1. März 2018
Themen

Kassenpatienten benachteiligt: VdK fordert Ende der Zwei-Klassen-Medizin

Gesetzlich Krankenversicherte müssen am Ende eines Quartals länger auf Arzttermine warten. Nach einer Studie der Universität Hamburg schränken Fachärzte und Hausärzte alle drei Monate ihre Tätigkeit ein, sodass Kassenpatienten vermehrt auf Bereitschaftsdienste ausweichen müssen.

Zur Abschaffung der "Zwei-Klassen-Medizin" fordert der VdK, dass die gesamte Bevölkerung in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung versicherungspflichtig wird. | © imago/photothek

Im März, Juni, September und Dezember nehmen Ärzte laut Studie weniger gesetzlich versicherte Patienten für Routineuntersuchungen an. In den ersten zwei Wochen des neuen Quartals steigen die Zahlen dann wieder an.

Grund für den Engpass an Terminen ist, dass die gesetzlichen Krankenkassen nur eine bestimmte Anzahl an Patientengesprächen und Routineuntersuchungen pro Arztpraxis bezahlen. Wird die maximale Anzahl, das sogenannte Regelleistungsvolumen, überschritten, übernehmen die Kassen nur noch einen Teil der Kosten. Der deutlichste Effekt zeigte sich laut Studie bei Hautärzten und Augenärzten. Sie reduzierten Termine alle drei Monate um rund 14 Prozent, Orthopäden und Hals-Nasen-Ohren-Ärzte um knapp zehn Prozent.

Ungerecht: Mehr Termine für Privatversicherte

Viele Behandlungen bei Allgemeinmedizinern können bei den Krankenkassen nur einmal pro Patient und Quartal geltend gemacht werden. Hausärzte schieben deshalb die Termine für Folgebehandlungen ins nächste Quartal auf, um sicherzugehen, dass die Kosten vollständig erstattet werden. Patienten, die privat versichert sind, erleben diesen Engpass nicht. Für sie gibt es kein Limit. Weil Fachärzte ganz offensichtlich eher motiviert sind, gut bezahlte Termine anzubieten, bekommen Privatversicherte in der Regel unabhängig von Quartalen Termine.

VdK: Gesetzlich Versicherte sind „Patienten zweiter Klasse“

Für den Sozialverband VdK ist diese Verfahrensweise ein Spiegelbild der immer weiter fortschreitenden Entsolidarisierung des Gesundheitssystems. Gesetzlich Versicherte werden wie „Patienten zweiter Klasse“ behandelt. Der VdK appelliert an die neue Bundesregierung, dass zur Stärkung der Solidargemeinschaft und der Vermeidung einer Zwei-Klassen-Medizin die gesamte Bevölkerung in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung versicherungspflichtig und damit eine Krankenvollversicherung in der privaten Krankenversicherung abgeschafft wird.

In einem ersten Schritt sollte die Gebührenordnung für Ärzte bei gesetzlich und privat Versicherten – bei stabiler Gesamtvergütung – vereinheitlicht werden. Aus Sicht des Sozialverbands VdK ist das ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg zur allgemeinen sozialen Krankenversicherung. Laut Koalitionsvertrag soll eine wissenschaftliche Kommission eingesetzt werden, die bis Ende 2019 Vorschläge erarbeitet.

Lesen und Sie mehr:

Gesundheit
Ein Krankenkassenkarte, die in einem Portemonnaie steckt.
Was können Versicherte tun, wenn die gesetzliche Krankenkasse ihren Antrag auf eine Leistung ablehnt? Der Sozialverband VdK gibt Tipps. | weiter
25.01.2018 | ikl
Gesundheit
Das Bild zeigt einen Teil eines Rollstuhls.
Was ist ein Hilfsmittel, was ein Pflegehilfsmittel? Wer übernimmt die Kosten dafür? Wir geben einen Überblick über die wichtigsten Fragen. | weiter
11.01.2018 | ime

VdK-TV: Krankenkassenwechsel - Pro und Contra und wie geht das überhaupt? (UT)

Welche Krankenkasse ist für mich die richtige? Soll ich die Kasse wechseln? Und was muss ich überhaupt tun, wenn ich wechseln will?

ikl

Schlagworte Zwei-Klassen-Medizin | gesetzlich Versicherte | gesetzliche Krankenversicherung | Privatversicherung | Gesundheitssystem

  • Rente
    Der VdK will die Rente zukunftssicher machen und Altersarmut verhindern. Lesen Sie, was wir verändern wollen und wie wir uns eine Reform der Rente vorstellen. | weiter
  • Behinderung
    Der VdK setzt sich für Gleichberechtigung von Menschen mit und ohne Behinderung ein. Lesen Sie hier unsere Positionen zu Teilhabe, Inklusion und Behindertenpolitik. | weiter
  • Pflege
    Knapp 2,9 Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig. Wir finden: Die Situation Pflegebedürftiger und Pflegender muss sich dringend verbessern. | weiter
  • Gesundheit
    Gesundheit muss für alle Menschen bezahlbar sein und bleiben. Lesen Sie hier unsere Forderungen und Positionen zur Gesundheitspolitik. | weiter
  • Soziale Gerechtigkeit
    Über 16 Millionen Menschen sind in Deutschland von Armut und Ausgrenzung bedroht. Lesen Sie hier die Forderungen des VdK zum Thema soziale Gerechtigkeit. | weiter
  • Frauen
    Von Armut sind besonders häufig Frauen betroffen. Was aus Sicht des VdK getan werden muss, lesen Sie hier. | weiter
  • Familie
    Der VdK setzt sich für Familien ein. Unsere Forderungen zur Familienpolitik finden Sie hier. | weiter
  • Reha
    Krankheit, Unfall, Klinikaufenthalt: Die Rehabilitation setzt dort an, wo die Selbstbestimmung eines Menschen gefährdet ist. | weiter
  • Ratgeber Recht
    Ob Rente, Gesundheit und Pflege, Teilhabe und Behinderung, Leben im Alter oder soziale Sicherung: Der Sozialverband VdK ist für seine Mitglieder ein kompetenter Ratgeber und Helfer in allen sozialrechtlichen Belangen. | weiter
  • Verena Benteles Lichtblicke
    Die neue Tagebuch-Kolumne der VdK-Präsidentin. Positiv und persönlich: Mit ihrer Kolumne 'Verenas Lichtblick' will sie Leserinnen und Lesern, auch in Zeiten von Corona, Hoffnung machen. | weiter
    30.03.2020

Zu hohe Kosten für Medikamente?

Wir sagen Ihnen, was Ihnen laut Sozialrecht zusteht und kämpfen für Ihr Recht. Bundesweit. Jetzt Beratung vereinbaren!

Der VdK
Eine Frau gibt einer anderen Frau zur Begrüßung die Hand. Sie stehen am Eingang eines Gebäudes mit der Aufschrift "VdK Service Point"
Finden Sie mit der Beratungsstellen-Suche die nächste Rechtsberatungsstelle des Sozialverbands VdK - auch in Ihrer Nähe!
Der VdK
Symbolfoto: Zwei Frauen und ein Mann ziehen gemeinsam an einem Seil, an dessen Ende auch jemand zieht.
Wir machen uns stark für soziale Gerechtigkeit. Wir vertreten Ihre sozialpolitischen Interessen und kämpfen für Ihre Rechte. Unsere Stärke: Unabhängigkeit und Neutralität.
Presse
Das Bild zeigt einen Bildschirm, auf dem Googlemail geöffnet ist
Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Informationen zu Sozialpolitik und Sozialrecht.

Datenschutzeinstellungen

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.