne der VdK-Präsidentin. Positiv und persönlich: Mit ihrer Kolumne 'Verenas Lichtblick' will sie Leserinnen und Lesern, auch in Zeiten von Corona, Hoffnung machen. | weiter
    30.03.2020

Zu hohe Kosten für Medikamente?

Wir sagen Ihnen, was Ihnen laut Sozialrecht zusteht und kämpfen für Ihr Recht. Bundesweit. Jetzt Beratung vereinbaren!

Der VdK
Eine Frau gibt einer anderen Frau zur Begrüßung die Hand. Sie stehen am Eingang eines Gebäudes mit der Aufschrift "VdK Service Point"
Finden Sie mit der Beratungsstellen-Suche die nächste Rechtsberatungsstelle des Sozialverbands VdK - auch in Ihrer Nähe!
Der VdK
Symbolfoto: Zwei Frauen und ein Mann ziehen gemeinsam an einem Seil, an dessen Ende auch jemand zieht.
Wir machen uns stark für soziale Gerechtigkeit. Wir vertreten Ihre sozialpolitischen Interessen und kämpfen für Ihre Rechte. Unsere Stärke: Unabhängigkeit und Neutralität.

Presse
Das Bild zeigt einen Bildschirm, auf dem Googlemail geöffnet ist
Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Informationen zu Sozialpolitik und Sozialrecht.

Datenschutzeinstellungen

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.